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Kultur überregional Deutlich Richtung Ungestüm
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18:43 22.06.2015
Von Rainer Wagner
Christian Zacharias. Quelle: Klaus Rudolph
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Vor 40 Jahren rückte ihn der erste Preis beim Pariser Ravel-Festival ins Rampenlicht, aber Glamour blieb dem Pianisten Zacharias eher fremd. Rasch machte er sich einen Namen als seriöser und neugieriger Solist, gern, aber nicht nur, im klassischen Repertoire. Dass er zunehmend auch als Dirigent wirkte, sprach sich unter Kennern schneller herum als in der breiteren Öffentlichkeit.

Jetzt zeigte er im bestens besuchten Opernhauskonzert in Hannover, dass man auch einem weitgehend klassischen Repertoire Neuigkeitswert abringen kann. Etwa bei Carl Philipp Emanuel Bachs Berliner e-Moll-Sinfonie, die Zeitgenossen für seine beste hielten. Was Bach hier an Kontrasten, an komprimierten Stimmungselementen in knapp zwölf Minuten präsentiert, ist in Zacharias’ Sichtweise zwischen den Polen Empfindsamkeit und Sturm und Drang deutlich Richtung Ungestüm orientiert. Das Staatsorchester spielt das angemessen energisch, kleine Balanceprobleme zwischen den Bläsern und den Streichern sind bald gelöst. Stimmungsstark leitet das tänzerische Allegro zu Bernd Alois Zimmermanns „Rheinischen Kirmestänzen“ für 13 Bläser über. Diese nicht knappen und pointierten Tanzsätze hören sich an, als hätte ein Spielmannszug vor seinem Auftritt ein paar Runden Achterbahnfahrt hinter sich gebracht. Die Bläser des Staatsorchesters geben sich dennoch standfest. Ein schön schräger Spaß!

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Viel Spielfreude dann auch bei Mozarts frühem Klavierkonzert B-Dur KV 238, das im Konzertalltag eher seltener zu hören ist. Zacharias stellt in seiner Doppelfunktion als Dirigent und als Solist bereits mit dem Orchesterauftakt und seinem ersten Einsatz klar, dass dieses Werk eines 20-Jährigen ein ausgewachsenes Stück ist. Und nimmt so das Stück (ge)wichtiger, als es auf den ersten Blick zu sein scheint. Für den herzlichen Beifall bedankt sich Zacharias mit dem eleganten Mozart-Rondo D-Dur KV 485.

Robert Schumanns „Rheinische Sinfonie“ zeigt den Gastdirigenten als einen Mann von Maß und Ziel, die Tempi sind angemessen angezogen, aber nicht überzogen und verscheuchen jede Gefahr der Behäbigkeit – auch im „feierlichen“ vierten Satz, bei dem die gut aufgelegten Bläser des Staatsorchesters belegen, dass ein Choral auch ohne Pathos strahlen kann. Den Schlusssatz steigert Zacharias so geschickt auf die Coda hin, dass man glauben könnte, hier ginge es nicht um den Rhein, der sich in den verzweigten Niederungen seiner Mündung verläuft, sondern um die auftrumpfende „Moldau“. Große Leistung, großer Beifall.

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