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Kultur überregional Auf dem Weg zu „130 Prozent Sprengel“
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19:05 21.11.2014
Von Daniel Alexander Schacht
Große Pläne, großer Saal: Sprengel-Chef Spieler mit dem Modell des „Placements“.
Große Pläne, großer Saal: Sprengel-Chef Spieler mit dem Modell des „Placements“. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Die spektakulärste Ausstellung ist zugleich die mit den meisten Fragezeichen. „Zehn Räume, drei Loggien und ein Saal“ heißt die Schau, die Reinhard Spieler, der Direktor des Sprengel Museums, selbst kuratiert. Vorerst bleibt es sowohl ein Geheimnis, was da zu sehen sein wird, wie auch, wann diese Ausstellung beginnt - weil der Start vom Abschluss der Arbeiten am Neubau abhängt. Ansonsten aber hat die Jahrespressekonferenz die Pläne des Museums- teams für 2015 recht klar konturiert: Es dürfte ein Jahr werden, in dem vor allem jene Ausstellungen hervorstechen, die nicht nur Objekte zeigen, sondern zugleich die besonderen Vorzüge dieses Hauses. Ein Jahr der Präsentation, der Selbstdarstellung und Selbstreflexion.

Das kann durchaus spannend sein. Denn vor allem mit den vier großen Ausstellungen des Jahres präsentiert das Haus zugleich seine vielfältigen Potenziale - bei der Fotografie, der Grafik und der sonstigen Sammlung sowie der Vernetzung mit Stiftern und Sammlern.

Spektakulär wird der Überblick über das Werk von Hannah Collins, die als Tochter eines aus Polen vor den Nazis geflohenen Juden 1956 in Schottland zur Welt kam. Sie wird bei der Eröffnung ihrer Ausstellung mit dem Spektrum-Fotografiepreis der Stiftung Niedersachsen geehrt, ein Festakt, bei dem man stets auch auf die Fotografietradition des Sprengel Museums verweist. Collins war für ihre Arbeiten in den USA und Lateinamerika, in Südafrika und nicht zuletzt in Polen unterwegs, wo sie unter anderem ein beeindruckendes Bild mit dem Titel „Road to Auschwitz“ (oben) fotografiert hat. „Ihre Fotografien sind oft von poetischer Schönheit, auch wenn sie soziale Tristesse festhalten“, sagt Fotokuratorin Inka Schube, die außerdem zwei kleinere Ausstellungen zu den Fotografen Viktor Kolar und Andrzej Steinbach kuratiert.

Welche Schätze in den Tiefen der Museumssammlung schlummern, zeigt im Juni eine Ausstellung zu Toulouse-Lautrec und der Plakatkunst um 1900. „Das sind Arbeiten, die wohl 1915 vom Plakatverein Hannover ans Kestner-Museum übergeben und in der Geschichte des Sprengel Museums noch nie gezeigt wurden“, sagt Grafik-Kuratorin Karin Orchard, die zudem Ausstellungen zur Grafik um 1900 sowie zu Papierarbeiten junger Grafiker kuratiert. Mit Exponaten quer durch die Sammlung zum Thema „Auszeit“ trägt auch die Volontärin Dörte Wilke zum Ausstellungsprogramm bei.

Indirekt gehört auch der genannte Plakatverein, der einst das Kestner-Museum bedacht hat, zu den Sammlern und Stiftern, die zum Reichtum des Sprengel Museums beigetragen haben. Den Schenkungen von Margit und Bernhard Sprengel und anderen Kunstsammlern sowie den fast zwei Dutzend Stiftungen, die das Museum unterstützen, ist die Ausstellung „Unsere Sammler, unsere Stifter“ gewidmet. „Ohne diese Unterstützung wäre eine lebendige Museumsarbeit kaum möglich“, sagt Kuratorin Gabriele Sand.

Der Starttermin dieser Ausstellung ist noch ebenso offen wie der der Ausstellung zum Museumsneubau. Darin will Spieler zehn zeitgenössischen Künstlern je einen Raum des Neubaus für je ein Exponat zur Verfügung stellen - womit nicht zuletzt die Räume selbst spektakulär ausgestellt werden. Dabei ist die großzügige Raumnutzung der bescheidene Vorläufer eines Vorhabens, für das der Museumschef wegen der noch ausstehenden richtigen Klimatisierung des Neubaus bis 2016 warten muss: eine Sammlungsschau von noch nie dagewesener Größe. Für deren Vorbereitung wird im November das ganze Haus - bis auf den bislang „Placement“ genannten Saal des Neubaus (Bild links) - geschlossen.

Mit Sammlungsschauen nach Umbauten hat Spieler schon Erfahrung. Im Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen hat er 2009 aus ähnlichem Anlass gleich die ganze Sammlung gezeigt. Der dortige Ausstellungstitel „Alles“ verbietet sich indes im Sprengel Museum, dessen Sammlung mehr als dreimal so groß wie die in Ludwigshafen ist - obwohl die Museumsfläche hier um rund ein Drittel auf gut 15.000 Quadratmeter wächst. Genau deshalb ist aber der Titel, den Spieler für die ganz große Sammlungsschau gewählt hat, recht treffend: „130 Prozent Sprengel“. Das Museum ist jetzt auf dem Weg dorthin.

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Martina Sulner 21.11.2014