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18:25 12.03.2015
Von Uwe Janssen
Denk mal: Mark Knopfler.
Denk mal: Mark Knopfler. Quelle: Universal
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Seinen Status hat er vor 40 Jahren erworben, irgendwann zwischendurch trug er auch mal ein Stirnband, weil er so schwitzte, wie er heute beteuert, und er trug ein ziemlich albernes Glitzerhemd.

Ansonsten hat sich seit den Siebzigern eigentlich nicht viel geändert. Er fremdelt wie früher mit der großen Show, er ist immer noch leidlich wortkarg, er lässt immer noch am liebsten seine Gitarre sprechen und bedauert wohl insgeheim, dass sie nicht die Interviews führen kann. Mittlerweile sieht der 65-Jährige auch so gemütlich aus wie er ist. Mark Knopfler ist natürlich längst kein Dire Strait mehr, aber er schart wie damals gute Instrumentalisten um sich, die seine Idee von Musik umsetzen. Auch bei seinem achten, heute erscheinenden Soloalbum „Tracker“ ist das nicht anders.

Ganz behutsam, aber stetig, Album für Album, hat Knopfler den Dire-Straits-Bombast aus seinem Solowerk abfließen lassen. Klang das Debüt „Golden Heart“ noch wie ein etwas unschlüssiger Kompromiss und das fantastische „Sailing to Philadelphia“ wie ein absolut schlüssiger Kompromiss, kehrte auf „Kill to get Crimson“ oder „Get Lucky“ anschließend immer mehr Ruhe ein.

Im Vorfeld von „Privateering“, dem Album aus dem Jahr 2012, hatte er sich auf eine langfristige Arbeit mit einer Gruppe von Folklore-Virtuosen festgelegt - und dann gleich ein Doppelalbum mit Expeditionen in Folk und Blues vollgespielt, wobei der geneigte Nostalgiker sich nur noch an wenigen der typisch leichtfingrig und elegant fließenden Gitarrensoli Knopflers erfreuen konnte.

Diesen Weg geht er nun erwartungsgemäß weiter. Die eröffnende Schunkelnummer „Laughs and Jokes and Drinks and Smokes“ klingt genau wie das, was aus Fenstern eines Pubs auf die Straße dringen muss, um Menschen hineinzulocken. Dann wird es entspannt. Es tritt auf: Onkel Mark, der Geschichtenerzähler. Mit Cordhose, Wollsocken und Gitarre im Schaukelstuhl, so fühlt es sich an, brummelt er einem mit seiner Kaminfeuerstimme seine Short Stories ins Ohr. Mehr noch, er ehrt, setzt Menschen, die ihn bewegt haben, ein musikalisches Denkmal. Zum Beispiel Basil Bunting, einem 1985 verstorbenen Dichter aus Northumberland im Norden Englands, wo auch Knopfler aufgewachsen ist. „Broken Bones“ ist ein einfaches Lied über den vor zwei Jahren verstorbenen Gitarristen J. J. Cale, von dem der junge Knopfler viel gelernt hat, vor allem, dass ein entspannter Ton an der richtigen Stelle oft besser ist als zehn hektische die Bluesskala rauf und runter.

„Beryl“ schließlich ist eine Hymne an die Liverpooler Schriftstellerin Beryl Bainbridge - und genau da ist er, der Moment für Nostalgiker. Denn plötzlich perlt die Stratocaster, und das Schlagzeug scheppert ein bisschen, es ist 1977, die Sultans of Swing betreten den Raum, holen Onkel Mark aus dem Schaukelstuhl, er singt und drapiert zwischen den Zeilen diese wunderbaren kleinen, mit den Fingern gezupften Tonfiguren.

Doch ehe der Schaukelstuhl ganz zur Ruhe kommt, sitzt der Meister wieder drin und lässt das Album mit „Wherever I Go“, einem schönen Duett mit der Sängerin Ruth Moody, ausklingen. Ein weiches Saxofon begleitet die beiden hinaus. Danach: Stille. Für zwei Minuten meint man, sie gehört zu „Tracker“ dazu.

Mark Knopfler: „Tracker“ (universal). Live mit Band am 7. Juli in der TUI Arena Hannover: Karten an allen HAZ-Ticketshops.

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