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Kultur überregional Kunstmuseum Wolfsburg trauert um Brüderlin
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00:15 20.03.2014
Von Johanna Di Blasi
Starb im Alter von 55 Jahren: Markus Brüderlin. Quelle: dpa
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Wolfsburg

Als in der vergangenen Woche im Kunstmuseum Wolfsburg die Sammlungsausstellung „Spuren der Moderne“ eröffnet wurde, mit großartigen Werken von Andreas Gursky über Neo Rauch bis Nam June Paik, war eine merkwürdige Lücke zu spüren. Was fehlte, waren die stets klugen, eloquenten, begeisterten Ausführungen des Hausherrn Markus Brüderlin. Dieser hatte sonst immer verlässlich nicht nur in große, sondern auch in kleinere Ausstellungen seines Hauses persönlich eingeführt. Der Direktor sei „erkrankt“ und lasse sich entschuldigen, erklärten seine Mitarbeiter – es klang nicht übermäßig besorgniserregend.

Am Montagnachmittag informierte das Museum darüber, dass der 1958 in Basel geborene Kunsthistoriker überraschend gestorben sei. „Wir stehen alle unter Schock“, sagte gestern Brüderlins langjährige Mitarbeiterin Rita Werneyer. Die Todesumstände werde man mit Rücksicht auf die Familie Brüderlins nicht bekannt geben, hieß es.

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Markus Brüderlin, der nur 55 Jahre alt geworden ist, studierte Kunstgeschichte, Kunstpädagogik, Philosophie und Germanistik in Wien und Wuppertal. Schon sein Promotionsthema, „Die Bedeutung des Ornaments für die abstrakte Kunst des 20. Jahrhunderts“, verriet das Interesse des Schweizers an unkonventionellen und unorthodoxen Perspektiven auf die Kunst. „Ornament“, war nach einem Diktum des modernen Wiener Architekten Adolf LoosVerbrechen“. Brüderlin wies nach, dass Ornamentik auch aus der Moderne nicht wegzudenken ist.

Von 1994 bis 1996 war Brüderlin als Kunstkurator für das österreichische Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst tätig und gründete in dieser Zeit auch den Kunstraum Wien. Danach war er fast zehn Jahre lang künstlerischer Leiter der renommierten Fondation Beyeler in Riehen/Basel. Im Jahr 2006 wechselte er nach Niedersachsen ans Kunstmuseum Wolfsburg, wo unter seiner Riege großartige Ausstellungen wie „Ornament und Abstraktion“ (2001), „Japan und der Westen. Die erfüllte Leere“ (2007), „Alberto Giacometti. Der Ursprung des Raumes“ (2010), „Die Kunst der Entschleunigung“ (2011) und zuletzt „Kunst & Textil“ (2013/2014) zu sehen war.

In Kürze begeht das Museum sein 20-jährigen Bestehen mit einer Ausstellung zu Oskar Kokoschka. Dann wird die Lücke, die Brüderlins Tod hinterlässt, besonders schmerzlich zu spüren sein.

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