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Kultur überregional Zwischen „TV total“ und „DSDS“
Nachrichten Kultur Kultur überregional Zwischen „TV total“ und „DSDS“
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00:00 31.10.2014
Der Showmaster (Faris Schulz) - von allen bewundert.
Der Showmaster (Faris Schulz) - von allen bewundert. Quelle: Thomas M. Jauk
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Hannover

Schaut ihr euch eigentlich selbst solche Sendungen an wie die, um die es in der „Hoffmann Show“ geht?

Elisabeth: Als ich 13 war, habe ich mir manchmal solche Shows angesehen. Jetzt nicht mehr. Franka: Jetzt macht man sich eher drüber lustig und wundert sich, wie niveaulos das ist.

Ron: Wegen solcher Sendungen habe ich keinen Fernseher mehr.

Aber wie kommt es dann, dass es dafür offenbar immer noch ein großes Publikum gibt?

Elisabeth: Vielleicht fühlt man sich ja unbewusst besser, wenn man sieht, wie andere vor aller Öffentlichkeit bloßgestellt werden und sich blamieren.

Ron: Das ist ein Drama, was da mit manchen Kandidaten passiert. Wenn einem das Drama im eigenen Leben fehlt, sucht man es eben woanders. Diese Suche nach dem Superstar spricht ja auch eigene Träume an. Man will vielleicht selber gern berühmt werden. Aber da das nicht in Reichweite ist, fiebert man wenigstens bei dem Traum der anderen mit.

Franka: Man kann auch darüber gemeinsam lachen, was da mit den Leuten passiert. Als ich kleiner war, habe ich mir mit Freunden die Shows angesehen, und wir haben uns sehr amüsiert. Heute finde ich es nur noch peinlich.

Was wollt ihr mit der „Hoffmann Show“ erzählen?

Daria: Ich glaube, es ist gut, wenn sich Kritik mit Humor verbindet. Das Publikum erkennt die Vorbilder einer solchen Show und kann darüber lachen. Und dann kommt natürlich die Frage auf, warum man eigentlich darüber lacht; dann fängt man an nachzudenken.

Surra: Nach einer Probe haben wir uns überlegt, dass wir eine solche Show nie wieder unkritisch anschauen können, weil wir vor Augen haben, wie schlimm so etwas eigentlich ist. Es bringt einen schon zum Nachdenken, wenn man es selber spielt.

Elisabeth: Irgendwann tun auch die Wangen weh vom ewigen Lächeln, und die im Fernsehen lächeln noch viel länger, und man denkt sich nur, wie falsch das alles ist.

Inwiefern ist das Spiel auf der Bühne denn echter? Und träumt ihr nicht auch manchmal davon, berühmt zu werden, wenn ihr auf der Bühne steht?

Daria: Es kommt immer auf die Intention an. Wenn wir so eine Show einfach eins zu eins darstellen würden, dann würde ich da nicht mitmachen. Aber wir zeigen ja, was unter der Oberfläche einer solchen Show abläuft, und da sage ich: Okay, das ist der Ansatz, den ich vertreten kann. Dabei denke ich nicht: Ich möchte berühmt werden, deshalb spiele ich Theater. Sondern: Ich spiele Theater, und wenn mehr draus wird, umso besser.

Elisabeth: Die Leute wollen auch berühmt sein, um glücklich zu sein, weil sie denken, dass das, was sie durch die Medien vermittelt bekommen, ein gutes Leben ist. Surra: Es gibt ja auch Berühmtheit um jeden Preis. Es gibt nicht nur die positive Seite, dass man geliebt und bewundert wird.

Manche Stars erlangen Aufmerksamkeit, weil sie Drogen nehmen, sich kaputt machen und die ganze Zeit nur Scheiße bauen.

Elisabeth: Das ist dann so, als hätten sie keinen Einfluss mehr auf ihr Leben, als hätten sie keine Kontrolle mehr über sich. Deswegen brauchen sie Drogen oder andere Dinge, damit sie sich selbst wieder unter Kontrolle fühlen.

Wie erlebt ihr die Probenarbeit an der Staatsoper?

Daria: Ich finde es total spannend. Ich darf ja sogar ein Lied singen, das ich selber geschrieben habe. Viele haben mir immer gesagt, ich soll doch zu „DSDS“ gehen, und jetzt arbeite ich an etwas mit, was „DSDS“ gerade entlarvt.

Elisabeth: Ich liebe das Konzept der „Hoffmann Show“, weil es genau die Klischees offenlegt. Außerdem macht es einfach Spaß, so etwas auf die Beine zu stellen. Ich komme auch sehr gut klar mit den Ideen des Regisseurs. Und es gefällt mir, dass man sich auch selbst einbringen kann.

Ron: Ich bin sehr gespannt, wie die Geschichte des Stücks ausgehen wird. Wir sind ja noch in der Phase der Entwicklung. Und da frage ich mich: Wird es ein Happy End geben? Oder kippt das Ganze ins Chaos um?

Elisabeth: Ein Happy End würde ja schon die Lösung aller Probleme liefern. Ich glaube, das wäre zu einfach.

Daria: Am besten fände ich es, wenn es im totalen Chaos enden würde, und dann – cut – fängt es wieder von vorn an, sodass man das Gefühl hätte: Oh Gott, da kommen wir nie mehr raus. Das wäre für mich sehr nah an der Realität.

Elisabeth: Ich würde sagen, wir spielen es einfach so, wie wir es wollen. Interview: Klaus Angermann

Musikalische Leitung: Anja Bihlmaier, Inszenierung: Sebastian Welker, Bühne und Kostüme: Rebekka Zimlich, Video: Max Friedrich, Daniel Wolff, Dramaturgie: Klaus Angermann, Christopher Baumann, Musiktheaterpädagogik: Jonas Egloff, Tamara Schmidt, Mit: Eunhye Choi, Nicolas ?Kröger/Francisca Prudencio, Stella Motina, Marie-Sande Papenmeyer, Gevorg Hakobjan, Byung Kweon Jun, Jeong Min Nam, Faris Schulz und jugendlichen Darstellern und Musikern aus Hannover. Niedersächsisches Staatsorchester Hannover

Die Hoffmann Show Jugendproduktion frei nach „Hoffmanns Erzählungen“ von Jacques Offenbach, musikalische Bearbeitungen von Stefan Wurz, Uraufführung 16. November, 19.30 Uhr, Ballhof Eins

31.10.2014
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