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Kultur überregional „Ich mache weiter, weil ich gefragt bin“
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09:14 26.01.2015
Von Sabrina Mazzola
Der Schauspieler Mario Adorf
Mario Adorf Quelle: Wolfgang Kumm
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Hannover

„Ich habe nichts mehr zu sagen“, haben Sie im Mai in einem Interview gesagt. Nun schreiben Sie ein Buch. Warum hat sich das so schnell geändert?

Es war der Wunsch des Verlegers Helge Malchow von Kiepenheuer & Witsch, doch noch mal ein kleines Buch zu meinem halbrunden Geburtstag, dem 85., auf den Markt zu bringen. Ich finde diesen Anstoß auch gut, weil er mich kennt und weiß, dass ich gerne schreibe. Das führte zu dem vorläufigen Text, den ich jetzt auf der Lesereihe vortrage. Die Schreibarbeit für das Buch dauert aber noch bis zum Frühjahr.

Auf der Bühne wirken Sie sehr zufrieden, beinahe beseelt. Hat es das Leben gut mit Ihnen gemeint?

Sehr gut sogar! Ich habe nie an Mängeln gelitten. Und bei der Premiere des aktuellen Programms war das auch wieder so. Wir hatten keine Probe vorher, aber das Publikum war so beifallsfreudig - damit habe ich überhaupt nicht gerechnet.

In Ihrem Programm „Schauen Sie mal böse!“ bedauern Sie, dass Sie sich selbst im Moment des Todes Ihrer Mutter in der Rolle des Schauspielers, des Beobachters wähnen. Lässt Sie der Beruf niemals los?

Man kann nicht verneinen, dass das eine berufliche Deformation ist: sich allzu sehr in die Beobachtung zu stürzen, wie eine Sucht. Ich gebe aber zu, dass es manchmal übertrieben ist, dieses „Wie kann ich das Gesehene jetzt einsetzen, wie kann ich es gebrauchen?“. Die Trauer kommt aber trotzdem, sie kommt nur später. Sie kommt dann auch milder, und somit hat das ständige Beobachten für mich keinen negativen Aspekt.

Sie mussten in Ihrer Karriere oft den Bösen spielen. Was war Ihre Lieblingsrolle?

Ich liebte meine Rolle als Heinrich Haffenloher in der Fernsehserie „Kir Royal“ von Helmut Dietl 1986. Es war zwar nur eine Gastrolle, aber sie war sehr prägnant. Außerdem mochte ich „Bomber & Paganini“, eine Gaunerkomödie aus dem Jahr 1976. Und auch an meine Rolle in „Rossini“, wieder über die Schickeria und wieder unter der Regie von Helmut Dietl, denke ich gern zurück.

Von wem haben Sie am meisten gelernt?

Am Theater war Fritz Kortner für mich der prägende Mann, die große Regiefigur. Das gilt aber nicht nur für mich, sondern für eine ganze Generation von Schauspielern. Außerdem prägten mich einige Kollegen wie Robert Graf, der leider früh gestorben ist, Gustav Knuth und Gert Fröbe.

Sie klagen im Programm über nuschelnde Jungschauspieler. Welche jungen Kollegen schätzen Sie?

Die ganz Jungen kenne ich gar nicht mehr, die sind mir nicht so bewusst. Ich sehe ja sehr wenig Filme und noch weniger Theater. Die Jüngsten, die ich kenne und schätze, sind Kollegen wie etwa Moritz Bleibtreu, Jürgen Vogel und Christoph Waltz, über dessen großen Erfolg ich mich sehr freue.

Sie sagen in Ihrem Programm auch, am Anfang Ihrer Karriere wären Sie gern Intendant geworden. Welches Stück würden Sie denn gern inszenieren?

Na ja, ich habe ja damals nur an eine Funktion im Theater gedacht, wollte im Theater sein und habe nur nach einer Möglichkeit gesucht, das zu verwirklichen. Ich habe auch einmal Regie geführt, aber als Regisseur habe ich mich dabei nicht empfunden. Es hat mich nur zum Schauspielersein getrieben.

Welcher Stoff hat Sie am meisten geprägt?

In jüngster Zeit meine Rolle in „Der letzte Mensch“. Da spiele ich einen Juden, der den Holocaust überlebt und seine Identität geleugnet hat.

Sie sind Halbitaliener. Was fühlen Sie, wenn Sie in Italien sind?

Wenn ich als Deutscher nach Italien gehe und in einem Film den „Duce“, also Mussolini, spiele, dann war das eine große Befriedigung für mich.

Aber auch der „Duce“ ist ja ein abgrundtief schlechter Mensch. Belastet oder ärgert Sie die Festlegung auf den Bösen?

Nein, im Gegenteil. Erstens würde der nette, der gute Adorf niemanden interessieren. Zweitens fühle ich mich wohl damit, der Böse zu sein. Am Theater ist das die erste Wahl, weil das die starken Rollen sind.

Gibt es eine Rolle, die Sie unbedingt noch spielen wollen?

Nein, das kann ich nicht sagen. Am Theater stehen die Altersrollen fest, der Lear, der Nathan, beim Film und Fernsehen müssen sie erfunden werden. Ich werde abwarten, welche Rollen kommen - auch wenn die keine große Literatur sind.

Wie lange werden Sie noch schauspielern?

Ich kann mir nicht vorstellen, diesen Beruf an den Nagel zu hängen. Ich werde arbeiten, solange ich es physisch und geistig kann. Ich glaube auch, dass es mir guttut, hilft und heilsamer ist als eine Nabelschau oder in den Tag zu leben. Gereist bin ich auch schon genug, das ist für mich keine Alternative zum Arbeiten. Ich kann auch deshalb weitermachen, weil ich gefragt bin. Ein Schauspieler ist nur präsent, solange er spielt. Wenn er aufhört, ist er gar nicht mehr.

Zur Person:

Mario Adorf, 1930 als Sohn einer Deutschen und eines Italieners geboren, steht seit 1954 auf der Bühne und vor der Kamera. Bekannt wurde er 1963 als Bösewicht in „Winnetou“ . Seither spielte er in über 120 Filmen, etwa in „Die Blechtrommel“, „Rossini“ und zuletzt in „Altersglühen“. Mit seinem Programm „Schauen Sie mal böse!“ tritt er am 24. Februar um 20 Uhr im Theater am Aegi auf. Karten gibt es ab 42 Euro in den bekannten Vorverkaufsstellen und im HAZ-Ticketshop.

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