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Kultur überregional Triumphmarsch für Verlierer
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16:17 18.11.2013
Von Stefan Arndt
Die Verdi-Gala in der Staatsoper erwies sich als musikalische Hängepartie. Quelle: dpa
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Hannover

Das neue Konzept hat gut funktioniert − bis zu den ersten Tönen. Bei der großen Verdi-Gala war die Staatsoper bis unters Dach gefüllt. Schließlich eröffnete der Abend die kleine, feine Reihe der „festlichen Opernabende“, die international renommierte Sänger für Gastauftritte nach Hannover bringt. Erstmals waren die nun nicht in einer Inszenierung aus dem Repertoire zu erleben, sondern in einem Konzertprogramm, das auch die populärsten Chöre und Ouvertüren des populären Komponisten beinhaltete. Am Ende aber wollte trotzdem keine Feststimmung aufkommen. Die Gala erwies sich als musikalische Hängepartie.

Das lag vor allem an den Gästen, deren Zeit an den großen Bühnen zwischen New York und Mailand unüberhörbare Spuren in ihren Stimmen hinterlassen hat. Vor allem Fabio Armiliato, der schon mehrfach bei den „festlichen Opernabenden“ in Hannover zu Gast war, verfügt nur noch über Restbestände seines Tenors: Die Tiefe ist dünn, die Mittellage flackernd, und die Höhe – wenn überhaupt noch vorhanden, zum Teil muss Armiliato markieren – klingt furchtbar gepresst. Seine Frau, die Sopranistin Daniela Dessì, singt immerhin noch diesseits der Schmerzgrenze, aber auch sie ist nicht mehr ganz treffsicher in der Höhe und nur noch begrenzt ausdruckstark.

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Ganz anders ist das bei den Sängern, die nicht als Star, sondern als festes Ensemblemitglied am Haus engagiert sind. Stefan Adam gelingt mit der Arie des Renato aus dem „Maskenball“ der unumstrittene vokale Höhepunkt des Abends. Der Jubel für den Bariton wirkt nach der Pause geradezu erleichtert – endlich gibt es richtige Musik zu hören. Denn plötzlich tönt auch das im Graben platzierte Staatsorchester, das die Gäste bis dahin etwas ratlos und mit manchmal pappigem Klang begleitet hat, frei und schwebend. Der „Maskenball“ ist anders als die Stücke aus den übrigen Opern des Abends seit Beginn der Spielzeit im regulären Repertoire der Oper: Man hört die Erfahrung, die die Musiker mit diesem Stück haben.

Ein durchwachsener Abend

Unter der Leitung von Karen Kamensek ist der musikalische Ertrag des Abends ansonsten durchwachsen. Die Ouvertüre zu „Die Macht des Schicksals“ startet mit verwackelten Akkorden und entfaltet auch danach nicht ganz die Wirkung, mit der dieses klingende Minidrama die folgende große Oper schon vorwegnimmt. Umso beeindruckender tönte dann eine wunderbar dichte und düstere „Nabucco“-Ouvertüre. Ein Genuss ist auch der Chor der Staatsoper, dem mit dem Gefangenenchor und dem Triumphmarsch zwei der größten Hits der Operngeschichte zugefallen sind.

Gerade der Triumphmarsch aus „Aida“ warf am Ende des Abends aber auch zusätzliche Fragen auf. Die monumentale Ausstattungstradition dieses Stückes habe oft zu Opernskandalen geführt, weil Regisseure sich der szenischen Opulenz verweigert hätten, erläuterte die kompetente Moderatorin Swantje Köhnecke. Dann aber irrte sie doch: „Heute entscheidet kein Regisseur, heute können Sie selbst entscheiden, welche Perspektive das Stück einnimmt: die der siegreichen Ägypter oder die der unterlegenen Äthiopier.“ Dann spielte das Staatsorchester das glanzvolle Stück in einer dürren Version ohne die langgezogenen, über die Bühne verteilten „Aida“-Trompeten, die das orchestrale Markenzeichen dieser Oper geworden sind. Kein Regisseur hätte hier mehr Effekt verhindern können. So wirkte die verkorkste Festgala endgültig wie eine tönende Sparmaßnahme. Kein Wunder, dass es keine Zugabe gab.

Beim nächsten „festlichen Opernabend“ am 5. April 2014 ist Tenor José Cura in einer Vorstellung des Opernzwillings „Cavalleria rusticana/Der Bajazzo“ zu erleben, Karten: (05 11) 99 99 11 11.

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