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Kultur überregional Prostituierte und Profitgeier
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13:56 26.09.2013
Das Bild "Armor Lichtspiele" von George Grosz aus dem Jahr 1924 zeigt eine Straßenszene vor einem Kino. Quelle: Richard Nagy Gallery/dpa
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London

Eine George Grosz-Schau mit ganz besonderer Note ist in London zu sehen: Der Privatgalerist und Sammler Richard Nagy hat rund 50 Werke des gesellschaftskritischen Malers und Karikaturisten (1893-1959) zusammengetragen, von denen viele seit den 20er Jahren nicht in der Öffentlichkeit zu sehen waren. Der Grund: Die Zeichnungen und Aquarelle stammen zu 90 Prozent aus dem Privatbesitz von Sammlern in der ganzen Welt - von Australien über die USA bis Europa. "Dies ist eine Ausstellung mit historischem Material. Viele der Werke sind seit den Lebzeiten von Grosz nicht zu sehen gewesen", sagte Nagy der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag.

Die Ausstellung "George Grosz's Berlin" wird vom 28. September bis zum 2. November in Nagy's Galerie in der Old Bond Street gezeigt. Sie konzentriert sich im wesentlichen auf die Schaffensperiode von Grosz in Berlin und deckt den Zeitraum von 1912 bis 1928 ab. Ihr Untertitel "Prostituierte, Politiker, Profitgeier" trifft den Inhalt perfekt.

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Wie kaum ein anderer hat Grosz die damalige Atmosphäre von Korruption, Misstrauen, Heuchelei und moralischem Verfall in der deutschen Metropole eingefangen. "Er war ein ewiger Kritiker der Engstirnigkeit", sagte Nagy. Stolz ist der Galerist vor allem auf die stattliche Zahl von Aquarellen in der zweiräumigen Ausstellung. Paradestück ist die Vorstudie zu "Deutschland, ein Wintermärchen" (1918), die erst vor rund drei Jahren in Bayern wiedergefunden wurde. Sie stand im Mittelpunkt einer großen Grosz-Schau in Brühl im Herbst 2011. Überwiegend aus Privatbesitz stammend sind in London so bedeutende Werke wie "Wanderzirkus" (1912), "Nachtszene, Berlin" (1915), "Vor der Kaserne" (1918), "Stammtisch" (1916), "Nieder mit Liebknecht" (1918) und "Fern im Süd das schöne Spanien" (1919) aufgereiht.

Deutlich ist Grosz's Wandel vom beißenden politischen Kritiker zum gesellschaftspolitischen Beobachter und Kommentator nach seiner Rückkehr aus der Sowjetunion 1922 zu erkennen. Seine Ernüchterung mit dem realen Kommunismus drosselte seinen Appetit darauf, "über das Mittel der Kunst offen politisch zu sein", sagte Nagy. Die grellen, aber oft auch sinnlich und romantisch wirkende Gemälde stellen Fragen nach dem moralischen Verfall in einer bürgerlichen, vom wirtschaftlichen Zusammenbruch bedrohten Gesellschaft.

Die Aquarelle "Dämmerung" (1922), "Das Paar" ((1924), "Junger Knabe" (1923), "Nach dem Theater" (1926) und "Frühlingsanfang" (1928) stehen dafür. Laut Nagy dürften rund 20 Prozent der ausgestellten Werke zuvor an öffentlichen Orten zu sehen gewesen sein. Als Gruppe zusammen seien die Bilder aber noch nie ausgestellt worden. "Viele sind von Sammlern und Freunden, an die ich über die Jahre verkauft habe - ich habe sie mir nun einfach ausgeborgt," sagte der Galerist. Nagy hofft auf europäisches, wenn nicht notwendigerweise britisches, Interesse an dem Deutsch-Amerikaner Grosz. "Er ist für die heutige Zeit extrem relevant. Wir leben in einer Zeit ansteigender Jugendarbeitslosigkeit und Immigration, erstarkten Rechtsparteien und einer wachsenden Lücke zwischen Arm und Reich. Die Parallelen sind deutlich. Grosz erinnert uns an die Zerbrechlichkeit der Demokratie."

dpa

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