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Kultur Eckart von Hirschhausen in der AWD-Hall
Nachrichten Kultur Eckart von Hirschhausen in der AWD-Hall
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19:31 26.11.2010
Von Ronald Meyer-Arlt
Eckart von Hirschhausens Auftritt in der ausverkauften AWD-Hall vor 3000 gut gelaunten Besuchern war eine Art Heimspiel.
Eckart von Hirschhausens Auftritt in der ausverkauften AWD-Hall vor 3000 gut gelaunten Besuchern war eine Art Heimspiel. Quelle: Nancy Heusel
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Über Harmlosigkeit darf sich der Besucher eines Kabarettabends mit Eckart von Hirschhausen eigentlich nie beklagen. Der promovierte Mediziner (sein Doktortitel ist ihm nicht humoris causa verliehen worden) ist der große Sanfte der deutschen Kabarettistenriege. Und bei seinem Auftritt in der AWD-Hall sagt er gleich zu Beginn, was er vorhat: „Ich bin Arzt, ich möchte Sie gut behandeln.“ Und das tut er dann auch. Fast drei Stunden lang, ohne Zugabe.

Ätzende Satiren, böse Pointen, fiese Sottisen sind seine Sache nicht, von Hirschhausen ist der freundliche Doktor von der Kinderstation. Er kommt mit Spitzen, nicht mit Spritzen. Lachen, das weiß er, ist die beste Medizin, und deshalb bietet er reichlich davon. Nicht alles ist dabei zum Brüllen, manches ist eher zum Schmunzeln, und anderes reicht nicht mal dazu. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Mario Barth oder Ihren Apotheker.

Hirschhausens Auftritt in der ausverkauften AWD-Hall vor knapp 3000 gut gelaunten Besuchern war eine Art Heimspiel. Hannover kennt er gut, hier hat er im kleinen Theater am Küchengarten angefangen, im GOP hat er moderiert, und zusammen mit Bettina Tietjen ist er Gastgeber der NDR-Talkshow.

Und jetzt gastiert er (in einer TaK-Veranstaltung) in der riesigen AWD-Hall. Auch die Bühne ist großes Kino: Hinten auf der Leinwand ist Sylt zu sehen. In der Mitte zwischen Rednerpult (links) und Raststättentisch (rechts) hängt ein Rettungsring an einem Holzständer. Er wird aber nicht gebraucht. Was soll’s: Mario Barth macht seine Witze vor der Quadriga des Brandenburger Tores, und da fragt ja auch keiner, warum das so ist. Über die Bühnenbilder von Kabarettisten sollte ein Medien- oder Kulturwissenschaftler dringend mal eine Dissertation schreiben. Hier besteht noch viel Erklärungsbedarf.

Das Thema der heutigen Sprechstunde des Lachdoktors lautet: „Liebesbeweise“. Zu Beginn sagt von Hirschhausen nicht, er sei der Mario Barth für Reiche, sondern: Er sei der Mario Barth für Leute mit Niveau. Was ja auch stimmt. Denn natürlich geht es auch um die Unterschiede zwischen Mann und Frau. Hat das Thema nicht inzwischen einen Barth? Nein, da geht immer noch einiges.

Hirschhausen erzählt nicht platt von Frauen, die nicht einparken können, und von Männern, die immer nur an das eine denken, er erzählt von Mutterliebe, von Polygamie, von Spiegelneuronen und von Männern, die immer nur an das eine denken. Oft singt er auch. Er trifft dabei stets den richtigen Ton, aber ein Sänger ist er deshalb nicht. Es ist irgendwie rührend, wie er da mit dem Mikrofon in der Hand, mit verrutschtem Hemd in der Bühnenmitte steht und andächtig John Denvers „Leaving on a Jet Plane“ singt. Liebes­lieder (und das ist ja eines der schönsten) spielen eine wichtige Rolle in seinem Programm. Er singt und analysiert. Sein Fazit: Man sollte Liebeslieder bloß nicht wörtlich nehmen und nicht zu viel darüber nachdenken.

Zwischendurch nimmt er aus erstaunlich vielen Trinkgefäßen eine farblose Flüssigkeit (Wasser?) zu sich. Manchmal, ach was: oft, schenkt er sich die farblose Flüssigkeit auch aus einer Thermoskanne (heißes Wasser?) nach. Wer Kabarettisten beim Trinken zusehen will, sollte unbedingt eine Show von Eckart von Hirschhausen besuchen.

Aber lustig ist die Sache natürlich auch. Großartig ist von Hirschhausen immer dann, wenn er frei improvisierend mit dem Publikum in Kontakt kommt. Und das ist in den drei Stunden ziemlich oft der Fall.

Peinlich aber wird es, wenn er mit einem Pinguin auf dem Schoß vom Leben und von der Liebe schwadroniert und Sprüche macht, in denen „Meer“ und „mehr“ beziehungsvoll zueinanderfinden. In der Werbebranche sind solche Wortspiele längst schon verboten.

Am Ende versucht der Mann von der Lichttechnik einen Sonnenuntergang hinzuzaubern, der Kabarettist erzählt, wie wichtig es ist, sich dem Moment zu öffnen, die eigenen Stärken zu erkennen und zu wissen, wo man hingehört. Margot Käßmann hätte das kaum schöner sagen können.

Ergriffen lauscht das Publikum. Zugabe? Nein, das dann doch nicht.

Am 23. März tritt Eckart von Hirschhausen wieder in der AWD-Hall auf.

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