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11:04 05.03.2015
Von Uwe Janssen
Foto: Kritisch britisch: Noel Gallagher.
Kritisch britisch: Noel Gallagher. Quelle: afp
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Hannover

Es gibt ein neues Oasis-Album. Es steht zwar Noel Gallagher drauf, aber was der ältere der beiden kreativen Krawallbrüder mit seinen High Flying Birds auf „Chasing Yesterday“ abliefert, wäre das Optimum dessen, was man sich unter Oasis 2015 vorstellen könnte.

Es ist rückwärtsgewandt und modern zugleich, es vereint Beatles und Stadionrock, es frönt der melodischen Hymne und ehrt das Gitarrensolo, lässt aber auch mal wieder ein Saxofon ran, was in der Rockmusik so out ist, dass es schon fast wieder als innovativ durchgeht. Wenn Gallagher dann noch das einleitende „Riverman“ mit einer „Wonderwall“-Gedächtnisgitarre einleitet, darf er sich über Vergleiche nicht wundern.

Shitstorm aus der deutschen Hip-Hop-Szene

Das obligatorische Begleitgeklingel gibt’s gratis dazu. Gallagher hat sich in Interviews vorab souverän durch die gesamte Popszene gezetert. Neben seinem Bruder, dem früheren Oasis-Sänger Liam („Idiot“), kriegen Taylor Swift („untalentiert“), Kanye West („Blödmann“), James Blunt („langweilig“), Maroon 5 („überschätzt“) schlagzeilenträchtig ihr Fett weg. Die deutsche Hip-Hop-Szene hat sich für Gallaghers Frage „Wollen Sie ernsthaft behaupten, es gäbe so etwas wie deutschen Rap?“ mit einem beachtlichen Shitstorm bedankt. So weit, so typisch. Nur geprügelt wie früher hat Gallagher sich noch nicht, dafür fehlt dann wohl doch sein ihm zumindest öffentlich so verhasster Bruder, dessen eigene Band Beady Eye mittlerweile wieder aufgelöst ist.

Noel war immer Streithahn, aber auch Songwriter von Oasis, er war quasi Hirn, Herz und Arsch der Band. Nun schreibt er seine Lieder eben für die High Flying Birds. Die Experimentierfreude hält sich in Grenzen, auch wenn „The Right Stuff“ hinten raus wie eine Progrockspielerei aus den Sechzigern und das abschließende „Ballad of the Mighty I“ (mit Johnny Marr von den Smiths an der Gitarre) wie eine Mando-Diao-Tanznummer klingt.

Der Rest ist teils rauschhaft schön und wie immer anspielungsreich im Bezug auf die britische Popgeschichte. Vielleicht kann er auch gar nicht anders, vielleicht ist dieser Ur-Britpop mit seinen Ausprägungen sein Los. Es ist ja nicht das Schlechteste.

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