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Kultur überregional „Die anderen machen einfach weiter“
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00:00 27.02.2015
Spielt den Christoph Flamm beim Gastauftritt der Recklinghäuser Ruhrfestspiele in Hannover: Wolfram Koch. Quelle: dpa/Archiv
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Hannover

Schon mit 13 hatten Sie Ihren ersten Filmauftritt: In der Böll-Verfilmung „Ansichten eines Clowns“ von Vojtch Jasný spielten Sie die Hauptfigur Hans im Kindesalter. Wie hat sich das ergeben?

Wolfram Koch: Theater gespielt habe ich bereits als Kind. In Bonn war ich dann im Theater der Jugend aktiv und bin im Alter zwischen elf und 17 eigentlich ständig nach der Schule sofort zu irgendwelchen Proben gegangen. Meine Leistungen in der Schule ließen natürlich nach, aber wir hatten viele der spannenden Stücke vom GRIPS-Theater auf dem Plan. Irgendwann saß der Regisseur Miloš Forman im Publikum und stellte die Kontakte her.

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Was war Ihr erstes großes Theatererlebnis als Zuschauer?

Ich war 13, und meine Mutter ging mit mir in die Bonner Oper, um die „Fledermaus“ zu sehen. Und so saß ich dann da mit einem riesigen Fernglas und verfolgte gespannt, was auf der Bühne passierte. Die Rolle des „Frosch“ hat mich auch schon irgendwie fasziniert, aber mehr noch war es die ganze Aufregung rund um den Besuch in der Oper und die Atmosphäre dort.

Ihr Gastspiel der „Rose Bernd“ von Gerhart Hauptmann hier in Hannover läuft unter der Regie von Frank Hoffmann, die Premiere war im Mai 2013 bei den Ruhrfestspielen. Als Chef des Théâtre National du Luxembourg und Intendant der Ruhrfestspiele Recklinghausen hat Hoffmann hier zusammen mit dem Saarländischen Staatstheater eine Koproduktion ins Leben gerufen. Ist das eine besondere Form der Zusammenarbeit?

Tatsächlich versuchen wir, uns einmal jährlich in Luxemburg zu treffen. Da sitzt dann eine kreative Gruppe, die zusammen überlegt, welche Stoffe spannend sind und was man zusammen auch an ungewöhnlicheren Stoffen oder Themen etwa von Tabori auf die Beine stellen kann.

Worauf liegt der Fokus der Inszenierung von „Rose Bernd“?

Im Zentrum steht eine Frau, die durch die Restriktionen des Ständesystems geradezu demontiert wird. Verschiedene Angehörige dieser Gesellschaft benutzen sie, dominieren sie und schmeißen sie dann im Prinzip einfach raus. Und während sie quasi zum Äußersten – zur Tötung ihres Kindes – getrieben wird, machen alle anderen einfach weiter.

Wie dicht bleiben Sie an Hauptmanns Originaltext und -sprache?

Inhaltlich sind wir sehr eng am Original. Allerdings nutzen wir nicht, wie viele andere Inszenierungen, die schlesische Mundart. Wir haben annähernd eine 1:1-Übersetzung. Durch die andersartige schlesische Grammatik und ihren Satzbau klingt es dann gelegentlich ein bisschen wie eine Kunstsprache.

Die Umsetzung klassischer Stoffe mit aktuellen Bezügen wird gern genutzt und viel diskutiert. Hat dieser Aspekt für Sie einen besonderen Stellenwert?

Das ist ein weites und komplexes Feld. Selbst bei den Griechen findet man immer wieder moderne Mittel. Und ein Stück wie „Rose Bernd“ wird einfach von der Realität eingeholt, wenn man die Zeitung aufschlägt und eine Mutter gerade wieder ein Kind getötet und irgendwo im Blumenkasten vergraben hat – so entsetzlich einfach und brutal stellt es sich dann manchmal dar. Andererseits habe ich viel unter Dimiter Gotscheff gespielt, 2008 waren wir in Hannover mit Aischylos‘ „Die Perser“ zu Gast. In dieser Inszenierung ist die geradezu monolithische Abarbeitung an den Gesängen und dem Text so besonders und einzigartig, da bleibt es sehr klassisch und man hängt dann auch keine amerikanische Flagge auf die Bühne.

Neben ihren Theater-Engagements sind Sie oft in Kino- und Fernsehrollen zu sehen, dort vor allem in Krimis, oft auch in „Tatort“-Rollen ...

Tatsächlich habe ich in den vergangenen Jahren viele Halbkriminelle gespielt, aber das entwickelt sich eher zufällig. Insofern war ich sowohl als Maurer, als Killer oder aber auch schon als Gynäkologe zu sehen.

Mittlerweile haben Sie quasi den Ritterschlag des deutschen Krimi-Fernsehens erhalten – Sie folgen Joachim Król im Mai erstmals als Frankfurter „Tatort“-Kommissar. Werden Sie auch so ein provokanter Eigenbrötler?

Wir haben sehr viel Mitspracherecht bei dieser Produktion, insofern wird es eine schrittweise Weiterentwicklung des Duos Paul Brix und Selma Jacobi geben. Da ich beispielsweise in Paris geboren und aufgewachsen bin, ist der neue Kommissar Halb-Franzose. Grundlage ist zudem eine Sympathie zwischen den beiden – Selma Jacobi ist Psychologin, man versteht sich. Neben den Charakteren muss natürlich der Fall spannend sein, Regisseur und Buch sind also mindestens ebenso wichtig.

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