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Kultur Kunstmarkt: Auf die Krise folgt der Boom
Nachrichten Kultur Kunstmarkt: Auf die Krise folgt der Boom
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17:02 18.10.2018
Die Arbeit „Strike“ von Claire Fontaine ist derzeit in der Ausstellung „Konstruktion der Welt: Kunst und Ökonomie“ in Mannheim zu sehen. Quelle: Marc Domage
Hannover

Männer in schicken Anzügen. Frauen in edlen Kostümen. Mitarbeiter, die gerade eben noch über das Schicksal des Geldes entschieden haben, treten durch die Tür. Die Jacketts haben sie ausgezogen, die Hemdsärmel hochgekrempelt. Die Form muss nicht mehr gewahrt werden. Sie tragen Umzugskartons vor der Brust und haben gerade ihre Jobs verloren. Diese Bilder gingen am 15. September 2008 um die Welt, als die Bank Lehman Brothers Insolvenz anmeldete.

Am selben Tag, ein paar Stunden nach der Nachricht: In London sammeln sich ebenfalls Männer in edlen Anzügen und Frauen in schicken Kostümen. Das Auktionshaus Sotheby’s hat eingeladen. Es verkauft 218 brandneue Werke des britischen Starkünstlers Damien Hirst bei der Auktion „Beautiful Inside My Head Forever“. Am Ende der zweitätigen Auktion, die Finanzwelt geriet gerade erst ins Rutschen, werden die Kunden 126 Millionen Euro ausgegeben haben – für Kunst. Einige im Auktionsaal hoffen vielleicht, dass der Kauf eine gute Investition ist – Kunst gilt noch als krisensicheres Investment.

Der „Erlöser der Welt“ ist mit 450 Million Dollar, also 390 Million Euro, auch das teuerste Gemälde der Welt. Das wiederentdeckte Bild „Salvator Mundi“ von Leonardo da Vinci wurde 2017 für diesen Rekordpreis versteigert.

Finanzkrise: Auktionskataloge für Kunstmarkt wurden schmaler

Im Zuge der Finanzkrise müssen die USA und die EU 800 Milliarden Euro aufwenden, um die Kernschmelze des gesamten Finanzsystems zu verhindern. Die Finanzkrise war ein Schock, die AfD gründete sich 2013 als Reaktion auf Merkels Kompromisse mit der Euro-Zone. Künstler reagieren, wie zurzeit in der Ausstellung „Konstruktion der Welt: Kunst und Ökonomie“ in der Kunsthalle Mannheim zu sehen ist, mit Konsum- und Machtkritik auf die Finanzkrise. So hat sich der Amerikaner Zefrey Throwell 2011 auf der Wall Street in New York mit seinen Statisten ausgezogen, um gegen den Finanzmarkt zu protestieren. Eine Installation, die aus der Performance entwickelt wurde, ist in Mannheim zu sehen. Dort ist auch das französische Kollektiv Bureau d’Études vertreten, das in künstlerischen Infografiken die globale Verflechtung von Macht und Kapital veranschaulicht.

Für Zefrey Throwells Performance “Ocularpation: Wall Street” haben sich 50 Menschen 2011 plötzlich an der Wall Street in New York ausgezogen, zuvor waren einige von Ihnen wie Mitarbeiter der Börse gekleidet. Foto: Mike Kingsbaker/Zefrey Throwell Quelle: Mike Kingsbaker/Zefrey Throwell

Doch wie hat der Kunstmarkt reagiert? Nach Hirsts Auktions-Spektakel sind die Auktionskataloge erst einmal schmaler geworden. Davon zeugen die Schlagzeilen aus dieser Zeit: Finanzkrise – zeitgenössischer Kunstmarkt betroffen“ lautet ein Titel des britischen „Telegraph“ aus dem späten Oktober 2008.

Krise auf Kunstmarkt: Nicht das Geld, sondern Waren fehlten

Es war nicht das Geld, das fehlte, um Kunst zu kaufen, sondern die Ware, glaubt Bastienne Leuthe, Expertin für zeitgenössische Kunst beim Auktionshaus Sotheby’s. Im Interview sagt sie: „Auch in dem Krisenjahr waren Kunden im Markt, die noch über sehr viel Geld verfügten und sich für Qualität und Marktfrische interessierten. Doch viele Sammler wollten nicht verkaufen und lieber warten, bis Märkte und Preise sich stabilisiert haben.“

Nach 2009 habe sich der Kunstmarkt durch die wirtschaftliche Konjunktur relativ schnell wieder erholt. Die Realwirtschaft hatte im Vergleich allerdings viel länger an der Finanzkrise zu knabbern: Erst in diesem August ist das Hilfsprogramm der EU für Griechenland ausgelaufen. Leuthe liefert einen Erklärungsversuch: „Der Kunstmarkt ist ein sehr emotionaler Markt. Wir verkaufen hier keine Aktien. Mit dem Kauf oder Verkauf eines Kunstwerks sind Emotionen verbunden. Dadurch reagiert er auch sensibler als andere“, so Leuthe.

Nach der Krise ist noch mehr Geld da

Heute sei der Kunstmarkt sehr viel stabiler als vor zehn Jahren. „Er ist viel globaler aufgestellt, und vor allem ist auch sehr viel mehr Geld im Markt. Gerade die Nachfrage aus Asien, den Emiraten und auch den Vereinigten Staaten ist hoch“, sagt Leuthe. So ging es nach 2009 steil weiter bergauf. Die erzielten Preise bei den Auktionshäusern seien teilweise sogar noch höher als vor der Krise. Beispielsweise wechselte das wiederentdeckte Werk von Leonardo da VinciSalvator Mundi“ 2017 beim Auktionshaus Christie’s für üppige 390 Millionen Euro den Besitzer – der Zuschlag ging nach Abu Dhabi, das Gemälde ist damit das derzeit teuerste der Welt. Auch andere Vertreter in den Top 5 der teuersten Bilder der Welt haben sich diesen Titel erst nach 2008 verdient.

Hat der Kunstmarkt also letztendlich von der Finanzkrise profitiert? Leuthe sagt: „Nein, das glaube ich nicht. Er hat von neuen Käufern profitiert, von einem breiteren Publikum, von der Finanzkrise selbst aber nicht.“ Für die Kunden allerdings, die bei Damien Hirsts spektakulärer Auktion 2008 zugeschlagen haben, ging die Rechnung nicht auf. Die zehn teuersten Kunstwerke, die am 15. September während des Auftakts der Finanzkrise verkauft wurden, sind bis heute im Wert gesunken, wie die Kunstdatenbank Artnet jüngst herausfand. Der Kunstkauf ist eben kein krisensicheres Geschäft.

Von Geraldine Oetken / RND

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