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Kultur überregional Möwen, Mützen, Mutti
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00:15 18.09.2013
Von Uwe Janssen
„Geboren, um zu blödeln“: Otto ist, wie er ist. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Es ist schon alles da, bevor er da ist: Links auf der Bühne das windschiefe Otto-Huus, das im Original in seiner Heimatstadt Emden steht. Rechts der rot-gelbe Leuchtturm, der im Original in dem Ort mit dem schönen Namen Pilsum steht. Ein paar Gitarren, oben drüber ein paar Ottifantenmützen,  ein Hocker. Was man halt so braucht an einem Otto-Abend. Dann Bilder aus dem kleinen Huus, Otto macht sich schick. Ottoschick. Und dann: Musik. Es ertönen die ersten Takte des Gerry-Rafferty-Hits „Baker Street“, und da ist er. Ottifant unterm Arm, noch ’ne Mütze auf dem recht übersichtlich bewachsenen Haupt. Dazu Pluderhose und weites Hemd.

Als sich der frenetische Jubel der 3000 Fans legt, singt er. Und dann greift Otto zur E-Gitarre und spielt das Solo. Natürlich perfekt. Denn eigentlich ist Otto Waalkes ja Gitarrist. So fing es mal an. Wie gut für den deutschen Humor, dass er noch ein paar andere Dinge auf der Bühne angefangen hat. Einige dieser Dinge sind Volksgut. Und Otto weiß das. Seine Show ist ein immerwährendes Best-of, ergänzt durch neue Pointen. Aber die „Holladahitis“ und das Klassikerrepertoire an Otto-Moves ist natürlich dabei. Nicht dass er sich als Original manifestieren möchte, er ist in seinem rasenden Chaotenhumor konkurrenzlos geblieben. Aber: Die Leute lieben es. Immer noch. Immer mehr.

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Der Laden ist voll. Die Show an diesem Sonntag fängt um 18.07 Uhr an. Kinderfreundlich. Viele Besucher sind dabei, ihren Nachwuchs auf die Spur zu setzen. Auf die Otto-Spur. Kurz vor der Pause holt der Ostfriese alle Kinder nach vorn und verteilt Ottifanten. Da wundert man sich, wie viele es sind, die sich vorher auch all die kleinen Ferkeleien angehört und angesehen haben. Wie das Flaggenalphabet, bei dem er Orte wie Langenhagen, Krähenwinkel und Mittelfeld so einfach wie genital darstellt.  Auch Sid, das Faultier aus „Ice Age“, dem er die Stimme leiht, baut er mittlerweile wie selbstverständlich in sein Programm ein. Sid singt „Bohemian Rhapsody“. Fast so gut wie Freddie Mercury.

Musik ist wichtiger geworden in seinem Programm, vielleicht schließt sich da langsam ein Kreis. Er lässt mitsingen, manchmal von der Leinwand, manchmal einfach ein paar Stimmungshits aus fremder Feder. Manchmal Lou Reed, manchmal die Flippers. Wenn er in der „Schwitz Life Hall“ ein „Märschen“ spielt, zupft er für jeden Protagonisten einen eigenen Song. Für den Prinzen „Seven Nation Army“, für den Hofmarschall den River-Kwai-Marsch, für die Prinzessin den kleinen grünen Kaktus. Das Märschen ist fein erzählt und endet ziemlich bekloppt. Inhalt neu, Prinzip vertraut. Irgendwann lässt er sich an einen Lügendetektor anschließen. „Ich spiele für Hannover ein ganz neues Programm.“ Rote Lampe. Als Bauer holt er die Leute wieder ins Boot. Die einen sind Hähne, die anderen Lachmöwen, alle hinten heulen wie junge Robben. Einer ruft immer „Mutti“. Otto lacht. „Hab ich hier Eintritt bezahlt oder ihr?“ Hier macht einer für sein Publikum Spaß. Und mit ihm. Das danken sie ihm. Die Stimmung ist bisweilen euphorisch.

Manchmal merkt man, dass Otto bereits 65 Jahre alt ist. Ganz so flott wie damals ist er nicht mehr auf den Beinen. Manchmal setzt er sich auf eine Bank. Und die Rollschuhe, vor Jahren Ottos wichtigstes Verkehrsmittel, bleiben im Schrank. Aber das Pensum, das der Hobbytennisspieler während der zweieinhalb Stunden leistet, ist trotzdem gewaltig. Und wenn er als Louis Flambée die fahrbare Kochecke hereinschiebt und die weiße Mütze aufsetzt und die Menschen in der ersten Reihe für einen Moment bereuen lässt, dass sie so nah dran sitzen mussten, dann turnt er plötzlich wie ein Jungspund an der Bühnenkante herum und raspelt den Herrschaften den Kohlkopf auf die Jacke.

Schließlich lässt er Hänsel und Gretel in neuen Liedversionen zum Hexenhaus marschieren. Diesmal mit den Toten Hosen („An Tagen wie diesen wünsche ich mir ein Knusperhaus“) und mit dem „Otto Gangnam Style“, man kann sich ungefähr vorstellen, welche eigene Fortbewegungsmethode er dazu benutzt. Und eine Udo-Lindenberg-Parodie darf heutzutage nur noch dessen alter WG-Kumpel Otto machen. Schließlich steht er vorn, im Scheinwerferkegel, singt gemäß dem Titel seines Programms „Geboren, um zu blödeln“, und da ist dann auch ganz viel Wahrheit mit dabei. Am Ende singen alle, Robben, Möwen, Hähne, Kinder und Mutti mit Otto „Dänen lügen nicht“. Gemeinsam. Wie immer.

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