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Kultur überregional Perfekte Helene
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00:15 10.06.2015
Von Uwe Janssen
Was für eine Show: Helene Fischer in der HDI-Arena.
Was für eine Show: Helene Fischer in der HDI-Arena. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Superstar! Ein schönes Wort aus alten Zeiten. Schauspieler, Musiker, Sportler, Entertainer oder Models mit Massenwirkung, das sind die Superstars unserer Zeit. Alles in einer Person gibt es selten, aber Deutschland hat gerade wieder so ein Exemplar. Helene Fischer ist ganz oben. Überall dort, wo Deutsche Entspannung und Bespaßung suchen - Helene Fischer ist schon da: im Radio, im Fernsehen, im Internet, neuerdings auch im App-Store, im "Tatort", bei Tchibo, im Auto, auf dem Brot - und im Konzert. Die größten Hallen waren nicht mehr groß genug. Jetzt ist sie mit ihrer "Farbenspiel"-Tour in den Stadien unterwegs. Logisch, möchte man meinen.

Hier ist der Ticker vom Konzert zum Nachlesen.

Für Hannover hat sie sich einen Sonn- und Sonnentag ausgesucht. Eine Party in der HDI-Arena - was für Fußballfreunde in letzter Zeit eher ein seltenes Spektakel ist, schüttelt Helene Fischer aus dem Ärmel. Sie muss gar nichts singen, sie muss einfach nur da stehen, ganz allein, so gegen halb neun, in einem gelben, schurzartigen Kleid mit Goldapplikationen, mit wehender blonder Mähne, strahlend. Reicht. Der Laden rastet aus. Soll er. Es ist Teil des Abends. Helene für alle. Helene als Spaßmotor für die Großraumparty, die rund um das Stadion schon seit Stunden läuft und von der Band Glasperlenspiel vorab auf der Stadionbühne angeheizt wurde. "Das ist unser Tag, der perfekte Tag", singt Fischer, und es ist der Beginn einer zweistündigen Massenbekehrung zu positivem Denken, denn  "wir lassen das Leben rein, die Sonne kommt nach Haus." Ein Fischer-Konzert ist ein Ort des Schönen und Tollen und nichts für Ungut.

Als der Bühnenvorhang hinter ihr fällt, wird klar, dass sie mit großem Besteck angereist ist. Große Band mit Gebläse, Sänger, Tänzer, Projektionen und eine Lichtshow, deren Zeit nach Sonnenuntergang kommen wird. Ganz überraschend kommt das Format nicht. Schon die vergangenen Hallenkonzerte hatten diesen rasanten, amerikanischen Glamourzuschnitt. Alles ist sekündlich geplant und hat, auch wenn die Band mal ruhiger wird, auf der Bühne unvermindertes Tempo. "Auf Biegen und Brechen, wir feiern unsere Schwächen", singt Fischer in "Fehlerfrei". Der Lieblingssong der Showchoreografen wird es nicht sein. Das hannoversche Fanvolk feiert ausgelassen. Immer weniger Zuschauer machen von ihrem Sitzplatz Gebrauch, die aufgestellten Stühle im Innenraum erweisen sich geradezu als Tanzhindernis.

Nach einer Dreiviertelstunde hat das kleine Gelbe Feierabend. Die Umziehpause der Sängerin füllt eine Geigerin, immerhin sind es nicht die neuesten fischerschen Werbespots für Kräuterbutter oder Jeans mit Glanzgarnsteppung. Vielleicht sollte der Kaffeehersteller die Bühnenoutfits ihres Sympathieträgers verkaufen. Für den gefiederartige Glitzerfummel mit Schleppe, den sie als nächstes vorführt, würden auch sicher ein paar extravagante Käufer finden. "Ich wollte nie erwachsen sein", singt sie. Peter Maffays schönste Ballade. Hier hält die Show tatsächlich mal ein wenig inne, die Dunkelheit setzt langsam ein. Aber es ist nur ein kurzes Anlaufnehmen für die nächste Partyrutsche mit Wohlfühlschlager und geliehenen Hits anderer verdienter Deutschrockhelden wie Grönemeyer ("Männer") oder Westernhagen ("Sexy").

Ob das alles zu ihr passt? Egal. Die Show steht weniger im Dienst der Kunst, es geht darum, dass das Publikum Spaß hat und was zu sehen bekommt. In diesem Punkt ist Helene Fischer derzeit allen Kollegen voraus.  Beim Schlager "Von hier bis unendlich" folgt dann der größte Showeffekt. Fischer wird in eine Apparatur gespannt, die an vier Steuerseilen befestigt ist. Ergebnis: Helene Fischer kann fliegen. Man hatte es immer schon geahnt. Bis vor die Gegentribüne schwebt Frau Pan, winkt, dreht sich wie eine Akrobatin über Kopf. Lindenberg hat demnächst hier so etwas Ähnliches vor. Aber so elegant wie die Fischer schafft er es vermutlich nicht, da fiele dann auch der Hut runter. Ein starkes, umjubeltes Gimmick - und die Botschaft: Ich bin ein Superstar, aber ich bin nicht abgehoben, sondern auch im Stadion ganz nah bei euch.

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