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07:27 20.04.2015
Gisbert zu Knyphausen.
Gisbert zu Knyphausen. Quelle: Insa Cathérine Hagemann
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Hannover

In einem Haus voller Lerchen bin ich der schwarze Papagei“ – singt Gisbert zu Knyphausen gleich zu Beginn des Konzerts im Kulturzentrum Faust. Trotz schelmischen Blicks vermittelt er in seinen Texten oft den Eindruck, als könne er die Schwere des Lebens, den Weltschmerz kaum ertragen. „Immer ist da irgendetwas / das mich einlullt und mich lähmt“, heißt es in „Kräne“.

Die beiden Songwriter Knyphausen und Koppruch hatten damals gerade das Projekt Kid Kopphausen gestartet und tourten nach Veröffentlichung des Albums „I“ durch Deutschland. Es wurden nur wenige gemeinsame Konzerte; Lange mussten die Fans darauf warten, das Konzert in Hannover war schnell ausverkauft.

Zwei Drittel der gespielten Songs entstammen der Feder von Knyphausen, die restlichen Stücke sind vom Album „I“ entnommen. „So wie es war, wird es nie wieder sein“, heißt es in einem Song von Kid Kopphausen. Und auch wenn der Abend mit Liedern von Kid Kopphausen beginnt und endet, so ist der Unterschied zu den wenigen gemeinsamen Konzerten in 2012 doch deutlich: Neben einem jugendlich, zwischen Weltschmerz und Schabernack wankenden Knyphausen war der gelassene, milde gewordene Koppruch ein Konterpart auf der Bühne. Er drückte sich auch musikalisch in poppig durcharrangierten Stücken aus, während Knyphausen auch heute zu rockigen Interpretationen neigt.

Das Konzert wirkt gleichwohl unbeschwert. Doch immer sind da Momente, die an Koppruch erinnern: Bei dem Song „Das Leichteste der Welt“, dessen Video das letzte Projekt Koppruchs war und wenige Tage nach seinem Tod erschien, mag ein wenig mehr Nachdruck in der Stimme von Knyphausen zu hören sein: „Never mind the darkness baby / you will be saved / by Rock’n’Roll“.

Als 2008 Knyphausens erstes Album erscheint, reiht er sich ein in eine sich etablierende Szene deutscher Liedermacher fernab vom Schlager: Sie besticht durch die unaufgeregten, meist männlichen Sänger (Ausnahme ist die sprachzarte Alin Coen) und den Gitarreneinsatz. Beispielhaft dafür stehen Thees Uhlmann, Niels Frevert, Element of Crime oder Moritz Krämer. Sie alle verstehen es, Sprache ungewöhnlich zu nutzen, im besten Sinne aller sprachkritischer Vorbehalte von Hofmannsthal bis Handke Sprachbilder zu erzeugen. Der unprätentiöse Knyphausen drückt mit seiner Musik Befindlichkeiten aus, kleine Beobachtungen an sich selbst oder in Beziehungen zu anderen Menschen. Er vermag genau das zu sagen, was die Twenty-Thirty-Somethings, die das Publikum an diesem Abend prägen, irgendwie auch fühlen: „Manchmal glaube ich, dass ich zu langsam bin / für all die Dinge, die um mich herum geschehen. / Doch all die Menschen, die ich wirklich, wirklich gerne mag / sie sind genauso außer Atem wie ich.“

Das Publikum ist konzentriert und bedächtig, es ist wichtig, zuzuhören. Köpfe gehen mit, manchmal tappt auch der Fuß im Takt, zwei Zugaben werden gefordert. Zum Ende des Konzerts möchte man sich Worte aus „Seltsames Licht“ borgen: „Wir sehen uns wieder. Ganz bestimmt, irgendwann.“

Von Katharina Derlin

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