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Kultur überregional Chinesische Künstler schlafen in der Galerie
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21:21 01.06.2015
Kunst: Xiao Ke und Zhou Zi Han, schlafend.
Kunst: Xiao Ke und Zhou Zi Han, schlafend. Quelle: Krückeberg
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Hannover

Die Galerie in Herrenhausen hat sich in ihrer Verwandelbarkeit, in der kaum Grenzen kennenden Flexibilität der räumlichen Nutzung längst zu einer Konstante der experimentierfreudigen Kunstfestspiele entwickelt. Dass scheinbar Selbstverständliches immer wieder aufs Neue mit Leben und starken Inhalten gefüllt werden sollte, zeigte zum Abschluss des Eröffnungswochenendes jetzt die Performance „We apologize to inform you“ des chinesischen Künstlerduos Xiao Ke und Zhou Zi Han.

Die Galerie ist auf einer Fläche von 12 mal 66 Metern ausgelegt mit Stoffbahnen, dicht beschrieben mit chinesischen Schriftzeichen, Worte aus dem ersten Kapitel aus „Das wahre Buch“, einer Schrift aus dem vierten Jahrhundert. Bunte, blinkende und künstlich zwitschernde Plastikvögel, darauf und im ganzen Raum verteilt, sorgen nicht nur für eine prägnante Geräuschkulisse, sie vermitteln im Gegensatz zu den Schriftzeichen als Symbol chinesischer Hochkultur den Hang zum Kitsch, der dem Land durchaus auch zu eigen ist.

Mittig auf dieser Fläche liegen, eingehüllt in Decken, zwei Menschen schlafend auf einer Luftmatratze. Das sind die beiden Künstler, die sich hier sechs Stunden vor Beginn ihrer Performance abgelegt haben. Mit ihrem Erwachen beginnt eine assoziationsreiche, immer wieder beklemmende und dann wieder komische Reise durch die Spannungswelt fernöstlicher und westlicher Kultur. Der Titel der Performance nimmt einen Satz auf, der offenbar viel zu hören ist auf chinesischen Flughäfen, wenn einmal wieder die zivile Luftfahrt hinter der militärischen zurückstecken muss und Flüge ausfallen.

Die Künstler setzen sich in Bewegung, zuerst begleitet vom Perpetuum mobile eines immer wiederkehrenden Textes auf Englisch – wie fühlst du dich, ist das wichtig für dich, wie lange musst du darüber nachdenken, das sind die zentralen Fragen. Diese Dauerschleife löst sich irgendwann in der Trennung der Künstler auf. Mit Teetassen, schwarzer und roter Farbe, ausdrucksstarken Bewegungen bespielen sie die riesige Fläche in der Galerie – chinesische Kultur trifft dort auf deutsche Kultur. Irgendwann kommt es zum Zusammenstoß dieser Kulturen, die Stoffbahnen werden zerrissen, in Säcke verpackt und aus der Galerie hinaus in die Welt getragen – sie mögen Spuren hinterlassen, wo immer sie ankommen.

Es ist nicht leicht, in diese theatralische Welt einzutauchen. Wer drin ist, bleibt konzentriert. Am Ende öffnet sich nur die Tür und die Performance verlässt den Raum, Applaus gibt es nicht. Der würde auch nicht zu dieser existenziellen Form des Theaters passen.

Christian Schütte

Ein Film des Künstlerduos ist noch bis 14. Juni immer eine Stunde vor Beginn der Veranstaltungen im Arne-Jacobsen-Foyer zu sehen.

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