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Kultur überregional Der letzte Tanz der Moleküle
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00:15 18.01.2015
Ist heiß auf die Bühne: die Sängerin Mieze Katz der Band MIA. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Es ist alles perfekt geplant. Nach drei Jahren relativer Stille will MIA. wieder im Popmusikgeschäft mitmischen. Unter dem Titel „Neue Ära“ hat das Elektropop-Quartett aus Berlin sein neues Album angekündigt, die erste Single „Nein, nein, nein“ läuft schon im Radio, und für die Tournee kaufen die Fans bereits seit Wochen Tickets. Und dann der GAU: Kurz vor dem ersten Auftritt stellt sich heraus, dass das Album nicht fertig wird. Was jetzt? Tour absagen, in den Probenraum zurückziehen, schmollen?

Nicht bei MIA. Die Band um Frontfrau Maria Mummert alias Mieze Katz macht aus der Not eine Tugend und aus der Tournee eine Art Best-of-Clubtour mit Hits und Häppchen aus dem neuen Album. Wie gut das ankommt, zeigte sich bei einem Blick in glückliche Gesichter im ausverkauften Musikzentrum.

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Best-of-Shows haben zudem einen interessanten Nebeneffekt: Sie zeichnen die musikalische Entwicklung einer Band nach. Bei MIA. wird durch den Vergleich der Hits wie „Hungriges Herz“ mit neuen Songs wie „United States of Du und Ich“ deutlich, dass mit dem kommenden Album ein Umbruch ansteht. Die neuen Stücke klingen synthetischer, ernster und rücksichtsloser. Die Zeit der tanzenden Moleküle scheint vorbei zu sein. An die Stelle von Naivität tritt Desillusion. Kindliche Freude weicht dem Mut der Verzweiflung. Der Einfluss der aktuellen Berliner Elektro-Szene ist in den neuen Kreationen deutlich spürbar.

Doch trotzdem bleibt ein MIA.-Konzert eine heitere Angelegenheit, und das liegt vor allem an Sängerin Mieze Katz. Die Enge des Clubs nutzt sie, um sich publikumsnah zu geben. Sie schüttelt Hände, winkt einzelnen Fans zu und holt sogar einen Zuschauer auf die Bühne, um erst im Walzertakt und dann frei nach Schnauze mit ihm über die Bühne zu hopsen. Den Refrain von „Fallschirm“ überlässt sie schließlich ganz ihren Fans, während sie ihren fallschirmartigen Umhang hin- und herschwingt.

Nach einem Song schlägt sie oft die Hände vors Gesicht, als wäre sie vom Publikumszuspruch überwältigt. Klar, Mieze Katz ist ein Profi. Zufällig geschieht bei ihr auf der Bühne nur wenig. Doch es gelingt ihr, die Geste natürlich wirken zu lassen. Sie gibt den Zuschauern das Gefühl, da oben steht kein abgehobener Star, sondern eine Freundin, mit der man lachen, tanzen und auch mal wütend auf das Leben sein kann.     

Von Isabel Christian

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