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Kultur überregional „Schwanensee“ für Streetdancer
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00:22 07.11.2015
Von Uwe Janssen
Baut auf den Flummi-Effekt: Starchoreograf Fredrik Rydman, hier mit den Tänzern Maria Andersson und Kevin Foo.
Baut auf den Flummi-Effekt: Starchoreograf Fredrik Rydman, hier mit den Tänzern Maria Andersson und Kevin Foo. Quelle: Christian Behrens
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Hannover

Bei den Russen war es was Besonderes. Die Deutschen gehen gut mit. Die Franzosen, ja, bisschen reserviert. Die Italiener sehr aufmerksam. Die Schweden, na ja, gehen nicht so aus sich raus, finden es aber toll. Aber die Russen, sagt der schwedische Starchoreograf Fredrik Rydman, die hätten seine Streetdance-Interpretation von Tschaikowskys „Schwanensee“ mit besonderer Schärfe beobachtet: „Es ist ihr Tschaikowsky, ihr ,Schwanensee‘, sie kennen alle Songs und alle Tänze. Sie waren von Anfang an kritisch, weil sie nicht wussten, was diese Leute aus dem Ausland mit ihrem Stück machen. Die russischen Journalisten haben gefragt und gefragt. Sie wollten wissen, ob ich alles verstanden habe.“

Rydman sitzt in einem türkischen Cafe am Steintor und spricht nicht nur mit dem Mund, sondern auch mit den Händen, dem Oberkörper und mit den wachen Augen, die unter dem Schirm einer schräg aufgesetzten Kappe hervorblitzen. Der Choreograf ist, nicht nur im Gespräch, ein neugieriger Mensch. Die Werbetour, die der 41-Jährige mit zwei Tänzern absolviert, nutzt er als willkommene Gelegenheit, um Kultur aufzusaugen. Morgen geht es weiter nach Düsseldorf, aber zuvor will er sich am Abend im hannoverschen Schauspielhaus von „Shockheaded Peter“ inspirieren lassen, einer „Junk-Oper“. Weil er Neues sehen, Dinge zusammenbringen und Zusammenhänge verstehen will. Das hat ihn auch bei „Swan Lake Reloaded“ gereizt. Oder schon vorher, als er mit seiner Stammtruppe, der schwedischen Bounce Streetdance Company, eine furiose Tanzfassung des Kinofilms „Einer flog über das Kuckucksnest“ auf die Beine stellte.

Natürlich hat er auch den Tschaikowsky verstanden. Musste er, um den Ballettklassiker auseinandernehmen, wieder neu zusammensetzen und ein bisschen auf den Kopf stellen zu können - tänzerisch, musikalisch, technisch. In seiner Geschichte treffen heroinabhängige Schwäne auf Drogendealer und Luden. „Menschen, die sich mit dem klassischen Stoff nicht so auskennen, verstehen die Geschichte besser, wenn sie in einem Kontext steht, zu dem sie eine Beziehung aufbauen können.“ Er wolle das Stück nicht zerstören, sondern mit modernen Mitteln erzählen. Mit modernen Tanzstilen, modernen Sounds, Breakbeats, Dubstep, Lautstärke, viel Tempo. Und mit einigen, für ihn typischen optischen Gimmicks. Beispielsweise mit virtuellen Kleintieren, die über echte Körper laufen.

Diese Lichtspielereien könnten dem einen oder anderen dabei bekannt vorkommen. Vor allem denen, die den Eurovision Song Contest in diesem Jahr verfolgt haben und die kleinen Strichmännchen, mit denen der schwedische Sieger Mans Zelmerlöw auf der Bühne zu tanzen schien. Vielen ist nicht der Siegersong „Heroes“ hängen geblieben, der ein bisschen zu sehr nach dem David-Guetta-Hit „Lovers on the Sun“ klang, sondern die niedlichen Wichte, die Fredrik Rydman dem schwedischen Popstar per Projektion an die Seite gestellt hatte. In Schweden gilt er für genau diese Technik als Spezialist - seit Mai mehr denn je.

Ja, das sei eine aufregende Zeit gewesen, weil er gespürt habe, dass „auch die Performance, die Show, einen Teil des Sieges ausgemacht hat“. Als Zelmerlöw zunächst den schwedischen Vorentscheid und dann den Europaentscheid in Wien gewonnen habe, war Rydmans Arbeit allerdings schon Monate erledigt. Wobei kurzfristig noch einmal Hektik aufkam, weil angeblich auch seine Strichfiguren zu sehr an andere angelehnt waren. „Rechtlich war der Vorwurf nicht haltbar. Aber ich habe den Männchen dann neue Hüte aufgesetzt. Und ihnen eine Hose angezogen.“ Dabei kann er sich ein Lachen nicht verkneifen. „War vielleicht auch gut so.“

Momentan liegt sein Augenmerk auf „Swan Lake Reloaded“. In Deutschland, wo „das Publikum sehr frei und enthusiastisch reagiert. Die Leute geben was zurück. Das wiederum stachelt die Tänzer an. Es ist wie ein Flummi.“

Auch von den kritischen Russen gab es schließlich Anerkennung. „Besonders die jungen Leute haben das Stück umarmt. Sie fanden es cool, so mit ihrem Tschaikowsky umzugehen.“

  • „Swan Lake Reloaded“ - sechs Vorstellungen vom 28. bis 31. Januar im Theater am Aegi. Dort gibt es am 27. Dezember den klassischen „Schwanensee“ mit dem Bolschoi Staatsballett Belarus. Karten an allen HAZ-Ticketshops.

Viel Hop-Hop in der Swiss-Life-Hall

Streetdance und Hip-Hop wird Ende dieses Monats im großen Stil in Hannover getanzt. Bei der „Deutschland Cup HipHop & Streetdance Show 2015“ am 28. und 29. November in der Swiss-
Life-Hall werden rund 1000 Tänzer erwartet. 300 kommen allein aus Hannover, genauer: von den Tanzschulen 
Bothe, die die Veranstaltung organisiert. Bereits am 22. November wird es im Tanzhaus Hannover eine Generalprobe der Veranstaltung geben.

Das Wochenende steht – neben allem Wettkampfehrgeiz der meist jungen Teilnehmer – unter einem besonderen Motto: „Tanzrausch statt Vollrausch“ ist eine Initiative des Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverbands (ADTV) gegen Drogenmissbrauch bei Jugendlichen. Schirmherrin des Treffens ist Marlene Mortler, die Drogenbeauftrage der Bundesregierung. uj

Weitere Infos und Teilnahmebedingungen unter hiphopcup2015.de.     

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