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Kultur Nach dem Attentat auf „Charlie Hebdo“ – eine literarische Rekonstruktion
Nachrichten Kultur Nach dem Attentat auf „Charlie Hebdo“ – eine literarische Rekonstruktion
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17:30 19.03.2019
Philippe Lancon konnte das Attentat auf die Redaktion von“ Charlie Hebdo“ überleben, weil er für tot gehalten wurde. Jetzt hat er ein Buch über sein Leben nach dem Anschlag geschrieben. Quelle: Catherine Helie Editions Gallimard
Paris

Der Titel passt nicht so recht. „Der Fetzen“ heißt die deutsche Ausgabe von Philippe Lançons Buch „Le lambeau“. „Der Lappen“ wäre treffender gewesen, denn eine Art Lappen ist das, was die Chirurgen dort befestigen, wo zuvor das Kinn des Journalisten war. „Der Lappen“ als Titel würde aber auch nicht funktionieren, denn bei „Lappen“ schwingt im Deutschen immer Feigheit mit. Aber feige ist Lançon nicht. Vielleicht passt „Der Fetzen“ doch, immerhin geht es auch um zerfetzte Körper und um ein zerfetztes Leben.

Am Morgen des 7. Januar 2015 hat sich Philippe Lançon entschieden, nicht gleich zur Redaktion von „Libération“ zu fahren, sondern zuvor noch einen Abstecher bei der Redaktionskonferenz von „Charlie Hebdo“ zu unternehmen. Das sollte sein Leben verändern. Er saß in der Redaktionskonferenz, als die islamistischen Attentäter „Allahu Akbar“ rufend die Räume stürmten und gezielt die Mitarbeiter des Satiremagazins hinrichteten. Philippe Lançon überlebte, weil ihn die Angreifer für tot hielten. Sie hatten ihn in den Mund geschossen, sein Kinn war zerfetzt, er lag in einer Blutlache.

„Der Fetzen“ ist ein Text über die Bedingungen unserer Existenz

In „Der Fetzen“ beschreibt Lançon das Attentat, ruhig, aber detailliert. Und er beschreibt, wie ihm die Ärzte ein neues Gesicht gegeben haben. Mit Knochenmaterial aus dem Bein wurde der Kiefer wieder aufgebaut. Etwa 20 Operationen hat er über sich ergehen lassen, große Sorge bereitet ihm das Loch in seinem Kiefer, das nur schwer zu verschließen war.

Obgleich die Verletzung und die Rekonstruktion des Gesichts im Mittelpunkt steht, ist „Der Fetzen“ keine Krankengeschichte, es ist vielmehr eine Geschichte über die Bedingungen unserer Existenz. Es ist eine große Geschichte von den Sprüngen, Rissen und jähen Erschütterungen im Leben und von Freundschaft und Kunst und Hoffnung.

Von Ronald Meyer-Arlt

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