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Kultur Doppelter Echo für Lindenberg und Rammstein
Nachrichten Kultur Doppelter Echo für Lindenberg und Rammstein
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07:40 23.03.2012
 „Panikrocker“ Udo Lindenberg bekommt seinen Echo von Sänger Clueso. Quelle: dpa
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Berlin

Die Hitdichte ist immens beim „Echo 2012“. Allein in den ersten fünf Minuten stehen in Berlin Frida Gold, Andreas Bourani, Jupiter Jones und Tim Bendzko auf der Bühne – Newcomer, die im Radio inzwischen in Dauerschleife laufen. Da ist es gut, dass der wie immer leicht verpeilte Udo Lindenberg nach dem Hitmedley erst mal das Tempo rausnimmt: „Der totale Hammer“, nuschelt der Panikrocker, als ihm Clueso den Echo in der Kategorie „Künstler Rock/Pop National“ in die Hand drückt. Viel Zeit hat er nicht.

Einen Tag nach seinem Hannover-Gastspiel warten in der Berliner O2-World 15.000 Fans auf den Mann mit dem Schlapphut. Von Peter Maffay lässt er sich trotzdem ausbremsen. Der überreicht dem sichtlich überraschten Lindenberg eine Trophäe für die beste DVD-Produktion. „Nach dem Lebenswerk geht’s weiter“, ruft Lindenberg – den Preis für seine Lebensleistung hat er schließlich schon bei der ersten Echo-Gala 1992 bekommen. Mit Jan Delay und knapp bekleideten Matrosinnen singt der 65-Jährige noch fix „Reeperbahn“, dann geht’s per Hubschrauber weiter zum nächsten Auftritt.

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Lange hatte der Branchenpreis mit seinem verschnarchten Image zu kämpfen. Die beiden Moderatorinnen Ina Müller und Barbara Schöneberger tun deshalb einiges, um die Show möglichst lebendig zu gestalten. Erst küssen sie sich wie 2003 Madonna und Britney Spears, dann kreischen sie um die Wette, als sie die internationalen Gaststars ansagen: Lana Del Rey, Katy Perry, Jason Mraz, Sean Paul, David Guetta und viele andere sind gekommen. Die imposante Liste zeigt, wie wichtig der deutsche Markt immer noch für die Musikbranche ist.

Der Echo ist der wichtigste deutsche Musikpreis und soll die Antwort auf die Grammys und die Brit Awards sein – doch dafür ist die Show dann doch zu harm- und humorlos. Skandale gab es am Donnerstagabend keine, allenfalls ein paar kleine Aufreger: Der Berliner Rapper Bushido, der zusammen mit seinem neuen Kumpel Sido den Publikumspreis fürs beste Video bekommt, stichelt ein wenig gegen Nicht-mehr-Kumpel Maffay, und die Popprovokateure Rammstein kommentieren ihren Echo für den erfolgreichsten Musikexport mit „Danke, die Achse des Bösen ist noch nicht weggebrochen.“ Das war’s.

Artig – und sehr sympathisch – überreicht Eurovision-Song-Contest-Siegerin Lena Meyer-Landrut den Preis für den „Newcomer National“ an Tim Bendzko („Nur noch kurz die Welt retten“), ehe House-DJ David Guetta (Kategorie „Club/Dance“) auf die Bühne darf. Der Erfolgsproduzent dankt Berlins Techno-DJs für ihre Pionierarbeit und lobt die Deutschen dafür, dass elektronische Musik auch hierzulande im Mainstream angekommen sei. Da ist Moderatorin Schöneberger doch etwas konsterniert. „Sind wir ’ne Mainstream-Show?“, fragt sie – als wäre der Echo je etwas anderes gewesen. „Der soll mal warten bis Rammstein auf der Bühne stehen!“ Bis es soweit ist, müssen sich die ARD-Zuschauer noch gedulden.

Erst wird an Whitney Houston und Amy Winehouse erinnert, zwei große Soulstimmen, die für immer verstummt sind. Das Patenkind von Winehouse, Dionne Bromfield, singt zusammen mit Ina Müller, „The Voice“-Siegerin Ivy Quainoo, Aura Dione und Caro Emerald „Valerie“, einen der bekanntesten Songs ihrer verstorbenen Patentante.

Dann plötzlich lodern Feuerwände unter dem Dach der Messehalle. Rammstein sind zurück – und spielen gemeinsam mit dem Goth-Rock-Star Marilyn Manson dessen grelles „Beautiful People“. Der Auftritt ist so aufwendig, dass er kurz vor Beginn der Show aufgezeichnet werden musste. Live hätte der Umbau zu lange gedauert. Das passt nicht zum neuen Echo-Tempo.

Als sich der Rauch der Pyrotechnik verzogen hat, wird es kurz vor Schluss noch einmal ganz still: BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken erhält von Wim Wenders die Trophäe fürs Lebenswerk. Für den 60-Jährigen ist es der erste große Auftritt nach seinem Schlaganfall Anfang November. Mit Clueso singt er zum Schluss von Augenblicken, die man nie vergisst. Einige waren am Donnerstag dabei.

Karsten Röhrbein und Sebastian Scherer

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