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Kultur überregional Ein Spritzer Regenbogen
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07:48 18.11.2014
Von Martina Sulner
Margaret Atwood hat Anfang der sechziger Jahre ihre ersten Gedichtbände veröffentlicht; erst einige Jahre später folgten die Romane - darunter ihr wohl bekanntester, „Der Report der Magd“, der 1985 veröffentlicht und 1990 von Volker Schlöndorff verfilmt wurde.
Margaret Atwood hat Anfang der sechziger Jahre ihre ersten Gedichtbände veröffentlicht; erst einige Jahre später folgten die Romane - darunter ihr wohl bekanntester, „Der Report der Magd“, der 1985 veröffentlicht und 1990 von Volker Schlöndorff verfilmt wurde. Quelle: dpa
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Die Widmung ist schlicht: „Für meine Familie“ hat Margaret Atwood ihrem neuen Buch „Die Tür“ vorangestellt. Darin tauchen, ohne Namen zu nennen, mehrere Familienmitglieder auf: die Eltern, die Schwester, der Ehemann, die Kinder. Die kanadische Autorin, vielfach ausgezeichnet und seit Jahren als Kandidatin für den Literaturnobelpreis im Gespräch, spannt in dem Buch einen großen Bogen: „Die Tür“ erzählt eine Biografie in Versen.

Es beginnt mit einer frühen Erinnerung der am 18. November 1939, also heute vor 75 Jahren, geborenen Schriftstellerin. „Benzin“ heißt das erste der 51 Gedichte; Atwood schreibt: „das Leuchtendste in Kriegszeiten, / ein Spritzer Regenbogen, / flüchtig wie Insektenflügel, / grün, blau, rot und rosa, / meine eigene schimmernde Kleinkunst.“ Die Autorin fragt sich, ob das ihr schönstes Spielzeug gewesen sei, damals während des Kriegs.

Die Poeme - meist lange Prosagedichte - erzählen vom Leben Margaret Atwoods: Hier eine Reise als junge Frau durch Europa, dort der Anruf der Schwester, dass die alte Katze der beiden gestorben sei, dann Erinnerungen an den Vater, einen Insektenforscher, und berührende Verse über die Mutter, die bald sterben wird. Die alte Frau „schwindet und schwindet“ und zugleich, da ihr Herz noch stark ist, „lebt und lebt“ sie.

Häufiger als Familienmitglieder tauchen in dem Band Tiere und Pflanzen auf. „Um Katzen trauern“, heißt ein Gedicht, „Lamento eines Bären“ ein anderes. Doch selbst, wenn in dem Band mal von einem Kätzchen und nicht von einer Katze die Rede ist: Die Verse sind alles andere als sentimental - sie wirken kühl, manchmal fast ein bisschen brutal in ihrer Direktheit.

Im Original ist das Buch bereits 2007 erschienen. Der Berlin Verlag hat es zwar verspätet, aber dafür in einer schön gestalteten Ausgabe mit Leineneinband und Lesebändchen herausgegeben. Es ist eine zweisprachige Edition: Links steht das englische Original, rechts die deutsche Übertragung. Diese Fassungen zu vergleichen ist spannend. Man erkennt dabei jedoch, dass Monika Baarks Übertragung an einigen Stellen einen Hauch zu blumig geraten ist.

Margaret Atwood hat Anfang der sechziger Jahre ihre ersten Gedichtbände veröffentlicht; erst einige Jahre später folgten die Romane - darunter ihr wohl bekanntester, „Der Report der Magd“, der 1985 veröffentlicht und 1990 von Volker Schlöndorff verfilmt wurde. Die Kanadierin hat mehrere - zumeist düstere - Science-Fiction-Romane geschrieben, erzählt aber auch immer wieder von der jüngeren Geschichte ihres Heimatlandes. „Katzenauge“ zum Beispiel spielt hauptsächlich im Kanada der Nachkriegszeit. Und der opulente, spannende Roman „Der blinde Mörder“, für den die Autorin im Jahr 2000 den Man-Booker-Preis bekommen hat, geht - selbst wenn es auch hier wieder Science-Fiction-Passagen gibt - in die dreißiger Jahre zurück.

Am Ende der Gedichtsammlung „Die Tür“ stehen mehrere Gedichte über das Altern - ironisch, lakonisch und manchmal etwas verzweifelt klingen sie. In „Das dritte Alter besucht die Arktis“ heißt es zum Beispiel: „Wir sind das, was die Franzosen höflich / das dritte Alter nennen: Eins und zwei liegen hinter uns. Vier / bleibt taktvoll noch unerwähnt, wobei / es dräut. Das kommt dann danach.“ Um dieses „Danach“ geht es im titelgebenden Abschlussgedicht: Da wirft die Autorin den Blick in einen Raum, wenn eine Tür aufschwingt. Dieser Raum, das macht Margaret Atwood deutlich, ist der Tod. Ein langer Weg vom kleinen Mädchen, das sich an einem Spritzer Regenbogen erfreut, bis zur alten Frau, die über ihr Sterben nachdenkt.

Margaret Atwood: „Die Tür / The Door“. Deutsch von Monika Baark. Berlin Verlag. 285 Seiten, 22,95 Euro.

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