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Kultur Buck verfilmt Kehlmanns „Vermessung der Welt“
Nachrichten Kultur Buck verfilmt Kehlmanns „Vermessung der Welt“
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02:30 26.10.2012
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Berlin

Herr Buck, wann war Ihnen klar, dass Sie Daniel Kehlmanns Buch verfilmen wollen?

Als ich das Buch zur Hand nahm, habe ich schon auf der ersten Seite gestaunt: Junge, das ist doch mal ein anderer, unkonventioneller Zugriff auf die Historie! Das hat mich gepackt. Der Rowohlt-Verlag meinte schließlich: Ja, dann mach das mal! Aber dann wuchs die Angst, wuchs der Respekt.

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Haben Sie das Kehlmann gesagt?

Nein, ich kannte ihn bis dahin nicht. Wir hatten dann unsere erste Krise, weil er eine frühe Drehbuchfassung doof fand. Dann gab es Finanzierungsschwierigkeiten, weil das Ganze ja doch eine unkonventionelle Sache ist. Zwischendurch konnten wir Kehlmann überzeugen, das Drehbuch selbst zu schreiben.

Wollte er denn nicht?

Es hat genau fünf Abende gebraucht. Seine Frau und er essen sehr gern, und so haben wir beim Abendessen philosophiert und über alles gesprochen. Dann fand er das gerade aktuelle Drehbuch auch nicht mehr so gut. Und wollte es schließlich selber besser machen. Was schön ist: Kehlmann ist filmaffin.

Sie haben in den gut 20 Jahren Ihrer Karriere als Filmemacher ja immer mal wieder ungewöhnliche Sachen ausprobiert, zum Beispiel ein Drama wie „Knallhart“ mit Jenny Elvers besetzt. Warum machen Sie es sich so schwer?

Ich habe neulich irgendwo gelesen, dass sich der deutsche Film wenig traut. Dieses Urteil wollen wir hiermit widerlegen.

Der Roman von Daniel Kehlmann galt als unverfilmbar. Wie sind Sie mit diesem abschreckenden Etikett umgegangen?

Na ja, in diesem Fall bietet sich nicht gerade die typische filmdramaturgische Form an. Ich meine, eine Biografie ist ja schon schwierig genug. Aber gleich zwei? Doppelt schwer! Dann gibt es noch philosophische Beimengungen. Ich glaube, deswegen würde ich gern in den Film gehen. Hinterher weiß ich mehr als vorher. Was man ja nicht bei allen Filmen sagen kann.

Klingt nach Bildungsauftrag.

Nein, um Gottes willen. Bloß nicht! Das darf eben nicht naseweis daherkommen. Das, was wir erzählen, geschieht auf lustvolle Art und Weise. Das muss alles verführen.

Im Buch ist von zwei Männern die Rede. Der eine reist durch die Welt, der andere unternimmt Kopfreisen.

Was Sie da beschreiben, ist eher die äußere Form. Aber mich interessiert die innere mehr. Die ist spannender. Wir folgen nicht dem Buch. Das ist unmöglich. Weil sich Literatur immer anders verhält als Film. Man muss eine neue Spannung erzeugen, eine visuelle.

Womit wir beim Format wären. Warum haben Sie in 3-D gedreht?

Ich habe viele 3-D-Filme gesehen, die vom Schnittmodus her wie 2-D-Filme waren. Und da frage ich mich immer: Seid ihr blöd? Die Filmemacher gehen zu wenig auf 3-D ein.

Wollen Sie 3-D erforschen, so wie Humboldt und Gauß die Welt erforscht haben?

Man sollte Buck nicht in einem Atemzug mit den beiden Herren nennen. Aber grundsätzlich haben Sie nicht mal unrecht. Wir leben in einer digitalen Welt. Ich will mit diesem Film aber von einer analogen Welt erzählen. Ich möchte herausfinden, wie die Menschen damals die Welt gesehen haben. 1805 oder 1828 verlief das Leben viel ruhiger als heute. Also muss ich nach einem Weg suchen, diese Ruhe zu zeigen. Schnelle Schnittfolgen verbieten sich. Insofern war ich selbst auch auf einem echten Forschungstrip.

Sie wollen die Leute mit in den Dschungel nehmen?

Exakt. Mit dem Zuschauer auf Augenhöhe in den Dschungel und den dann gemeinsam entdecken. Forschung ist ja eine 3-D-Reise. Und deshalb glaube ich auch, dass dies ein Film ist, bei dem dieses Format sinnvoll ist.

Kehlmann breitet im Roman die gesamte Biografie von Gauß und Humboldt aus. Zu viel fürs Kino?

Das ist im Film ähnlich. Aber wir haben einen Schwerpunkt. Und der liegt eher auf der Stürmer-und-Dränger-Zeit als auf dem Alter. Ich sage immer, dass „Citizen Kane“ ein toller Film ist. Aber wenn der Zeitungsmogul in die Jahre kommt, wird er auch depressiv. Das Alter hat den Nachteil, dass die dramaturgische Spannung nachlässt. Komisch, ne? Im Buch kommt eher das Alter zur Sprache. Für den Film hat Daniel Kehlmann das geändert. Nun geht es mehr um die Jugend. Das war für ihn ein spannender Prozess. Quasi das Buch noch mal neu zu erfinden. Oder zumindest umzudeuten.

Es wird also actionreicher als im Buch?

Sie meinen, in der Richtung „Action is character“? Nein, nicht unbedingt. Wir reden hier ja von Wissenschaftlern. Die kämpfen nicht gegen Napoleon. Aber der Reiz liegt gerade darin zu zeigen, worin der Antrieb der Herren lag. Also die Bewegung zu bebildern und nicht so sehr die Analyse.

Interview: Peter Beddies

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