Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Kultur überregional "Jurassic World" startet in den Kinos
Nachrichten Kultur Kultur überregional "Jurassic World" startet in den Kinos
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:35 09.06.2015
Kugeln schützen - noch. Szene aus „Jurassic World“. Quelle: Universal Pictures/dpa
Anzeige

Böse, böse: Eine Saurierdame, gigantischer noch als der T-Rex, hergestellt mit den Mitteln avancierter Gentechnik, frisst die eigenen Kinder und bricht aus dem Vergnügungspark aus, in dem sie gefangen gehalten wurde.

Die Echse macht Jagd auf Menschen - und ist intelligent genug, um sich ihren Ortungschip herauszureißen.

Anzeige

Der Film „Jurassic World“ spielt mit der unheimlichen Faszination, die Saurier auf die Menschen ausüben. Der vierte Teil der Filmreihe, die Steven Spielberg vor 22 Jahren mit „Jurassic Park“ begann, läuft am Donnerstag in den Kinos an. Spielbergs „Jurassic Park“, die Verfilmung von Michael Crichtons 1990 erschienenem Roman „DinoPark“, prägt unser Bild von den Herrschern der Urzeit mit.

Im ersten Film aus dem Jahr 1993 sagt der Multimilliardär John Hammond: „Wir werden die Vorstellungskraft der ganzen Menschheit bannen.“ Was er auf seinen Saurierpark bezogen hat, gilt auch für die Filmreihe selbst, die eine mächtige Vermarktungswelle auslöste. Saurier zogen in Überraschungseier, Frühstücksflocken-Packungen und Yps-Gimmicks ein, es gibt Fossil-Kekse und Saurier-Pommes.

Der Siegeszug der Dinosaurier in den Medien begann allerdings schon früher. Bereits 1851 wurden bei der Eröffnung des Londoner Crystal Palace die ersten lebensgroßen Dinosaurier ausgestellt. Kinder wie Erwachsene stehen bis heute in Ausstellungen staunend vor meterhohen Skeletten; „The World of Dinosaurs“ im sächsischen Moritzburg zum Beispiel verspricht ein „wahres Urzeit-Feeling“. Für eine seit 65 Millionen Jahren ausgestorbene Art sind die Saurier erstaunlich lebendig. Woher kommt die Faszination für die Riesenechse?

Der Begriff „Dinosaurier“ setzt sich aus den altgriechischen Worten „deinos“ (gewaltig, furchtbar) und „sauros“ (Echse) zusammen. Die schrecklichen Echsen stellen das Urmonster schlechthin dar und rühren an archaische Ängste. Und die Saurier führen dem Menschen auch die eigene Vergänglichkeit vor Augen. Wenn selbst solche Giganten von der Erdoberfläche verschwinden konnten, wie sieht es dann mit dem Überleben des Homo sapiens aus?

Vor 235 Millionen Jahren bis vor etwa 65 Millionen Jahren beherrschten die Dinosaurier die Erde. Der Mensch erschien erst sehr viel später auf der Bildfläche. Ob die Existenz unserer Gattung auch so lange währen wird wie die der Dinosaurier?

Vieles spricht dagegen. Die Fernsehsitcom „Die Dinos“ präsentierte die Saurier Anfang der Neunziger als Karikaturen des Menschen. In einer Szene zeigt der Vater-Megalosaurus im Holzfällerhemd seinem vorlauten Baby den Urwald. Er sagt: „Eines Tages gehört dir die ganze Welt, denn Dinosaurier beherrschen die Erde. Wir werden die Könige bleiben - und zwar für immer.“

Das Ende der Dinosaurier kam wahrscheinlich recht plötzlich. Viele Indizien sprechen dafür, dass vor 65 Millionen Jahren ein Asteroid mit einem Durchmesser von zehn Kilometern im Golf von Mexiko auf die Erde traf. Tsunamis und gigantische Staubwolken waren die Folge. Die Atmosphäre veränderte sich, weniger Sonnenlicht gelangte auf die Erde. Es kam zu einem Massensterben, übrigens nicht dem ersten in der Erdgeschichte.

Die Dinosaurier starben aus - aber nicht alle. Einige flugfähige Dino-Arten überlebten: die Ahnen unserer Vögel. Von den Dinosauriern, die nicht fliegen konnten, blieben nur Versteinerungen. Die wurden auch schon gefunden, bevor sie systematisch gesammelt wurden. Frühe Fossilienfunde beflügelten Legenden über Lindwürmer, Drachen und Seeungeheuer. Was aber wäre, wenn der Asteroid, der mutmaßlich die Dinosaurier auslöschte, die Erde verfehlt hätte? Die Animationsfirma Pixar bringt diese Möglichkeit mit dem Film „Der gute Dinosaurier“ im November auf die Leinwand. Es ist reizvoll, darüber nachzudenken, ob und wie sich unsere Zivilisation entwickelt hätte, wenn es weiterhin Dinosaurier gäbe.

Da es sie nicht gibt, muss man sie erschaffen, wenn man mit ihnen Umgang pflegen möchte. Die Gentechnik ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass Säugetiere relativ problemlos geklont werden können. Könnte man mit einem Tropfen Saurierblut (konserviert in einer Mücke, die in einem Tropfen Baumharz eingeschlossen wurde) vielleicht einen Saurier künstlich wieder auferstehen lassen? Das war die Idee von Michael Crichtons Thriller „DinoPark“.

„Jurassic World“ ist keine reine Fantasie. Dem US-Paläontologen Jack Horner (der wissenschaftlicher Berater der Jurassic-Park-Filme war) soll es gelungen sein, in Fossilienknochen Reste von Saurier-DNA aufzuspüren - allerdings keine zum Klonen geeignete Menge. Aber es gibt auch eine andere Möglichkeit, zurück in die Vergangenheit zu gelangen: Wissenschaftler der Yale University haben jüngst mithilfe von Gentechnik das Dino-Erbgut in Hühner-Embryos so reaktiviert, so dass den Küken statt Schnäbeln Schnauzen wie beim Velociraptor wuchsen. Die Forscher wollten die molekularen Grundlagen der evolutionären Vorgänge beim Übergang vom Kiefer zum Schnabel verstehen und ließen die Entwicklung quasi rückwärts laufen. Mit derartigen gentechnischen Manipulationen könnten vielleicht tatsächlich saurierähnliche Wesen erschaffen werden.

Bisher gibt es sie aber nur im Animationsfilm. Und auch da sind sie nicht so ganz einfach herzustellen. Der Start von „Jurassic World“ jedenfalls wurde um ein Jahr verschoben, weil die Spezialeffekte so aufwendig waren.

Von Nina May und Ronald Meyer-Arlt

Stefan Arndt 04.04.2016