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Kultur überregional „Gold“ feiert Premiere am Ballhof 2
Nachrichten Kultur Kultur überregional „Gold“ feiert Premiere am Ballhof 2
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11:25 11.03.2015
Von Jutta Rinas
Am hannoverschen Ballhof 2 feierte das Stück „Gold“ des niederländischen Komponisten Leonard Evers Premiere.
Am hannoverschen Ballhof 2 feierte das Stück „Gold“ des niederländischen Komponisten Leonard Evers Premiere. Quelle: r.
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Hannover

Der niederländische Komponist Leonard Evers weiß ziemlich genau, wie seine kleinen Zuhörer ticken. „Die Kinder tragen zum Meeresklang bei“, hat er vorne in der Partitur seines Musiktheaterstücks „Gold“ für Kinder ab vier Jahren vermerkt. „Bitte beachten Sie“, liest man weiter, „dass dies eine wesentliche Wirkung hat“.

Dass das stimmt, konnte man jetzt bei der Premiere seines Stückes für Mezzosopran und Schlaginstrumente im hannoverschen Ballhof 2 merken. Oft gingen da, angeleitet von Sängerin Hanna Larissa Naujoks, im Publikum die Hände hoch, um die Bewegung der Meereswellen zu simulieren. „Schschsch“- oder „Waschschsch“-Geräusche durchzogen den Raum. Das Bemerkenswerte war: Das Zischen wirkte nicht wie schlichtes Mitmachtheater, es fügte sich zu den Klängen von Marimbaphon und Vibraphon schön in die Komposition ein.

Leonard Evers’ „Gold“, derzeit nach Angaben von Boosey & Hawkes an deutschen Theatern eines der meist gespielten Musiktheaterstücke für Kinder, erzählt die alte Geschichte „Von dem Fischer un syner Fru“ neu. Die wichtigste Änderung: Es ist nicht der Fischer selbst, der einen Butt angelt, sondern ein Junge namens Jacob. Er fängt den Fisch, wirft ihn ins Meer zurück und hat dafür Wünsche offen. Jacobs arme Eltern sind es, deren maßlose Wünsche irgendwann in der Forderung gipfeln: „Einen Wunsch noch, frisch und frei, die ganze Welt nur für uns drei.“ Das Libretto stammt von Flora Verbrugge.

Regisseur Markus Michael Tschubert lässt sich viel Zeit, die Geschichte zu erzählen. Wie ein gutes Bilderbuch für ganz Kleine entfaltet er sie – und lässt den Perkussionseffekten in Evers’ Komposition viel Raum. Schlagzeuger Philipp Kohnke schauspielert manchmal sogar, musiziert ansonsten mit Koffern, Kieselsteinen und dem Marimbaphon. Mal klingt das opernhaft, mal Hip-Hopmäßig, oft neutönerisch schön.

Hanna Larissa Naujoks, die neben dem Erzähler auch alle anderen Rollen übernimmt, macht einen großartigen Job. Sie spielt, singt, tanzt – und zieht ihr kleines Publikum so tatsächlich über 60 Minuten in ihren Bann. Es wirkt so interessant, was sie macht, dass sie selbst abgelenkte Kinder schnell wieder einfängt. Ein kleiner Junge beispielsweise ist so erschrocken, als sie zum ersten Mal eine Arie anstimmt, dass er sich die Ohren zuhält. Aber nur kurz: Dann imitiert Naujoks zwischen Fischernetz und einer Leinwand mit Strandlandschaft (Bühne: Magdalena Wiesauer) den Fisch – und von den Chimes wehen silbrige Töne herüber. Und schon hört der Junge wieder aufmerksam zu.

Nächste Aufführungen am 11. und am 18. März um 10.30 Uhr, weitere Vorstellungen bis Juni. Karten unter Telefon (05 11) 99 99 11 11.

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