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Kultur Copperfield: „Orson Welles hat mich inspiriert“
Nachrichten Kultur Copperfield: „Orson Welles hat mich inspiriert“
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14:51 04.04.2013
David Copperfield liebt Kino - und wollte eigentlich erst Schauspieler werden. Quelle: dpa
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Berlin

Mr. Copperfield, Ihr letzter Auftritt in einem Film ist lange her.

Ja, ich kann mich nicht einmal mehr daran erinnern, welcher Film das war.
„Monster im Nachtexpress“ von Roger Spottiswoode, 1980. Da sind Sie Ken, der Magier.

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Was für ein lyrischer Filmtitel. Ich war Mitte 20 und wusste nicht so genau, in welche Richtung sich mein Leben entwickeln würde.
Dabei heißt es, Sie wären schon als Kind der geborene Illusionist gewesen.

Das stimmt nicht, weil es so etwas nicht gibt. Wer ein guter Zauberer oder Illusionist werden möchte, muss sein Handwerk lernen. Es stimmt, dass ich damit früh begonnen habe. Meine Eltern rieten mir dazu, weil ich ein scheues Kind war. Sie versprachen sich davon, dass sich meine Schüchternheit legen würde.
Und wieso waren Sie dann nicht auf Magier abonniert?

Ganz einfach, weil die großen Inspiratoren meiner Kindheit eben nicht Houdini und Freunde hießen. Das waren Victor Fleming und Orson Welles oder Frank Capra und Walt Disney. Diese Geschichtenerzähler habe ich bewundert. Damals wäre ich gern Schauspieler geworden.
Was ist denn nach 1980 passiert, dass man Sie nie mehr in einem Kinofilm gesehen hat?

Ja, was soll ich sagen? Es passierte der Erfolg. Ich war „The Magic Man“, hatte aber immer ein Auge darauf, was im Filmbereich passiert.
Ist „Der unglaubliche Burt Wonderstone“ Ihre erste Erfahrung mit Hollywood nach mehr als 30 Jahren?

Nein, ich hatte immer mal wieder mit der Filmindustrie zu tun. Man hat als Magier Kontakt zu allen möglichen Leuten. So ist auch mein Museum in Las Vegas entstanden: Irgendwann fragten mich Menschen, die einst berühmte Zauberer kannten, ob ich Verwendung für deren Nachlässe hätte. So entstand das Copperfield-Museum.

Wann kann man das Museum besuchen?

Tut mir leid, es ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Es beherbergt all die Sachen, die ich in den vergangenen Jahrzehnten für meine Shows benötigt habe. Genauso finden sich dort Nachlässe von Zauberern wie Houdini oder Dinge, die einst dem Filmpionier Georges Méliès gehörten, oder Reliquien aus Orson-Welles-Filmen, etwa ein Tisch, auf dem Marlene Dietrich gelegen hat.
Wer darf in Ihr Museum?

Zaubererkollegen aus aller Welt. Und natürlich die Kollegen vom Film, wenn sie Rat brauchen.
Bei welchen Filmen konnten Sie denn schon helfen?

Wann immer Magie im Spiel ist. Bei „Prestige“ oder bei „Der Illusionist“ mit Edward Norton.
Stimmt es, dass Sie eigens einen neuen Trick für „Burt Wonderstone“ erfunden haben?

Ja, den „Hangman“. Man sieht im Film Steve Carell und Steve Buscemi, die auf der Bühne in gruseliger Atmosphäre jemanden an einen Galgen knüpfen, und plötzlich kommt unter einer Haube jemand zum Vorschein, der erstens nun tot sein sollte und zum zweiten gerade eben noch zehn Meter entfernt hing.
Haben Sie die Crew wirklich unterschreiben lassen, nie die Auflösung zu verraten?

Das war eher ein symbolischer Akt, aber auch eine Art Rückversicherung. Vielleicht will ich den Trick ja in ein paar Jahren in eine Show einbauen.
Waren die Schauspieler beeindruckt von dem Trick?

Zuerst waren sie schon überrascht, wie viel präzise Arbeit dahintersteckt. Aber dann – und das geht mir immer so – waren sie ein wenig enttäuscht, die Auflösung zu wissen. Das geht fast allen Menschen so. Erst wollen sie wissen, wie es funktioniert. Und hinterher herrscht Ernüchterung. Viele möchten, dass sie alles schnell wieder vergessen.

Interview: Peter Beddies