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Kultur überregional „Es wird immer schwerer, die Leute zu locken“
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18:50 18.03.2015
Foto: Der Hannoveraner und Saxophonist Stephan Abel.
Der Hannoveraner und Saxophonist Stephan Abel. Quelle: EPC
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Hannover

Herr Abel, Ihre neue Doppel-CD „The Windmills of Your Mind“ ist ein reines Balladenalbum. Warum?

Das wollte ich immer schon einmal machen. Man könnte sagen, ich habe mir das Album zum Geburtstag geschenkt. Ich bin gerade 50 geworden und habe mir überlegt: Mache ich eine große Party? Davon habe ich dann zwei Tage lang etwas, nämlich Kopfschmerzen, oder investiere ich das Geld lieber in etwas, das bleibt? Da habe ich mich für das Album entschieden.

Sie leben und arbeiten in Hannover. Ist es schwer, hier Jazzmusiker zu sein?

Eigentlich ist es nicht schlecht in Hannover. Es gibt hier auch die Gesellschaft der Freunde des Jazz, die unterstützt Konzerte. Sie machen auch immer das „Jazz in June“, das jedes Jahr in der Marktkirche stattfindet.

Kann man von Jazz denn leben?

Immer schwerer. Es wird immer schlimmer, muss ich leider jetzt mit 50 Jahren sagen. Als ich angefangen habe, so mit 19, da waren die Gagen auch nicht fürstlich, aber man konnte viel spielen und konnte davon leben. Aber im Moment? Es wird immer schwieriger, die Leute hinterm heimischen Laptop hervor- und in die Clubs hineinzulocken. Wenn sie erst einmal da sind, sind sie in der Regel auch begeistert und fragen, wann wir denn mal wieder spielen. Aber so weit muss man sie erst einmal kriegen. Das ist das Paradoxe. Wenn mich heute ein Schüler fragt, ob er Musiker werden solle, rate ich ihm in der Regel davon ab. Das habe ich früher nicht getan.

Aber Livemusik ist doch das Einzige, womit Musiker noch Geld verdienen können, wenn sich alle die Aufnahmen im Internet holen können.

Mit Jazz verdient man sowieso nicht viel Geld, weil das Musik für eine kleine Zielgruppe ist. Aber es stimmt schon: mit Aufnahmen verdient man eigentlich gar nichts mehr. Die macht man mehr oder weniger für sich selbst, oder um auf sich und seine Musik aufmerksam zu machen. Das ist Werbung. Das Problem ist, dass es Jazz in Medien wie Rundfunk und Fernsehen praktisch gar nicht mehr gibt. Und auch in der Zeitung wird recht wenig darüber berichtet.

Auf „Windmills of Your Mind“ haben Sie auch einen Sänger, Ken Norris. Wie sind Sie auf ihn gekommen?

Ken Norris kenne ich schon lange, etwa 20 Jahre. Er ist ein hervorragender Sänger, der in der Szene auch sehr bekannt ist. Ich mag seine Stimme und die Art, wie er sie einsetzt. Ich wollte ihn unbedingt auf meiner Platte dabei haben. Es gibt viele Jazzmusiker, die finden, Jazz sei reine Instrumentalmusik, aber ich liebe Gesang und den Moment, wenn eine menschliche Stimme einsetzt. Die Stimme taucht plötzlich auf und strahlt über der Musik ...

Wie würden Sie reagieren, wenn Sie ihre Musik mal in einem Fahrstuhl hörten?

Das würde mich tatsächlich nicht freuen, glaube ich. Aber das müsste auch ein ziemlich großes Haus sein, denn es ist ja eine Doppel-CD, haha! Aber Fahrstuhlmusik? Weiß nicht. Die meisten Leute lehnen Jazz ja eher ab, weil ihnen das zu viel Gedudel und zu anstrengend ist, oder? Aber es stimmt, da gibt es die andere Richtung, diese Loungemusik. Das ist aber eigentlich Hintergrundmusik und hat mit Jazz nicht viel zu tun.

Was ist denn Jazz für Sie?

Das ist eine sehr experimentelle, sehr persönliche Musik. Ich glaube, es ist die persönlichste Musik, die es gibt! Jeder Musiker kann da machen, was er will, jeder hat seinen ganz eigenen Sound. Außerdem ist Jazz eine sehr kommunikative Musik. Manchmal spüre ich fast körperlich, wie die Leute zuhören. Beim Spielen habe ich oft die Augen geschlossen, aber ich merke: die Leute sind da, die sind an mir dran und lauern auf den nächsten Ton ...

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