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Kultur überregional Heldentenor Vogt begeistert bei Wagner-Gala
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07:46 10.03.2015
Von Jutta Rinas
Klaus Florian Vogt begeisterte bei der Wagner-Gala in der Staatsoper.
Klaus Florian Vogt begeisterte bei der Wagner-Gala in der Staatsoper. Quelle: von Ditfurth
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Hannover

Kann ein Sänger sein Publikum mit einer einzigen Arie glücklich machen? Zu Bravorufen hinreißen, zu Begeisterungsstürmen treiben, mit nur einem Stück? Klaus Florian Vogt kann – und muss. 2002 gab er sein Debüt in Erfurt. Seitdem begeistert er als Schwanenritter an den angesehensten Opernhäusern: in Berlin, New York, Mailand, Baden-Baden, Dresden und seit 2011 auch in Bayreuth. Dort riss er das Publikum in der Produktion von Hans Neuenfels (am Pult: Andris Nelsons) regelmäßig zu bis zu halbstündigen Ovationen hin.

Entsprechend hoch waren die Erwartungen, als der hoch aufgeschossene Blonde jetzt bei einer konzertanten Wagner-Gala im Rahmen der Festlichen Opernabende der Staatsoper Hannover für die Gralserzählung die Bühne betrat. Lyrisch, fast schon ätherisch, formte er zu den sphärisch flirrenden Streicherakkorden im Orchester die ersten Takte, fand mit seiner hellen Stimme zarteste Klangschattierungen und verzauberte sein Publikum auch dadurch, dass er die Melodielinie selbst bei dramatischen Höhepunkten noch mit größter Schlichtheit und Natürlichkeit formte.

Reinheit, Unberührtheit, Tugend: Es sind solche christlichen Attribute, die wir mit Wagners Lohengrin verbinden, einem Helden, der nicht umsonst auf einem weißen Schwan daherkommt, um die des Brudermordes angeklagte Elsa zu retten. Vogt trifft diese Charakterzüge unnachahmlich genau.

Es hat wohl damit zu tun, dass er diese Partie so authentisch interpretiert, dass das Publikum ihn in anderen Rollen schwerer akzeptiert.

Für seinen Monolog des „Parsifal“ aus dem 2. Akt von Wagners gleichnamiger Oper („Amfortas! Die Wunde!“) bekommt er jedenfalls deutlich weniger Beifall, obwohl er auch hier mit kraftvollem, strahlenden Ton überzeugt. Selbst an Stellen, an denen andere Sänger beginnen, mit Druck zu arbeiten, an denen sie Gefahr laufen, übertönt zu werden, setzt er sich noch mit Leichtigkeit über das Orchester hinweg.

Apropos Orchester: Dass dieser Festliche Opernabend gelingt, hat nicht nur mit seinem berühmten Stargast zu tun. Es ist eindrucksvoll zu hören, wie Karen Kamensek das Niedersächsische Staatsorchester und den von Dan Ratiu glänzend präparierten Staatsopernchor durch den Abend führt. Mal tost, wogt und stürmt es eindrucksvoll durch das Orchester (in Ausschnitten aus dem „Fliegenden Holländer“), dann wieder wird man betört von farbenprächtigem, rauschhaftem oder zutiefst sehnsuchtsvollem Wagner-Klang in Auszügen aus „Parsifal“ und „Tristan und Isolde“. Karen Kamensek vertraut ganz auf die Kraft der Musik, forciert nie, sondern lässt die Akkorde strömen, klingen – und überzeugt gerade dadurch mit einer herausragenden Gesamtleistung ihrer Musiker umso mehr.

Renatus Meszar als Holländer und Sabine Hogrefe – wandlungsfähig als Senta, Ortrud und Isolde – tun ein Übriges, um diesen konzertanten Abend in ein echtes Bühnenspektakel zu verwandeln. Gesangskunst verbindet sich bei ihnen mit höchst dramatischer Wirkung. Am lang anhaltenden Applaus merkt man: Dieser Abend lässt niemanden kalt.