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00:15 26.03.2014
Die Gesichter hinter den Stimmen: „Die Drei Fragezeichen“ in Hannover. Quelle: Behrens
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Hannover

Kindheitserinnerungen sind in Popangelegenheiten so eine Sache. Meistens ist es später unsagbar peinlich, für einen bestimmten Star geschwärmt zu haben. „Die drei Fragezeichen“ sind da eine Ausnahme: Bei ihren mittlerweile 30- bis 40-jährigen Fans sind sie noch immer Kult. Und das Beste an ihnen ist, dass sie nach 35 Jahren im Geschäft – Stimmbruch, ersten Bauchansätzen und schwindendem Haar zum Trotz – noch immer klingen, als drücke man auf die Playtaste des Kassettenrekorders im Kinderzimmer.

Und so macht es auch nichts, dass die drei Männer in Fliege und schwarzem Anzug, die da am Sonnabend durch das diffuse Licht der ausverkauften TUI Arena treten, mit den drei jugendlichen Detektiven, die auf Fahrrädern oder in Mortens Rolls Royce über den Schrottplatz von Rocky Beach jagen, rein äußerlich so gar nichts gemeinsam haben. Sobald Oliver Rohrbeck (Justus), Jens Wawrczek (Peter) und Andreas Fröhlich (Bob) an die Mikrofone treten, beginnt ein neuer Fall – das Kopfkino kann losgehen.

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Fünf Jahre ist's her

Lange mussten die Fans der drei Detektive auf diesen Liveauftritt der Originalsprecher warten. Seit mehr als drei Jahrzehnten begeistern „Die drei Fragezeichen“ ihre Fans – und das über Generationen hinweg. Mit mehr als 160 Folgen und über 44 Millionen verkauften Tonträgern gelten die drei Detektive als die erfolgreichste deutsche Hörspielreihe aller Zeiten. Die jüngste Liveshow der Originalsprecher aber liegt bereits fünf Jahre zurück.

Mit „Phonophobia – Sinfonie der Angst“ präsentieren sie nun, pünktlich zum etwas schiefen 35-jährigen Geburtstag der Reihe, endlich einen neuen Fall, der nur für die Bühne geschrieben wurde. Ein mysteriöses Institut, eine seltene Gabe und ein Racheschwur stellen das Detektiv-Trio dieses Mal vor ein neues Rätsel – erstmals allerdings ohne Erzähler. Doch den vermisst man in der Geschichte kaum. Auch ohne überleitende Worte wird das Hörspiel auf der Bühne zum Liveerlebnis. Dafür sorgen neben den munteren Stimmen der Sprecher der einfallsreiche Geräuschemacher und – ohne visuelle Unterstützung geht es dann eben doch nicht – Einspielungen auf einer riesigen Videoleinwand.

Tanzen können sie auch!

Für Fans gibt es neben dem neuen Fall auch ein paar ironisch-nostalgische Abstecher zu alten Geschichten – so ist es schon Tradition. Etwa, als Rohrbeck, Wawrczek und Fröhlich im zweiten Teil eine überraschende Tanzeinlage im Boygroup-Stil zeigen – hinterher sofort mit ihren Rückenproblemen kokettieren und dann fragen: „Wie lange ist es her, dass wir hier im Geisterschloss ermittelt haben?“ Die Antwort kennt fast jeder in der Halle: 34 Jahre – und die Folge lehrt ihre Zuhörer noch immer das Fürchten.

Noch lustiger ist es, wenn die Sprecher auf der Bühne kurz aus der Rolle fallen: So kommt es, dass Peter nach dem Tod eines Widersachers ein Veto einlegt: „Bei den ,drei Fragezeichen‘ stirbt doch niemand. Sonst kann danach keiner mehr einschlafen.“ Und dann hat das Kassettenrekorderklicken seinen großen Auftritt: Es wird zurückgespult, aus dem tödlichen Felsbrocken wird ein kleinerer Stein, aus dem Tod ein Beinbruch. Der Fall ist gelöst.
Bis zum nächsten Mal im Kinderzimmer, ganz bestimmt.

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