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09:36 08.10.2012
Foto: Das Centre Pompidou in Paris. In Zeiten der Finanzkrise muss in vielen Bereichen der Rotstift angesetzt werden - auch bei der Kunst.
Das Centre Pompidou in Paris. In Zeiten der Finanzkrise muss in vielen Bereichen der Rotstift angesetzt werden - auch bei der Kunst. Quelle: dpa
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Paris

Die Ausstellung war dem amerikanischen Pop-Art- Künstler Robert Indiana gewidmet und sollte am 21. November eröffnet werden. Doch das Grand Palais hat die Präsentation gestrichen. Grund: Einer der wichtigsten Mäzene habe sich wegen der „schwierigen Wirtschaftslage" zurückgezogen, wie die Organisatoren zögerlich der Presse mitteilten. Auch das Kunst-Event „Monumenta", das jedes Jahr sechs Wochen lang Tausende Besucher unter die riesige Glaskuppel des Grand Palais lockte, hat es im Mai in dieser Form zum letzten Mal gegeben - trotz seines Publikumserfolgs.

Die „Monumenta" ist mit Künstlern wie Anselm Kiefer, Anish Kapoor und Richard Serra zu einem Highlight der Pariser Kunstszene geworden. Die Millionen teure Veranstaltung wurde vom französischen Staat subventioniert, der bisher dafür Kosten von rund fünf Millionen Euro übernahm. Zu teuer in Zeiten der Krise, sagte Frankreichs Ministerin für Kultur und Kommunikation, Aurélie Filippetti. Das ist das erste Mal, dass unter einer sozialistischen Regierung bei der Kultur so rigoros der Rotstift angesetzt wird.

„Niemand bleibt verschont", erklärte der Präsident des Pariser Centre Pompidou, Alain Seban. Sein Haus muss so wie die Pariser Oper, der Louvre und das Musée d’Orsay mit Subventionskürzungen zwischen 2 und 2,5 Prozent rechnen. „Das wird Auswirkungen auf das Veranstaltungsprogramm haben", erklärte der Präsident der Ausstellungsstätte, die jährlich rund sechs Millionen Besucher anzieht. Für 2013 könne er nicht ausschließen, dass eine große Ausstellung ausfallen muss.

Frankreich leitet seine Stellung in der Welt und in Europa vor allem aus seiner Kultur ab und hat bisher seine Kulturlandschaft vor harten Einschnitten verschont. „Während die meisten europäischen Länder das Kulturbudget massiv kürzen, hat sich Frankreich zugunsten seiner Kultur entschieden", sagte der ehemalige Minister für Kultur und Kommunikation, Frédéric Mitterrand, 2011 bei der Verkündung des Etats.

Zwar hat François Hollande in seinem Präsidentschaftswahlkampf noch betont, dass die Kultur unangetastet bleiben müsse, doch das sieht angesichts der Finanzkrise jetzt anders aus. Frankreich muss fast 37 Milliarden Euro einsparen, um die Maastricht-Kriterien einzuhalten. Der Kultur- und Kommunikationsbereich muss dabei tatkräftig helfen. Für 2013 wurde das Gesamtbudget dort um zwei Prozent auf 7,4 Milliarden Euro gekürzt.
 Aurélie Filippetti hat bereits vor Wochen wissen lassen, dass sie auf die kostspielige Glamour-Politik ihrer Vorgänger verzichten werde. „Ich will der Vorstellung, dass Kulturpolitik aus großen Projekten und großen Ausgaben besteht, ein Ende setzen", erklärte die 39-jährige Politikerin. So wird es vorläufig in Paris kein Fotografie-Museum geben, kein prähistorisches Zentrum „Lascaux 4" in der Dordogne und keinen zusätzlicher Saal für das berühmte Pariser Theater La Comédie Française.

Auch das geplante Haus der französischen Geschichte wird nicht realisiert. Das Projekt des französischen EX-Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy sorgte 2010 für heftige Polemik. Die Umsetzung seiner Idee hätte den Staat mehr als 80 Millionen Euro gekostet.

dpa

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