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Kultur überregional Spielzeitauftakt mit Helen Donath
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14:06 02.09.2013
Von Rainer Wagner
Hannover, 26.08.2013: Die Opernsaengerin Helen Donath im Foyer des Opernhauses. Foto: Philipp von Ditfurth Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

So schnell kann etwas zur guten Tradition werden - selbst in Hannover, dem man gerne eine Tendenz zur Startverzögerung im Liebenlernen nachsagt (dafür liebt man dann um so treuer).

2005 stellte die Stiftung Staatsoper Hannover sich und ihre Arbeit erstmals mit einem öffentlichen Auftritt vor. Seither ist das Galakonzert zugunsten der Stiftung der glanzvolle Auftakt der kommenden Saison, bei dem man schon einmal auf Kommendes hinweist. Und bei dem ein Stargast dafür sorgen soll, dass auch Geld in den Beutel kommt.

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Wenn man als großen Namen Helen Donath ankündigen kann, dann vereinen sich auf anrührende Weise der Glanz der großen weiten Opernwelt mit der anheimelnden Wärme des Familienfests. Denn im hannoverschen Opernensemble begann vor 50 Jahren eine Karriere, die sie an alle großen Opernhäuser der Welt führen sollte. Weshalb es mehr als angemessen (bis überfällig) war, dass Helen Donath vor dem Festkonzert zum Ehrenmitglied des Staatstheaters Hannover ernannt wurde. Damit würdigte die niedersächsische Kulturministerin Gabriele Heinen-Kljajic in ihrer Eigenschaft als Aufsichtsratsvorsitzende der Staatstheater Helen Donaths „langjähriges Schaffen und ihre besonderen künstlerischen Leistungen“.

In Hannover hatte die gebürtige Texanerin vor 50 Jahren mit dem Kapellmeister Klaus Donath ihren künftigen Mann kennengelernt. Weshalb es nahe lag, dass Helen Donath als Gaststar jetzt noch einmal in die Rolle schlüpfte, mit der damals (fast) alles anfing: die Micaëla aus Georges Bizets „Carmen“. Die ist bei Helen Donath (ebenso wie Mozarts Zerlina aus dem „Don Giovanni“) kein Mädchen mehr, sondern hat hörbar schon einiges gesehen von der Welt und von den Männern. Doch der Ausdruck macht Eindruck. Ganz nebenbei demonstriert Helen Donath, wie gut eine Singstimme altern kann, wenn man die richtige Technik besitzt und wenn man mit seinen Stimmbändern klug umgeht: Die Höhe sitzt, die Intonation ist treffsicher, der Sopran hat Glamour. Wenn sie die Eva aus Wagners „Meistersingern“ vorstellt, ist das kein Evchen, sondern eine selbstbewusste Eva, die sie immerhin in Hannover erstmals auf der Bühne gesungen hat. Dazu passte Moderator Klaus Angermanns pointierte Ansage, dies sei nicht unbedingt eine Komödie, aber immerhin „fünf Stunden deutscher Humor“.

Dass in einer seriösen Kammersängerin auch die sprichwörtliche „Rampensau“ stecken kann, zeigte Helen Donath in der kokett servierten Romanze der „Giuditta“, die verspricht, dass ihre Lippen so heiß küssen.

Da war der Jubel groß.

Aber mit guter Laune hatte es ja auch schon angefangen, als erst Verwaltungsdirektor Jürgen Braasch eloquent die Gäste begrüßte und anschließend Stiftungsvorstand Robert Pohlhausen verkünden konnte, dass die Stiftung trotz magerer Zinsen gut da stehe: Vor allem Vermächtnisse haben das Kapital gemehrt. Zum Abschluss seiner Rede zitierte Pohlhausen den Dichter Robert Gernhardts Gedicht „Lass das, Baß“. Woran sich später aber gottlob niemand hielt.

Der musikalische Teil begann mit Auszügen aus Mozarts „Don Giovanni“, dem Dirigent Benjamin Reiners hörbar ungewohnte Akzente verleihen will. Bis zur Premiere im kommenden Juni kann man sich über Tempodetails ja noch einigen, jetzt schon zeigte Monika Walerowicz, dass ihre Donna Elvira wohl exaltiert ausfallen wird. Brian Davis beschwor den „vino“ so perlend, dass man versteht, warum diese Arie immer „Champagnerarie“ genannt wird, obwohl von Schaumwein nicht die Rede ist.

Hausherrin Karen Kamensek machte mit zwei Kostproben aus Benjamin Brittens „Sommernachtstraum“ klar, dass sich vor dieser Musik kein Abonnent fürchten muss - und dass man sich nicht nur auf Frank Schneiders als Bottom freuen darf.

Anja Vegry stand in Kurt Weills „Street Scene“ zwischen zwei Männern (Christopher Tonkin und Tivadar Kiss), ehe es mit dem „Ice-Cram-Sextett“ aus dieser amerikanischen Volksoper in die Pause ging. Was Chefdramaturg Klaus Angermann in seiner gewohnt launigen Überleitung kommentierte: „Gepriesen sei’s, das Speiseeis“. Aber nach der Gala gab’s dann kein Eis, sondern etwas Wein und Häppchen.

Zuvor aber wurden noch Opernhäppchen und Happen serviert: Stefan Adam schenkte als Tonio kräftig ein, Sara Eterno dürfte ein aufregendes Mordopfer im „Bajazzo“ werden, der Chor gab neben dem Glockenchor aus Leoncavallos Opernhit den Eingangschor aus der „Cavalleria Rusticana“ zum Besten.

Zum Abschluss wurden die Opernfans mit Ausschnitten aus der kommenden Eröffnungspremiere angefüttert: Neugierig auf die „Maskenball“-Premiere machten dabei vor allem Gast-Tenor Rafael Rojas mit kernigem Verdi-Ton und die kapriziöse Heather Engebretson als Oscar.

Wer da stiften geht, kann nur die Stiftung Staatsoper Hannover im Sinn haben.

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