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Kultur überregional Joan Armatrading blickt selbstbewusst zurück
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15:40 01.02.2015
Von Uwe Janssen
Joan Armatrading. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Von der Musik hingegen werde sie sich niemals zurückziehen können, lässt sie wissen. Für viele Zuhörer im ausverkauften hannoverschen Pavillon ist es das erste Konzert der britischen Künstlerin, wenngleich deren Alben sie seit langer Zeit begleiten. Man ist gemeinsam gealtert. Joan Armatrading weiß um ihre Bedeutung. Zwar kokettiert sie in den Ansagen gerne damit, aber mehr als eineinhalb Stunden lang wirft sie unverhohlen stolze Blicke zurück auf Leben und Werk.

Das Konzert hat fast familiären Charakter, inklusive Erinnerungsalbum. Der Star nimmt sich die Zeit, zwischendurch seine Karriere in Bildern zu erzählen: Roy Scotts legendärer Londoner Jazzclub, in dem Armatrading 1973 als erste Nicht-Jazzerin spielen durfte, ihre größte Tour als Support Act von Supertramp, ihr größtes Publikum beim Oper Air im Hyde Park, ihr wichtigstes Album, „Love and Affection“, Festivals mit Dylan, Hendrix und Clapton, Aufnahmen mit Paul McCartney und Joe Jackson, drei Grammy-Nominierungen. Und schließlich eine Privataudienz bei Nelson Mandela und ein Treffen mit dessen Weggefährten zum 20. Jahrestag der Demokratie in Südafrika - bei dem ihr diese berichteten, wie wichtig ihre Musik immer für sie war.

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Zur Intimität des Auftritts trägt wesentlich bei, dass Joan Armatrading zum ersten Mal bei einer Tournee auf eine Begleitband verzichtet. Sie steht alleine auf der Bühne, bewegt sich mühelos zwischen Gitarren und Keyboard, ist Sängerin und Instrumentalistin zugleich und kann ihre Qualitäten in beiden Bereichen unter Beweis stellen. Zudem sind die konzentrierten Fassungen ihrer Songs noch persönlicher, sie agiert befreit und füllt den Raum spielend mit ihrer ruhigen Persönlichkeit und beeindruckenden Stimme. Das wirkt selbstverständlich, aber nicht routiniert - obwohl das Programm ihre bekanntesten Stücke aus allen Phasen ihrer Karriere präsentiert. In der Intensität der Soloversionen werden einige Stücke fast zu Hymnen, eingängig, umfangend und erhaben, bei all der Wärme aber stets komplex und voller Leben. Auch die Dynamik kommt nicht zu kurz: Als brillante Gitarristin beweist sich die 64-Jährige vor allem in Rock- und Bluesstücken, gerade auch die härteren und verzerrten Sounds begeistern das Publikum.

Am Ende des Programms verweigert sich die Musikerin dem Ritual, die Bühne zu verlassen, um für eine Zugabe wiederkommen. Sie hat ein großartiges, sentimentales Konzert gespielt und hat es nicht nötig, ihr Publikum zappeln zu lassen. Sie genießt ihren Applaus, um sich dann mit dem beliebten Song „Willow“ zu verabschieden - und den Fans eine letzte Gelegenheit zu bieten, mit ihr gemeinsam zu singen: „I’m strong, straight, willing to be a shelter in a storm.“

Joan Armatrading war ihren Zuhörern Jahrzehnte lang ein solcher Halt. Sie geht aufrecht und umjubelt. Was für ein Abschied.

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