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Kultur Ehepaar überzeugt spielerisch im Konzert
Nachrichten Kultur Ehepaar überzeugt spielerisch im Konzert
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06:15 18.10.2012
Von Jutta Rinas
Meisterlich: Martin Helmchen, Marie-Elisabeth Hecker. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

„Soiréestücke“ hat der Komponist Robert Schumann seine Fantasiestücke op. 73 ursprünglich genannt. Schumann, der Träumer und Klangdichter unter den romantischen Komponisten, weist durch die Bezeichnung des Aufführungsortes schon im Titel auf den Charakter der Stücke hin. Eigentlich sind sie nicht für den großen Konzertsaal bestimmt, sondern für einen privaten Rahmen: für eine Abendgesellschaft (französisch: soirée) bei einem adeligen oder wohlhabenden bürgerlichen Musikfreund des 19. Jahrhunderts. Intimität, Privatheit und die Sehnsucht nach Harmonie bestimmen ihren Ausdruck.

Es ist eine große Kunst, eine solche Atmosphäre in einem typischen Konzertsaal des 21. Jahrhunderts entstehen zu lassen. Die erst 25 Jahre alte Cellistin Marie-Elisabeth Hecker, die seit dem Gewinn des Pariser Rostropowitsch-Wettbewerbes als eines der vielversprechendsten Talente ihres Genres gilt, und ihr Ehemann und Kammermusikpartner Martin Helmchen gelang das Kunststück bei ihrem Duo-Abend bei Pro Musica im Großen NDR-Sendesaal Hannover meisterlich.

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Es ist eindrucksvoll zu erleben, wie die beiden ihr gebannt lauschendes Publikum schon mit den ersten Takten von Schumanns Fantasiestücken op. 73 in eine Welt entführen, der alles Laute, Auftrumpfende, Marktschreierische fremd bleibt. „Zart und mit Ausdruck“ ist das erste Stück überschrieben.

„Lebhaft, leicht“ und „Rasch und mit Feuer“ heißen im Kontrast dazu die anderen beiden Tempobezeichnungen. Traumwandlerisch schön verwandeln die beiden Musiker die so verschiedenen Vortragsbezeichnungen in reinen musikalischen Ausdruck. Und das, obwohl die Stücke als undankbar gelten. Man hört es ihnen nicht an, wie schwierig sie manchmal sind.

Voll, warm, weich und dabei sehr gesanglich klingt Heckers Cello. Perlendes, nuanciertes Klavierspiel gibt Helmchen (der in Hannover bei Arie Vardi studiert hat) dazu. Das Programm der beiden jungen Musiker - auch Helmchen ist gerade erst mal 30 Jahre alt - steckt voller Stücke, in denen Zwischentöne statt großer Gesten dominieren.

Helmchen und Hecker überzeugen in Beethovens Variationen in G-Dur über ein Thema aus Händels Oratorium „Judas Maccabäus“ mit klanglichem Raffinement. In Schuberts „Arpeggione-Sonate“ ist es vor allem Hecker mit ihrem schier nicht enden wollenden, seelenvollen Bogenstrich, die die wunderbar strömende Lyrik des Stücks zum Klingen bringt.

Nach langem Applaus spielen die beiden Musiker als Zugabe noch einmal einen Satz aus Johann Sebastian Bachs Sonate D-Dur BWV 1028. Mit dem barocken Werk, das Bach eigentlich für Gambe und Cembalo komponierte, hatten sie das Konzert eröffnet. Jetzt beschließen sie damit einen Abend voller in sich gekehrter Momente, der darum nur umso mehr überzeugt.

Das nächste Pro-Muscia-Konzert: Joyce Didonato am 9. November. Karten unter (0511) 363817.

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