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Kultur überregional George Takei gibt mit 78 Broadwaydebüt
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12:46 14.11.2015
Broadway-Debut auf alte Tage: George Takei (78, m.) in "Allegiance". Quelle: Matthew Murphy/Allegiancemusical/dpa
New York

Nach dem japanischen Überfall auf Pearl Harbor wurden mehr als 100.000 Amerikaner in Lager gesperrt. Ihr einziges Vergehen: Sie waren japanische Einwanderer oder stammten von ihnen ab. In den Augen der Regierung in Washington waren sie damit potenzielle Verräter und gehörten weggesperrt. Das Schicksal dieser Familien wurde oft thematisiert, im Kino, im Fernsehen, in Romanen und Sachbüchern – und jetzt auch in einem Musical. Star des neuen Stücks "Allegiance" ("Treuepflicht") ist George Takei, besser bekannt als "Mr. Sulu" aus "Raumschiff Enterprise". Er, bei seinem Broadwaydebüt 78, erzählt dabei auch einen Teil seines Lebens.

Takei wurde 1937 in Los Angeles geboren, der Vater war ein Einwanderer aus Japan. Als er fünf Jahre alt war, wurde seine Familie interniert. Die Lager hatten nichts mit den Konzentrationslagern zu tun, die zur selben Zeit in Deutschland und der Sowjetunion standen, aber die Lebensbedingungen waren trotzdem hart und die Insassen hatten kaum Chancen, sich zu wehren. Denn was man ihnen vorwarf, konnten sie nicht bestreiten: Sie waren japanischer Abstammung.

"Allegiance" versucht die Tragödie auch von der humorvollen Seite anzugehen, natürlich, in einem Musical voller Tanz und bunter Kostüme. Und nicht nur die Darsteller sind hochkarätig, allen voran Michael K. Lee in der Nebenrolle des Frankie und Katie Rose Clarke, die eine Krankenschwester so charmant und lebenslustig spielt, dass sie der heimliche Star ist.

Im Mittelpunkt stehen Kei Kamura (Lea Salonga), die ihren Bruder Sam (Telly Leung) nach dem Tod der Mutter aufgezogen hat, und ihr Vater Tatsuo (Christòpheren Nomura nutzt seinen wunderbaren Bariton für die Rolle). Kei und ihr Vater fühlen sich von ihrem Heimatland, den USA, schlecht behandelt. Ihr Stolz gebietet es, dass sie sich von dem Land, das sie einfach so in ein Lager gesperrt hat, abwenden. Sam hingegen will sich beweisen, will zeigen, dass er treu ist, dass die "Allegiance" zu seinem Geburtsland in ihm ist. Er meldet sich trotz all der Demütigungen durch die Army zur Army – zum Entsetzen von Vater und Schwester. Das Musical ist zugleich eine Geschichte über einen tiefen Familienkonflikt, der vor allem aus Missverständnissen besteht.

Unter Japanern gibt es nach wie vor auch das Missverständnis, nur Opfer des Krieges zu sein. Die furchtbaren Bombenangriffe auf japanische Städte werden ausführlich thematisiert. Aber die Massaker der japanischen Armee, die Heimtücke des Überfalls auf Pearl Harbor und die Lager mit Zehntausenden Toten in den besetzten Gebieten werden nicht erwähnt. Das ist auch in "Allegiance" nicht anders.

Natürlich, es ist ein Broadwaymusical, keine Dokumentation. Immerhin, "Allegiance" schafft es, ein altes Problem zu thematisieren: Soll man sich neuen Entwicklungen anpassen, oder ist das Verrat an der eigenen Identität? Soll man treu zu sich selbst stehen, oder ist man dann ein Ewiggestriger? Die Frage wurde nach dem Krieg sicher in Millionen deutschen Familien und nach der Wende auch in unzähligen ostdeutschen Familien diskutiert. Eine allgemeingültige Antwort finden auch Takei und "Allegiance" nicht. Aber das Stück regt bei allem Spaß zum Nachdenken an. Und das ist doch schon etwas für ein Musical.

Von Chris Melzer, dpa

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