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Kultur überregional „Das Beste, was wir tun können“
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00:15 24.12.2014
Von Uwe Janssen
„Das ist ein komischer Moment für uns an einem solchen Tag auf die Bühne zu gehen": Oliver Perau (li.). Quelle: Christian Behrens
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Hannover

Oliver Perau stockte etwas die Stimme, aber er wollte etwas sagen zu Beginn des Terry-Hoax-Konzerts an diesem Freitagabend im Capitol, der kein normaler Freitagabend war. Es war das erste Konzert nach dem für alle völlig unerwarteten Tod von Hannover-Concerts-Chef Wolfgang Besemer, der am Donnerstag im Alter von 61 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben war. „Das ist ein komischer Moment für uns“. sagte Perau, „an einem solchen Tag auf die Bühne zu gehen. Aber vielleicht ist es das Beste, was wir tun können.“

Anschließend warf sich die hannoversche Band im gut gefüllten Capitol mit dem Song „Living in Pink“ in ein stimmungsvolles, intensives Rockkonzert, das bei den Fans der wiedervereinigten Band auch immer ein Nostalgieabend ist. Und ein Hannover-Abend, der auch Wolfgang Besemer gefallen hätte. Mit Perau als unermüdlichem Antreiber einer Band, die mit jedem Konzert mehr beweist, dass sie es mit ihrer Reunion vor einigen Jahren ernst gemeint hat. Die Songs der neuen Phase verschmelzen mit denen der Achtziger und Neunziger, in denen Terry Hoax nicht nur die hiesige Rockszene aufmischte - unter anderem dem gefeierten „Policy of Truth“, dieser treibenden Depeche-Mode-Coverversion, die immer schon mehr wie ein Hoax-Song klang.     

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Dass Perau auch anders kann, zeigte er am nächsten Tag. Mit der Lutz-Krajenski-Bigband trat er im vollbesetzten Pavillon am Raschplatz unter seinem Swing-Alter Ego Juliano Rossi auf und hatte Jeans und T-Shirt gegen Hemd und dunkle Hose getauscht. Auch dieser Abend war eine ziemlich hannoversche Angelegenheit, auf der Bühne und im Publikum. „Es gibt hier sogar Leute, die kommen aus - Gehrden!“, sagte Krajenski, der sich mit Perau im Sprücheklopfem duellierte - und dann wieder die Hammond-Sau rausließ. Seine Vorliebe für 70-Jahre-Funk ist bekannt, und seine achtköpfige Bläserttuppe kann bei Titelsongs von Cop-Serien wie „Starsky & Hutch“, oder „Die Profis“ richtig Gas geben.

Geschenke gab es auch. Zum Beispiel ein „O Du Fröhliche“ auf dem Kontrabass von Herve Jeanne oder ein wunderbares „Riders on the Storm“, das sich Perau von Krajenski gewünscht hatte. Das Publikum machte bei diesem Song auch mit - den Wind, der bei den Doors durch den Song weht.

Überhaupt ist das Publikum mit dabei, animiert durch die beiden Protagonisten. Da ist es Perau dann auch egal, in welchen Klamotten er steckt. Rampensau bleibt Rampensau. Sogar mit spektakulärem Körpereinsatz, als er, wohl die Höhe der Bühne unterschätzend, bei einem Sprung fast stürzte. „Hier müssten noch ein paar Zähne von mir liegen“, sagte er später, als er erneut an der Stelle vorbeikam.

Nicht vorbei kamen und wollten die Musiker auch an diesem Abend an einer Würdigung für Wolfgang Besemer. Als Veranstalter Gerd Kespohl zu Beginn seinen Respekt ausdrückte, applaudierte das Publikum lang und anhaltemd.     

Von Gerd Schild

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