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00:22 27.10.2014
Von Uwe Janssen
25 Jahre erfolgreich: Das neue Albumcover „Rekord“ der Fantastischen Vier. Quelle: Lasker
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Stuttgart

Wenn man über die Fantastischen Vier spricht, spricht man vor allem über früher. Das ist schon länger so, vor allem dann, wenn sie ein neues Album veröffentlichen. Wie jetzt. „Rekord“, das neunte Studiowerk der schwäbischen Sprechsinger, generiert wieder großes Erstaunen darüber, wie lang es das Quartett schon gibt. Und das landauf, landab, denn ein neues Album der Fantastischen Vier ist nach wie vor ein Ereignis in Popmusikdeutschland.

Selbst Kritikern nötigt die Beharrlichkeit Respekt ab, mit der Michi Beck, Thomas D., And.Ypsilon und Smudo widerlegen, dass Hip-Hop nur was für junge Spacken ist und ein Ü-40-Rapper sich eigentlich nur lächerlich machen kann. Dass sich das geändert hat, liegt vor allem an diesen vier Herren, die, alle den Jahrgängen 1967 und 1968 angehörig, den Weg geebnet haben. Vor 25 Jahren ging alles los. Bevor andere das feiern, tut die Band es selbst. Das ganze Jahr schon. Höhepunkt der Festlichkeiten ist nun das Album. Hier ein erster Vorgeschmack:

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Der Titel „Rekord“ kommt in der Reihe der wortverspielt-selbstbezogenen Albennamen nicht an den Vorgänger „Für dich immer noch Fanta Sie“ heran, aber natürlich kann mit Rekord wieder vieles gemeint sein, das unmittelbar mit den Fantastischen Vier zu tun hat. Auf dem Cover ist ein alter Kassettenrekorder mit den zwei gedrückten Tasten zu sehen, mit denen man vor 25 Jahren eine Bandaufnahme startete.

Wie geht das denn nun, Rappen im Alter? Eigentlich wie immer. Und das heißt in diesem Fall: mit Humor. Kaum jemand hat die branchenübliche Selbstbespiegelung so lässig ins Selbstironische gedreht, ohne sich dabei anheischig zu machen, den so coolen Hip-Hop zu verraten. Die Texte waren von beständiger Qualität, und wer sagte, dass das nur auf Englisch geht? Der Wörtersee der harten, eckigen, für Hip-Hop wie gemachten deutschen Sprache war tiefer als man dachte.

Davon zehren die „Fantas“ immer noch begehrlich, wenn sie sich gelegentlich auch schon den Luxus gönnen, sich selbst zu zitieren. Auf einem Bilanzalbum wie „Rekord“ ist das allemal in Ordnung. Zumal sie auch nach vorn schauen und den eigenen Stil behutsam verändern und, ja, vielleicht doch auch ein wenig ihrem Alter anpassen. Denn neben einigen Partysongs („25“, „Heute“, „Disco“) wird es auch musikalisch ruhiger und melodiöser, die Texte sind nachdenklich.

Von Thomas D. kennt man solche Pathosballaden wie „Gott ist mein Zeuge“. Smudo ventiliert das Problem „Frieden wie denn?“, Michi Beck philosophiert über die innere Einsamkeit („Wie geliebt“). Und der „Mann, den nichts bewegt“ wird irgendwann zum „Mann, der nichts bewegt“.

Trotzdem: Ein Abschiedsalbum wird es wohl nicht sein. Das lassen sie in Interviews durchblicken. Und ganz elegant im zweiten Song: „Zeit vergeht? Nee - weit gefehlt. Irgendwann ist immer heute.“

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