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Kultur überregional Schräg und schön
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16:58 24.08.2013
Von Jutta Rinas
Das Ensemble musikFabrik spielt in der Jahrhunderthalle in Bochum (Nordrhein-Westfalen) während der Fotoprobe das Stück von Harry Partch: „Delusion of the Fury“. Quelle: Caroline Seidel
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Bochum

Als ein Stück Musiktheater, das das Publikum spalten werde, ja als eine Art „Schocker“ war die Eröffnungspremiere der diesjährigen Ruhrtriennale angekündigt worden. Die europäische Erstaufführung von Harry Partchs Oper „Delusion of the Fury“ gestern Abend in der fast bis auf den letzten Platz besetzten Jahrhunderthalle in Bochum geriet aber zum Erfolg. Mit Applaus und Bravo-Rufen feierten die Besucher das 75-minütige Spektakel am Ende: eine Oper ohne Dirigenten und mit eigens für die Aufführung angefertigten Instrumenten, eine radikale Komposition, die in ihren besten Momenten tatsächlich ihre Einzelelemente - Musik, Tanz, Gesang Bühnenbild und Licht - zu einer so fremdartigen wie faszinierenden Einheit verschmolz.

Partchs textlich eher disparate Grundlage für die beiden Akte - eine japanische Geschichte aus dem 11. Jahrhundert und eine afrikanische Legende - setzte Goebbels, der auch Regie führte, zusammen mit Bühnenbildner Klaus Grünberg und Florence von Gerkan (Kostüme) behutsam und nahe an der Partitur um: in einem Ambiente, das vor allem die ungewöhnlichen Instrumente betonte: sie in Nebel hüllte, dann wieder in gleißendes Licht tauchte oder Wasser zwischen ihnen fließen ließ.

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Im Zentrum des Geschehens stand die Partchs Musik auch deshalb, weil die Musiker des deutschen Avantgardeensembles musikFabrik auch als Sänger und Schauspieler fungierten. Partch, exzentrischer Einzelgänger, Musikrevolutionär und Zeitgenosse des ungleich berühmteren Neuerers John Cage, hatte für seine Komposition neue, teilweise mannshohe Instrumente gebaut. Gebirge aus lauter Holz und Glas (vor allem Saiten- und Schlaginstrumente) türmten sich da vor einem auf, Saiten- und Schlaginstrumente, die auf der Bühne rein optisch fast schon wie Skulpturen wirkten.

So poetisch, und rätselhaft wie sie heißen - Blue Rainbow (Blauer Regenbogen), Cry Chord (schreiende Saite), Spoils of War (Kriegsbeute) oder Cloud Chamber Bowls (Wolken-Kammer-Schalen) - klangen sie auch. Melodien von manchmal fast bestürzender Einfachheit wechselten sich gestern ab mit atemberaubend gespielten, minimalistischen Rhythmen, musikalischen Strukturen, die man so oder ähnlich später auch von Philipp Glass oder Steve Reich gehört hat.

„Delusion of the Fury“ funktionierte eher wie ein modernes Happening als wie eine Oper: Es war rätselhaft, schräg und schön.

Wieder am: 30, und 31. August, sowie am 1., 6., 7. und 8. September, jeweils um 20 Uhr. Tickethotline: (02 21)28 02 10

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