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18:59 07.05.2012
Textilobjekte, verfremdet: Arbeiten von Julia Arztmann. Kubus
Textilobjekte, verfremdet: Arbeiten von Julia Arztmann. Quelle: Kubus
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Hannover

Kennengelernt haben sich die vier jungen Künstlerinnen beim Studium in Münster. Dabei stellten sie fest, dass sie sich im rauen Kunstbetrieb gemeinsam oft erfolgreicher durchsetzen können als allein. So haben sie sich als Gruppe bereits Ausstellungen in Münster, Göttingen und jetzt in Hannover erkämpft.

Im Treppenaufgang der Städtischen Galerie Kubus begrüßen die vier Frauen den Besucher von einem überlebensgroßen Foto herab wie die Mitglieder einer Girlgroup. Den Zusammenhalt der Künstlerinnen betont auch die Karte mit der Einladung zu ihrer hannoverschen Schau. Darauf sind ihre Vornamen als Wortkette geschrieben: JuliaEvelynSatomiLaura. Dahinter stehen Julia Arztmann, Evelyn Ebert, Satomi Edo und Laura Schimmel, und ihre Allianz ist zugleich das Thema der Ausstellung.

Im Präsentationsraum des Kubus verbinden sie ihre Werke zu einer großen Collage. In ihr will das Ensemble im Grunde mehr sein als das einzelne Werk. Die Anatomie der Ausstellung bildet ein einfaches Holzregal von Ikea, das die Künstlerinnen als Bühne für ihre Exponate benutzen und zugleich als plastisches Material, das sie in immer neuen Variationen zusammensetzen.

Als Motiv stammt es aus dem Werk der gebürtigen Japanerin Satomi Edo, die sich für unterschiedliche Wohnformen interessiert. Dabei spielt das Nomadische für sie eine große Rolle: schnell umziehen, abbauen, neu aufbauen, flexibel sein, sich veränderten Umständen anpassen, eher global als regional denken. Zeltkonstruktionen und fragile und ephemere Gehäuse aus Pappe und Karton legen Zeugnis davon ab.

Doch auch in dieser wie eine moderne Wunderkammer organisierten Schau lassen sich die unterschiedlichen Handschriften der jungen Münsteraner Künstlerinnen identifizieren. Laura Schimmel vernäht Kunstleder zu eindrucksvollen Krakenarmen, die sich in unheimlicher Weise aus rostigen Abwasserrohren winden - mitten hinein in die gute Ausstellungsstube und zugleich in unser Bewusstsein. Dort wecken die sich windenden Tentakel mühsam zurückgedrängte Urängste.

Stärker verfremdet, indes nicht weniger irritierend sind die Textilobjekte von Julia Arztmann. Ihr farbenfroher Auftritt hat auf den ersten Blick die Anmutung harmlosen Kinderspielzeugs, aber die surreal abstrakten Formen, die sie ihnen gegeben hat, sind oft ebenso anziehend wie abstoßend und am Ende auch nicht wenig beunruhigend.

Hervorragend in der Neucodierung von Alltagsgegenständen wie von Modulen des Minimalismus ist Evelyn Ebert. Eine Armada von schlichten weißen Ikea-Tischen, ausgerüstet an der Breitseite mit Büroleuchten aus demselben Einrichtungshaus, verwandelt sie zu einer Versammlung von „Bürohengsten“ (2005). Die Ironie der Installation ist ein Leitmotiv der Schau, die sich gelingend auf Dadaismus, Pop-Art und Feminismus einlässt.

Kunst und Leben verstehen die jungen Künstlerinnen nicht als voneinander getrennte Bereiche. Von ihrer Überzeugung profitiert auch der Besucher ihrer Ausstellung: Ihm stellen sie rollende Matratzen zur Verfügung, auf denen er wahlweise zu seiner Erholung ein kleines Nickerchen machen oder ihre Werke aus ungewohnter Perspektive begutachten kann.

Bis zum 10. Juni in der Städtischen Galerie Kubus in Hannover, Theodor-Lessing-Platz 2.

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