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Kultur überregional So überzeugt Sarah Kuttners Roman
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21:55 30.03.2016
Von Ronald Meyer-Arlt
Sarah Kuttner hat ihren Roman "180 Grad Meer" veröffentlicht. Quelle: dpa
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Schon schlecht: Jule heißt die Protagonistin des neuen Romans von Sarah Kuttner. Jule. Klingt nach deutschem Frauenroman vom Ende des vergangenen Jahrtausends. Ihr Freund heißt Tim. Hat man auch schon mal gehört.

So geht Unterhaltungsroman heute

Weil Jule was mit Andreas hat, ist Tim sauer, Jule flieht vor dem Ärger nach London, dort wohnt ihr Bruder in einer heruntergekommenen Wohngemeinschaft mit ziemlich verrückten Leuten und einem Hund. In England trifft Jule nicht nur ihren Bruder, sondern auch ihren Vater. Der hat sich früher schlecht um sie gekümmert. Nun hat er Krebs. Ab und zu ruft Jules Mutter an. Die hat Depressionen. Ach ja. So geht Unterhaltungsroman heute.

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Aber. Aber! So armselig, wie die Namen und die Story es vermuten lassen, ist Sarah Kuttners Roman gar nicht. Das merkt man schon an den ersten Sätzen: „Ich bin kein schöner Mensch. Meine Aura ist irgendwie zahnfarben. Nicht offwhite, nicht creme. Nicht einmal neutral beige. Das diffus Unangenehme, das zahnfarben verheißt, nehme ich voll und ganz für mich in Anspruch. Meine Präsenz fühlt sich an wie der Kuss von jemandem mit schlechtem Atem, der sich aber gerade eben die Zähne geputzt hat: eine irritierende Nuance unter neutral.“

Originell, schonungslos, verspielt

Holla, das klingt nicht schlecht. Das ist originell, schonungslos und verspielt. Und es ist erstaunlich, wie gut das Schonungslose und das Verspielte hier zusammengeht.

Sarah Kuttner weiß natürlich, dass es auf die ersten Sätze ankommt. Damit kennt sich die TV-Moderatorin - und Tochter des TV-Moderators Jürgen Kuttner - schon durchs Fernsehgeschäft aus. Doch als Autorin bleibt sie eine eher mediale als literarische Erscheinung. Auch wenn sie sich überdies noch mit Frauen in schwierigen Lebenslagen auskennt. Was sie mit ihren beiden ersten Romanen „Mängelexemplar“ und „Wachstumsschmerz“ ja schon hinlänglich dokumentiert hat - lauter Geschichten über Problemfrauen.

Unterhaltungsroman wird zum Entwicklungsroman

Das ist auch diese Jule. Und dabei dünnhäutig und dickfellig zugleich. Doch am Ende ist sie eine andere. Und damit wird dieser Unterhaltungsroman zum Entwicklungsroman. Und das immerhin recht unterhaltsam.

Sarah Kuttner: „180 Grad Meer“. Fischer-Verlag. 272 Seiten, 18,99 Euro. Am Donnerstag, 7. April, liest Sarah Kuttner um 20 Uhr im Pavillon am Raschplatz.