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Kultur überregional Tanzend nicht tanzen im Pavillon
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18:29 17.11.2014
Von Ronald Meyer-Arlt
Funny van Dannen stellt im gut besuchten hannoverschen Pavillon sein neues Album vor.
Funny van Dannen stellt im gut besuchten hannoverschen Pavillon sein neues Album vor. Quelle: Hagemann
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Hannover

Mit Fußball, sagte Funny van Dannen zu Beginn seines Auftritts im Pavillon, sei jetzt ja wohl wieder alles gut in Hannover, dann lacht er, dann schüttelt er den Kopf und sagt: „Aber das wird nichts mit dem Neuen.“ Trainerwechsel seien sinnlos, meint er, da stünden elf Mann auf dem Platz, und den einen, der nicht spielt, den würde man auswechseln. „Das bringt doch nichts.“ Kann man so sehen.

Das ist die Kunst dieses Sängers: Dinge anders sehen, viel Abstand nehmen, die Sachen von weit außerhalb betrachten, dabei aber den kleinen, unscheinbaren Dingen gleichzeitig besondere Aufmerksamkeit schenken. Es ist ein Oszillieren zwischen Nahsein und Fremdsein. Funny van Dannen sieht das Fremde im Bekannten, und im Fremden leuchtet ihm freundlich das Bekannte. Er knüpft immer irgendwo an.

Auch musikalisch. Im Grunde singt er nur ein einziges, sehr langes Lied. Das ist so variabel, dass auch sehr lange Zeilen darin untergebracht werden können. Und so schön, dass es gar nicht stört, wenn mal ein Reim oder ein Versmaß nicht so ganz funktioniert.

Funny van Dannen stellt im gut besuchten hannoverschen Pavillon sein neues Album vor. Wobei: Eigentlich stellt er es gar nicht vor, Werbung ist nicht so sein Ding. Er singt vier, fünf Lieder davon, das ist es schon. Die Zuschauer müssen selber herausfinden, was vom neuen Album und was schon älter ist. Eigentlich kein Problem: Bei vielen älteren Sachen singen die Leute mit.

Auf „Geile Welt“ wird van Dannen von einem kleinen Orchester begleitet, auf der Bühne aber hat er nur seine Gitarre und seine Mundharmonika. Manches Liebeslied (vor allem „Wir fliegen, seitdem wir uns kennen“) klingt auf der CD verwehter, melancholischer. Im Pavillon kommt die Stimme des Sängers viel zu druckvoll rüber. Das passt nicht so gut zum Liebeslied. Aber egal. Funny van Dannen singt gut zwei Stunden, es gibt zwei Zugaben, im Laufe des Konzerts stellen sich immer mehr Zuhörer auf die Freifläche direkt vor die Bühne und beginnen dort zu tanzen. Na ja, fast: Sie wiegen die Oberkörper hin und her, vor und zurück, sie wechseln Stand- und Spielbein. Und einmal wirft eine blonde Frau die Arme nach oben. Für Hannover ist das ausgelassen.

Apropos Hannover: Bei einer seiner Ansagen (bei denen er komischerweise wie der junge Mike Krüger klingt) fliegt Funny van Dannen plötzlich die Idee für eine Liedzeile an: „Sichtbeton ist gut gegen Drogen“.

Gern geschehen.

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