Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Kultur Ai Weiwei vertritt Deutschland bei der Biennale
Nachrichten Kultur Ai Weiwei vertritt Deutschland bei der Biennale
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:42 19.09.2012
Von Johanna Di Blasi
Der chinesische Künstler und Bürgerrechtler Ai WeiWei wird 2013 Deutschland auf der Biennale vertreten. Quelle: dpa
Anzeige
Frankfurt am Main

Das gemischte Quartett - neben dem chinesischen Künstler Ai Weiwei gehören dazu Romuald Karmakar, Santu Mofokeng und Dayanita Singh - stehen in der Biennale für Deutschland. Das erläuterte die Kuratorin des Deutschen Pavillons, Susanne Gaensheimer.

Noch größer wäre die Überraschung, wenn Ai Weiwei bei der kommenden Venedig-Biennale China vertreten würde. Aber auch dass der chinesische Künstler und Bürgerrechtler Deutschland vertritt, verblüfft. Immerhin befindet sich der Künstler nach wie vor unter Hausarrest. Dass es an der Lagune zur Not aber auch ohne anwesenden Künstler geht, zeigte die Kuratorin des Deutschen Pavillons, Susanne Gaensheimer, bereits bei der vergangenen Biennale: Der Pavillon war 2011 dem kurz zuvor verstorbenen Aktionskünstler Christoph Schlingensief gewidmet. Schlingensief erhielt posthum den Goldenen Löwen.

Anzeige

Deutschland soll auf der 55. Biennale nicht als hermetische nationale Einheit, sondern als aktiver Teil eines komplexen, weltweiten Netzwerkes repräsentiert werden“, erklärte Gaensheimer, die zum zweiten Mal für den Deutschen Pavillon zuständige Leiterin des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt, gestern. Deswegen sei ihre Wahl auf das gemischte Quartett Ai Weiwei, Romuald Karmakar, Santu Mofokeng und Dayanita Singh gefallen. Alle vier würden sich in ihrem Werk auf „kritische Weise“ mit ihrem jeweiligen kulturellen und politischen Umfeld und mit den radikal veränderten Bedingungen in einer global vernetzten Welt auseinandersetzen. Lediglich der französischstämmige Filmregisseur Karmakar („Der Totmacher“) hat seinen Wohnsitz in Deutschland.

Im Interview mit der HAZ erklärte Gaensheimer gestern, mit Karmakar sei sie bereits in Venedig gewesen, um die Präsentation zu planen. Ai Weiwei habe sie in Peking besucht. Sie habe den Künstler, der 2011 fast drei Monate lang inhaftiert war, in „wunderbarer Verfassung“ vorgefunden. „Ich war mehrere Tage mit ihm in seinem Atelier. Ob er reisen darf, ob er einen Pass bekommt, weiß momentan noch niemand. Er entwickelt seine Arbeit so, dass sie zur Not auch von anderen aufgebaut werden kann.“

Das verbindende Moment zwischen den vier Künstlern, die allesamt Bezüge zu Deutschland hätten, sei ihr politisches Engagement. „Karmakar ist in seinen Filmen sogar expliziter politisch als Ai Weiwei, der sehr verschlüsselte Arbeiten schafft“, sagt Gaensheimer. Der Südafrikaner Santu Mofokeng habe als einer der ersten schwarzen Künstler den Alltag in südafrikanischen Townships porträtiert, also nicht aus weißer Perspektive. Die Gesellschaftspanoramen der Inderin Dayanita Singh zeichne „große Poesie“ und ein „sehr subjektiver Blick“ aus. Subjektives spielte auch bei Gaensheimers Auswahl eine Rolle: „Selbstverständlich war für mich ein Kriterium, dass ich diese vier Künstler einfach außerordentlich schätze.“

Die Biennale-Vorbereitungen seien in vollem Gange. Man habe bis zur Eröffnung im Juni 2013 allerdings Stillschweigen über die Werke verabredet. So viel aber verrät Gaensheimer: Es werde „kein trockener hardcore-politischer Pavillon“ werden, und es werde keinen direkten Bezug zu Deutschland geben, dafür aber möglicherweise eine Zusammenarbeit mit dem benachbarten französischen Pavillon. Dass Kuratoren auf der Biennale das Nationenprinzip durchkreuzen, ist nicht neu. Mit Liam Gillick vertrat 2009 ein Brite Deutschland in Venedig.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.