Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Kultur überregional ASP erzählt Musik
Nachrichten Kultur Kultur überregional ASP erzählt Musik
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 07.04.2016
Dunkle Energie: Speng.
Dunkle Energie: Speng. Quelle: Körner
Anzeige
Hannover

Wer mit dem Zug in Leipzig ankommt, der kennt es: Das ehemalige Astoria, dessen leere Fenster in der Nähe des Hauptbahnhofes in Richtung Innenstadt blicken. Das Hotel wurde von 1915 bis 1996 betrieben, heute erinnert nur noch der weithin sichtbare Schriftzug daran, dass das leere Gebäude einmal ein Luxushotel war. Es ist auch der Ort, mit dem sich die beiden aktuellen Alben „Verfallen 1 & 2“ der Band ASP beschäftigen: Auf den Alben tanzen eigenartige Wesen durch das verfallene Hotel, im Gebäude entspinnen sich viele kleine Horrorgeschichten in der Tradition  der englischen Schauerliteratur. Man darf also das Konzert der Gothic Rocker von ASP im Pavillon nicht eigentlich als Konzert betrachten. Ja, es stehen Musiker auf der Bühne. Ja, sie spielen Musik, die zwischen Metal, dunklen Balladen und elektrifiziertem Folk changieren, und der lederbemantelte Sänger Alexander Spreng hüpft energisch mit The-Crow-Remineszenz-Facepaint und Undercut-Vokuhila über die Bühne. Aber das ist nur Ablenkung: Die Musik ist nur für die Atmosphäre da, die Hauptsache sind die Geschichten.

Die Band präsentiert im Pavillon nicht nur Songs aus ihren „Verfallen“-Alben. Es sind auch ältere Lieder wie „Schwarzer Schmetterling“ dabei, und insgesamt gibt das Konzert – das besser als musikgestützte gesungene Lesung bezeichnet wäre – einen guten Überblick über das miteinander verflochtene und über mittlerweile 16 Jahre lang angewachsene Geschichtenwerk von ASP.

Die Texte bewegen sich dabei dicht atmosphärischen Pathos des Groschenromanes, Herzen, Feuer, Unwesen – all das kommt reichlich vor. Die Musik leistet den Texten teilweise tanzbare Unterstützung, teilweise transportiert sie als Gothic-typische Powerballade die dunkle Stimmung der Songs, immer wieder wagt die Band Ausflüge ins für das Genre wenig erkundete Reich der Synthesizer-Motive.

Letztendlich aber ist nicht davon ist überraschend: Die Motive und Bilder der Texte sind zwar nicht abgegriffen, aber doch im traditionellen Horror verhaftet, die Musik wagt keine großartigen Experimente und schlingert teilweise harmonisch fast schon in den Schlager.

Trotzdem gibt sich die Band gut gelaunt und energiegeladen, was hauptsächlich am Frontmann Spreng liegt, dessen Make-Up im Laufe des Konzertes vor Schweiß immer mehr verläuft. Diese Engergie macht wett, dass die Band ansonsten wenig Überraschendes bieten kann, und rettet den Abend problemlos über seine gut zwei Stunden.

Die nächsten Konzerte im Pavillon: Monsters of Liedermaching, (Freitag, 15. April), Fish (24. April), Subway to Sally (28. April). Karten unter Telefon: (05 11) 2 35 55 50.

Von Jan Fischer