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Kultur Erfolg fürs KinderTheaterHaus
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18:23 03.09.2012
Wirbt um junge Zuschauer: Harald Schandry. Quelle: Anke Simons
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Hannover

Ein Theaterhaus nur für Kinder - mit niedrigen Türgriffen und Waschbecken, aber ohne Mickymaus an den Wänden und Märchen im Programm. Schon wer das im vergangenen November wiedereröffnete Haus in der hannoverschen Kestnerstraße betritt, das seit 2010 für 1,75 Millionen Euro saniert worden war, spürt, dass Kinder und ihre Bedürfnisse hier ernst genommen werden.

Das heißt für Harald Schandry, den Leiter des KinderTheaterHauses, vor allem, mit Kindern ins Gespräch zu kommen und ihre persönlichen Erfahrungen in die Stücke einzubauen, statt ihnen fertige Einsichten zu präsentieren. Auf diese Weise sollen junge Zuschauer lernen, dass die Realität vielschichtig ist und nicht schwarz und weiß oder gut und böse. Es gehe nicht darum, sie glücklich zu machen, sondern sie zum Staunen zu bringen.

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Kinder ernst zu nehmen heißt auch, um sie zu werben und sie nicht zur Kultur zu überreden. Die von Kindern und Jugendlichen gern genutzten Medien wie soziale Netzwerke oder Computerspiele funktionieren anders als das klassische Theater, das mit der Frage konfrontiert ist, wie es auf diese Medialisierung reagiert. Das KinderTheaterHaus im Alten Magazin wird von 5. bis zum 9. September daher Gastgeber des Festivals „Spurensuche“ sein, das sich mit den Perspektiven des Kindertheaters befassen wird.

Das im Haus ansässige Klecks Theater hat seine Antwort auf die Entwicklungen bereits gefunden: mehr Theaterpädagogik und stärkere Einbindung der Kinder in den Theaterbetrieb - auch wenn dann seltener gespielt wird und weniger Kinder „nur“ zum Zuschauen kommen. Neben drei Neuproduktionen pro Jahr entstehen zwei Stücke in Kooperation mit Schulklassen, in denen neben Profis auch Kinder und Jugendliche auf der Bühne stehen. Kooperationen gab es bisher mit der Glocksee- und der Kestnerschule.

Die Erfolge derartiger Projekte sind groß. Mancher Schüler wird persönlich gestärkt und überrascht beim Theaterspielen seine Lehrer. Wer keine Lust hat, darf erst einmal abwarten. Nötigenfalls findet er später hinter den Kulissen, in der Technik, seinen Platz.

Die meisten Kinder kommen außerhalb der Schule wieder, auch um ihren Eltern „ihr“ Theaterhaus zu zeigen. Kinder aus gutbürgerlichen Elternhäusern kämen auch so regelmäßig in die Vorstellungen, sagt Schandry. Bildungsferne Kinder würden erst durch Kindergärten oder Schulen erreicht. Aber gerade sie reagierten oft umso empathischer auf das Gesehene.

Das Konzept des KinderTheaterHauses scheint aufzugehen. Der Chef zieht eine positive Bilanz der vergangenen Monate. 80 bis 100 Kinder besuchten durchschnittlich die rund 20 Veranstaltungen pro Monat. Die meisten Vorstellungen waren ausverkauft. Eine längere Sommerpause gab es nicht; gerade einmal drei Tage hat man sich hier gegönnt. In den Sommerferien fand der Theatercampus statt. Er gab Kindern einen spielerischen Einblick in das Studium und die Berufswelt von Schauspielern und Künstlern.

Von Herbst an wird es einen weiteren Arbeitszweig geben, gefördert von der Aktion Mensch. Das KinderTheaterHaus wird mit Förderschulen aus Hannover-Linden zusammenarbeiten.

Das bisherige theaterpädagogische Programm wird von der Klosterkammer Hannover finanziert. Die Modellförderung läuft jedoch im nächsten Jahr aus. Wie es dann weitergeht, weiß Schandry noch nicht. Gespräche laufen.

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