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Kultur Bukowski-Gesellschaft will Museum für berühmten Autor
Nachrichten Kultur Bukowski-Gesellschaft will Museum für berühmten Autor
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16:41 07.08.2009
Bukowski Gesellschaft Museum Autor Geburtshaus Andernach Stätte kein Geld Charles Dirty Old Man
Der US-amerikanische Kultautor Charles Bukowski. Quelle: Dorn (Archiv)
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Deshalb wäre es „ein Traum“ für den Vorsitzenden der Charles-Bukowski-Gesellschaft, Roni Braun, wenn in dem Geburtshaus Bukowskis ein Museum eingerichtet werden könnte. Doch die Chancen dafür stehen schlecht, denn die Stadt mag dafür kein Geld ausgeben. Dazu kommt ein ortsansässiger Karnevalsverein den Bukowski-Anhängern in die Quere.

Am Wochenende trifft sich die Charles Bukowski-Gesellschaft zu ihrem traditionellen Symposium in Andernach. Dabei will Roni Braun den Andernacher Bürgern und möglichen Sponsoren sein Museumskonzept vorstellen. Die Zeit drängt: Der jetzige Eigentümer des Hauses in der Aktienstraße 12, der diesjährige Andernacher Karnevalsprinz Markus Topp, steht der Idee eines Bukowski-Museums zwar „prinzipiell aufgeschlossen“ gegenüber, wie er sagt. Er will das Haus aber auch so schnell wie möglich vermieten.

Und Topp liegt noch eine weitere Mietanfrage vor - für ein Karnevalsmuseum. Erste Gespräche dazu will Topp in rund zwei Wochen führen. Welches Museum er bevorzugen würde, das wird Topp laut eigener Aussage davon abhängig machen, „wer mir den besseren Vertrag gibt“. Doch gerade bei der Finanzierung eines möglichen Bukowski-Museums sieht es derzeit noch mau aus. Die Bukowski-Gesellschaft 2008 hatte schon einen Förderantrag bei der Stadt gestellt, der im Dezember 2008 vom Finanzausschuss abgelehnt wurde.

Der Andernacher Bürgermeister Achim Hütten (SPD) sagt, den städtischen Gremien sei das „etwas unsichere Konzept“ ein zu großes Risiko. Bei der Erstinstallation des Museums setzen die Bukowski-Freunde weitgehend auf die finanzielle Unterstützung von Sponsoren. Jährliche Folgekosten in Höhe von etwa 30 000 Euro kämen auf die Stadt zu.

Obwohl Hütten selbst großer Bukowski-Fan ist und der Museums-Idee „positiv gegenübersteht“, kann er gleichzeitig auch „die Bedenken des Rates verstehen“. Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise mit einem „Einbruch bei den Steuereinnahmen von über 50 Prozent“ in Andernach sei es besonders schwierig, auf eine freiwillige Ausgabe zu setzen.

Zumal wohl auch vielen Ratsmitgliedern die Affinität zu Bukowski fehle. „Ich habe immer das Problem, dass ich wahrscheinlich ein größerer Bukowski-Fan bin als mein Stadtrat“, sagt Hütten und lacht. Auch wenn der 52-Jährige, der als Jugendlicher zum ersten Mal Bukowski las, momentan keine „finanziell realistischen Möglichkeiten sieht“, um ein Museum zu realisieren, hält er die Idee dennoch für „eine Sache, an der wir sicher dran bleiben sollten“.

Denn dass der Kultautor touristisches Potenzial hat, „wenn auch nichts Massentouristisches“, dabei ist sich Hütten sicher. Und auch Hauseigentümer Topp berichtet von Touristen, die besonders am Wochenende kämen, um Bukowskis Geburtshaus von außen zu betrachten.

Obwohl die Finanzierung des Museums abgelehnt wurde, beschloss der Andernacher Stadtrat “10 000 Euro in den Haushalt einzustellen“, sagt Hütten. Damit soll die Bukowski-Ecke in der Stadtbücherei bis zu Bukowskis 90. Geburtstag im August 2010 „aufgemöbelt“ werden.

Der Cousin von Charles Bukowski, der 86-jährige Heinrich Fett, empfände die Einrichtung eines Museums als „eine angemessene Ehrung“. 1978 war Heinrich Fett seinem berühmten Cousin, der mittlerweile als Autor von Weltrang gilt, ein einziges Mal begegnet. „Er war grundehrlich, er hat es so gesagt, wie er es empfunden hat, obwohl das auch nicht immer leicht war, auch für die nächsten Angehörigen nicht“, schildert der 86-jährige den berühmtesten Verwandten in der Familie, der gleichzeitig auch als schwarzes Schaf galt.

Obwohl Bukowski „Wein wie Wasser“ getrunken habe und Alkoholiker gewesen sei, ist Heinrich Fett auf seinen Cousin stolz. „Man kann schon stolz auf ihn sein, weil er hat nicht nur die schmutzigen Sachen geschrieben, sondern auch wirklich denkwürdige Sachen, die jeder auch schätzt. In späteren Jahren ist er ja besser geworden“, sagt Fett.

ddp

Johanna Di Blasi 06.08.2009
06.08.2009