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Kultur Art-Cologne-Direktor Daniel Hug im Interview
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19:24 16.04.2012
Von Johanna Di Blasi
Art-Cologne-Direktor Daniel Hug
Art-Cologne-Direktor Daniel Hug Quelle: dpa
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Köln

Bis zum Finanzcrash redeten auch in der Kunstwelt alle nur noch von Preisen, und in den Bücherregalen sammelten sich Ratgeber über Kunst als Kapitalanlage. Inzwischen sind einem diese Bücher eher peinlich. Geht es Ihnen auch so?

Nicht unbedingt, Kunst kann ja ein großartiges Investment sein, vor allem, wenn es um Moderne Kunst, Nachkriegskunst und zeitgenössische „Blue Chip“-Künstler, also Spitzenkünstler, geht, die in Museen und Institutionen gut vertreten sind. Darüber muss man informiert sein.

Der Kunstmarkt boomte bis vor ein paar Jahren. Ausgerechnet die große, traditionsreiche Kunstmesse Art Cologne aber konnte davon nicht profitieren. Sie schien tot zu sein oder wurde zumindest totgesagt. Seit Sie vor vier Jahren die Geschäfte übernahmen, hat sich die Messe aber erstaunlich gut regeneriert. Was ist Ihr Geheimrezept?

Wir haben stark an der Qualität der Aussteller gearbeitet, die Messe auch gestrafft und fokussiert - und wir haben die Bedürfnisse des internationalen Marktes mit den Bedürfnissen des deutschen Marktes noch stärker zusammengebracht.

Nun träumen Sie sogar davon, die Kölner Messe unter den internationalen Kunstmessen zur Nummer eins zu machen. Steckt dahinter mehr als flotte Rhetorik im Vorfeld der morgigen Art-Cologne-Eröffnung?

Warum sollte das nicht wieder möglich sein? Die Art Cologne war in den achtziger Jahren die führende Messe für zeitgenössische Kunst. Jeder Sammler, der damals aktiv war, wird das bestätigen können.

Nummer eins ist seit vielen Jahren unangefochten die Art Basel im Kapitalanlegerparadies Schweiz. Wie wollen Sie dieser Messe Konkurrenz machen?

Es geht gar nicht so sehr um Konkurrenz, vielmehr um Eigenprofil. Und das hat sich die Art Cologne in den vergangenen Jahren sehr gut erarbeitet. Schließlich ändert sich der Kunstmarkt permanent, es wird immer schwieriger für eine Kunstmesse, den globalen Markt abzubilden.

Wie hat sich die Kunstmarktkrise der zurückliegenden Jahre - es mussten ja eine Reihe von Galerien schließen - auf die Art Cologne ausgewirkt?

In Deutschland gab es immer eine große Anzahl von Sammlern, die ernsthaftes Interesse an guter Kunst hatten, völlig unabhängig von der Marktsituation oder den Trends. Daran hat sich nichts geändert.

Im Rheinland gibt es ein angestammtes Sammlerpublikum. Amerikanische Händler bekommen glänzende Augen, wenn es um rheinische Sammler geht. Wie stark werden US-Galerien auf der kommenden Art Cologne vertreten sein?

Auf der Art Cologne haben wir zwölf Galerien aus den USA, dazu kommen noch einmal zwölf amerikanische Galerien, die bei der NADA Cologne ausstellen. Insgesamt werden sich allerdings 32 Galerien unter dem Dach der New Art Dealers Alliance präsentieren, nicht nur US-Galerien.

Berlin wird als Kunstmetropole täglich stärker. Hätten Sie Lust, dort eine große internationale Kunstmesse zu machen?

Nein, das würde ich nie wagen. Meiner Ansicht nach braucht Berlin keine Kunstmesse. Da ist das „Gallery Weekend“ viel interessanter. In Berlin will ich immer in die Stadt gehen und Galerien besuchen.

Ihr Großvater war der Avantgardekünstler László Moholy-Nagy. Spielte das eine Rolle, als Sie sich für den Kunstbereich als Arbeitsfeld entschieden haben?

Klar, ich bin in der Kunstwelt aufgewachsen.

Gibt es Kunstwerke, die Sie in letzter Zeit begeistert oder berührt haben?

Ja, die Videoinstallation „Babylon“ von Cyprien Gaillard im Hamburger Bahnhof im vergangenen Jahr. Dann eine Ausstellung von Barbara Hammer in der Galerie Koch Oberhuber Wolff in Berlin. Und alles von Heimo Zobernig.

Die Fragen stellte Johanna Di Blasi

18.04.2012
Stefan Arndt 15.04.2012