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19:11 04.10.2015
Gequälte Celli, dass es eine Freude ist: Apocalyptica im Capitol. Quelle: Wallmüller
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Hannover

Im Jahr 1997 wurde Eicca Toppinen gefragt, was er und seine Kollegen da eigentlich auf der Bühne machen. Toppinen seufzte und sagte, er hasse das Wort, aber, nun ja, es sei wohl „Crossover“. Mittlerweile gibt es eine ganz eigene Bezeichnung für das, was die finnische Band Apocalyptica tut: „Cello Rock“. Und es gibt auch nur eine Band, die dieses Genre beherrscht: Apocalyptica. Entstanden, weil Absolventen der finnischen Sibelius-Akademie Stücke ihrer Lieblings-Heavy-Metal-Band Metallica nachgespielt haben. Mit nichts als Celli.

Am Donnerstagabend konnte man im Capitol in Hannover, wo die Band ihre neue CD „Shadowmaker“ vorstellte, überprüfen, ob sich die Sache entwickelt hat. Und das hat sie: Zu den Cellisten Eicca Toppinen, Paavo Lötjönen und Perttu Kivilaakso gehören mittlerweile der Schlagzeuger Mikko Sirén und neuerdings auch Sänger Franky Perez. Coverversionen sind selten, die Band spielt vorwiegend eigene Stücke. Aber auch mal Edvard Grieg. Und weil Songschreiber Eicca Toppinen Arvo-Pärt-Fan ist, können sie sogar ganz filigran sein. Wenngleich entschieden lauter.

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Apocalyptica war nie eine reine Metal-Band, und so standen denn im Publikum neben den Schwermetallfreunden immer auch Klassikfreunde, die mit wohligem Entsetzen beobachteten, wie da die Celli verprügelt wurden. Inzwischen ist das Publikum nicht mehr von dem von Alternativ-Rock-Konzerten zu unterscheiden. Man wird populärer: Das Stück „Cold Blood“ von der neuen CD hat sogar das Zeug zum Ohrwurm.

Schönes Konzert, mit Abstrichen. Die Cellisten quälen ihre Instrumente, dass es eine Freude ist, Drummer Sirén quält sich selbst, Perez quält uns nicht zu oft. Er kann durchaus singen, doch in ihm hat die Truppe einen guten Schritt hin zur 08/15-Band gemacht. Die Alleinstellungsmerkmale gehen verloren.

Leider geht auch, zumindest im ersten Drittel des Auftritts, der Sound weitgehend verloren, jedenfalls hört man die Celli nicht, sondern nur einen schlagzeugstrukturierten Verzerrerbrei. Das ändert sich erst, als die Roadies ein paar Stühle für die (vorher martialisch im Stehen spielenden) Cellisten und ein kleineres Schlagzeug auf die Bühne schieben: Kammerkonzert-Intermezzo. Und plötzlich ist alles wieder da, was Apocalyptica zu einer Ausnahmeerscheinung macht. Nicht, dass da Rock mit Klassikinstrumenten gespielt wird. Sondern dass klassisch ausgebildete Musiker Rockmusik spielen. Dass hinter jedem Akkord aufscheint, dass man viel Kompliziertes gelernt haben muss, um Einfaches wirklich gut zu spielen. Danach agiert dann wieder die Rosshaarvernichtungsmaschine.

Die Stücke der neuen CD sind okay, mehr nicht. Eine der besten Interpretationen ist „One“ von Metallica, schon bei den Zugaben. Und einmal spielt Perttu Kivilaakso ein paar Takte der deutschen Nationalhymne. Man sieht das kollektive Erstarren des Publikums, wir sind ja im alternativen Deutschland. Dann zieht Kivilaakso sein Spiel ins Ironische, wie weiland Hendrixgotthabihnselig. Die Spannung löst sich, Gelächter, Applaus. Die Welt ist wieder in Ordnung. Und am Ende lässt Eicca Toppinen das Licht anschalten und sagt, es sei schön, in einen Saal voller lächelnder Gesichter zu blicken.

Hach. Jetzt muss beim nächsten Mal aber wieder der Sound stimmen.

Von Bert Strebe

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