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18:44 25.06.2014
Von Uwe Janssen
Singer-Songwriter George Ezra bei einem Konzert in Budapest. Quelle: dpa
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Hannover

Das soll also der neue Bob Dylan sein. Aber sollte nicht schon Jake Bugg der neue Bob Dylan sein? Vielleicht ist also er, George Ezra, eher der neue Jake Bugg. Wenn es überhaupt einen neuen Jake Bugg braucht, denn der ist ja selbst noch ziemlich neu. Schublade auf, Schublade zu - so ist das eben, wenn ein junger Kerl wie George Ezra auf der Popbühne erscheint und mit „Budapest“ einen Radiohit landet, der nirgends richtig reinpasst. Ganz einfacher Song, sparsam instrumentiert, und ein Falsett- „uuuuuh“ in jeder Strophe reicht schon, um bei den einen im Ohr hängen zu bleiben und anderen schon wieder aus den Ohren rauszukommen.

Nun haben alle ein paar Monate Zeit für Vergleiche gehabt, und dass man dabei irgendwann bei Bob Dylan, dem Unvergleichlichen, landet, liegt vielleicht in der Natur der Sache. Höher, schneller, weiter. Nun ist das Album da. Nein, George Ezra ist kein Dylan, nicht mal ein Dylanchen. Er ist auch kein Jake Bugg. Er ist George Ezra. Ein junger Mann mit Gitarre und viel Straßenmusikererfahrung, der herumgekommen ist und darüber singt, und dessen markante Bluesstimme viel älter klingt als die eines 21-Jährigen.

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Er wohnt in Bristol, weil ihm London zu teuer ist. Er sei sowieso das halbe Jahr unterwegs, da könne er auch in Bristol mit seinen moderaten Mietpreisen leben, sagt er. Dass er das Reisen mag, zeigt nicht nur der Albumtitel „Wanted on Voyage“. Er besingt neben Budapest auch Barcelona sowie Trips nach Australien und Amsterdam. Kleine Verbeugungen, immer in Verbindung mit persönlichen Lebens- und Liebeserlebnissen. Das sind nicht alles lyrische Höhenflüge, und für die Vieldeutigkeit, die Ezra in seinen Texten verstanden wissen will, braucht man eine Menge Fantasie, von allein gehen da auch nach mehrfachem Hören keine Türen zu neuen Bedeutungsebenen auf. Aber das vermisst auch nur, wer ihn mit dem Unvergleichlichen vergleicht.

Denn die feinen Arrangements, die Stimme und die Art des Vortrags sagen: Bleib dran, Hörer! „Did You Hear the Rain?“ ist so ein Song, musikalisch ein Viereinhalbminutenwestern, mit einem kurzen Slap-Echo auf der Stimme. Der Text ist banal, aber der Hörfilm ist trotzdem spannend. Die Musik wird immer breiter, das Singen intensiver. Man bleibt bis zum Showdown. Clever. Mit „Spectacular Rival“, dem üppig arrangierten Schlusssong, gibt Ezra schon mal seine Bewerbung für den Song zum nächsten Bond-Film ab. Auch clever. Cliffhanger, würde man im Filmgeschäft sagen.

George Ezra: „Wanted on Voyage“ (SMI/Columbia).

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