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14:40 14.01.2014
Von Stefan Stosch
Amy Adams, Bradley Cooper und Jennifer Lawrance. Letztere bekam den Golden Globe für ihre Rolle in "American Hustle". Quelle: Afp
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Los Angeles

Lieber eine bittere Lehrstunde über amerikanische Geschichte oder doch Lustiges über die grassierende Gier? Das könnte die spannendste Frage sein bei all den Kinopreisen, die in Hollywood bis zum großen Oscar-Finale Anfang März zu vergeben sind.

Bei der 71. Verleihung der Golden Globes in der Nacht zu Montag ließ sich noch eine salomonische Antwort finden: Das zusammengewürfelte Häuflein der ausländischen Filmjournalisten in Los Angeles entschied sich für die beiden jeweils siebenfach nominierten Favoriten. Sowohl das aufrüttelnde Sklavendrama12 Years a Slave“ (Kinostart am Donnerstag) als auch das ausgefuchste Gaunerstück „American Hustle“ (13. Februar) holten sich die TrophäenSteve McQueens Film triumphierte in der Kategorie bestes Drama, David O. Russells Werk in der Komödien-Sparte.

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Beim Oscar fällt diese Zweiteilung weg, es kann nur einen Sieger geben. Bis dahin darf man sich wundern, wieso der champagnerseligen Globe-Gala mit angeschlossenem Dinner (Hauptspeise: geschmorte Rippchen vom Rind mit Kräuterkruste) im Beverly Hilton Hotel überhaupt so viel Bedeutung beigemessen wird. Andere befragen Kraken, wenn es um Siegeschancen geht, Hollywood starrt auf glitzernde Weltkugeln und kaum 100 Schreiberlinge, die sie verteilen.

Die eigentliche Überraschung war denn auch, dass in der Konkurrenz um den besten Regisseur Alfonso Cuaron mit seiner gänzlich losgelösten Weltraum-Odyssee „Gravity“ auf der Siegerbühne zwischenlandete, „Slaves“-Regisseur McQueen aber leer ausging. Auch sein hochgehandelter Hauptdarsteller Chiwetel Ejiofor hatte das Nachsehen: Matthew McConaughey nahm für die Rolle eines Aidskranken in „Dallas Buyers Club“ (6. Februar) erst 20 Kilo ab und nun die Kugel entgegen. Bei den Frauen in der Drama-Konkurrenz siegte erwartungsgemäß Cate Blanchett als Upperclass-Lady in Woody Allens „Blue Jasmine“, die aus ihrem Luxus-Nest verstoßen wird.

„American Hustle“ immerhin räumte noch weitere Preise ab: Amy Adams gewann als verführerische Betrügerin bei den Hauptdarstellerinnen, Jennifer Lawrence als sehr blonde Schlampe bei den Nebendarstellerinnen. Bei den Männern siegte Leonardo DiCaprio als abgedrehter Börsenmakler in „The Wolf of Wall Street“ (Kinostart am Donnerstag). Sieht so aus, als würden sich die Amerikaner doch zuerst in Komödien über kleine und große Raffkes wiedererkennen.

Und die Deutschen? Für Hans Zimmer, zuständig für die Musik im Sklaven-Film, blieb’s bei der Nominierung. Der Erfolgskomponist wird’s verschmerzen, er hat für „König der Löwen“ und „Gladiator“ schon zwei Kugeln im Schrank. Doch auch für Newcomer Daniel Brühl erfüllte sich der Traum vom Golden Globe mit „Rush“ nicht. Der 35-Jährige, gefeiert für seine Verwandlung in den grantelnden Niki Lauda, musste seinen US-Kollegen Jared Leto („Dallas Buyers Club“) an sich vorbeiziehen lassen.

Überragender Sieger bei den immer wichtiger werdenden Fernsehserien wurde „Breaking Bad“ – auch Hauptdarsteller Bryan Cranston gehörte zu den Geehrten. Er spielt den Chemielehrer Walter White, der sich nach einer Krebsdiagnose entscheidet, Drogen zu produzieren, um seine Familie finanziell abzusichern.

Mit dem Warmlaufen für goldig glänzende Statuetten ist es bald vorbei: Schon am Donnerstag werden in Los Angeles die Oscar-Nominierten bekanntgegeben. Vielleicht ist Daniel Brühl dann ja schon wieder im Rennen.

Das sind die Preisträger

Bestes Filmdrama: “12 Years a Slave“ 
Beste Komödie oder bestes Musical: „American Hustle“ 
Beste Schauspielerin in einem Filmdrama: Cate Blanchett („Blue Jasmine“) 
Bester Schauspieler in einem Filmdrama: Matthew McConaughey („Dallas Buyers Club“)
 Beste Schauspielerin in einer Komödie oder einem Musical: Amy Adams („American Hustle“) 
Bester Schauspieler in einer Komödie oder einem Musical: Leonardo DiCaprio („The Wolf of Wall Street“)
 Bester Nebendarsteller: Jared Leto („Dallas Buyers Club“) 
Beste Nebendarstellerin: Jennifer Lawrence („American Hustle“) 
Beste Regie: Alfonso Cuaron („Gravity“) 
Bestes Drehbuch: Spike Jonze („Her“)
 Beste Filmmusik: Alex Ebert („All is Lost“) 
Bester nicht-englischsprachiger Film: „La Grande Bellezza - Die große Schönheit“ (Italien)  
Beste Fernsehserie/Drama: „Breaking Bad
 Beste Schauspielerin in einer Fernsehserie/Drama: Robin Wright („House of Cards“) 
Bester Schauspieler in einer Fernsehserie/Drama: Bryan Cranston („Breaking Bad“) 
Beste Fernsehserie/Musical oder Komödie: „Brooklyn Nine-Nine“ 
Beste Schauspielerin in einer Fernsehserie/Musical oder Komödie: Amy Poehler („Parks and Recreation“) 
Bester Schauspieler/Komödie oder Musical: Andy Samberg („Brooklyn Nine-Nine“)
 Beste Miniserie/Film für das Fernsehen: „Behind the Candelabra“ 
Beste Schauspielerin einer Miniserie/Film für das Fernsehen: Elisabeth Moss („Top of the Lake“)
 Bester Schauspieler einer Miniserie/Film für das Fernsehen: Michael Douglas („Behind the Candelabra“)

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