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Kultur Friedrich Kunath erhält Sprengel-Preis der Sparkassenstiftung
Nachrichten Kultur Friedrich Kunath erhält Sprengel-Preis der Sparkassenstiftung
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19:58 07.12.2011
Von Johanna Di Blasi
Friedrich Kunath erhält 2012 den Sprengel-Preis für bildende Kunst. Quelle: dpa
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Die Welt scheint derzeit auf ziemlich schwankendem Untergrund gebaut zu sein. Sicherheiten und Gewissheiten bröckeln. Man spannt „Rettungsschirme“ auf und zittert vor Ratingagenturen. Dann spannt man noch größere Schirme auf und hebelt sie, ohne dass die eiligen Finanzrettungsaktionen das Gesamtkonstrukt stabiler erscheinen ließen. In Zeiten wie diesen lohnt der Blick auf die Kunst ganz besonders. Künstler sind Akrobaten des Instabilen und Artisten der Ambivalenz. Ihr Weltbezug ist häufig ein ironischer und melancholischer. Empfindsam für die Schönheit und Kostbarkeit des Lebens, wissen sie zugleich um seine Zerbrechlichkeit.

Ganz sicher gilt das für den wundersamen Melancholiker Friedrich Kunath. Wie das Sprengel Museum Hannover mitteilte, ist er als Sprengel-Preisträger 2012 auserkoren worden. Den Preis vergibt die Niedersächsische Sparkassenstiftung. Dem hannoverschen Kunstpublikum ist Kunath ein Begriff seit seiner Einzelausstellung 2009 im Kunstverein Hannover, die den Titel „Home wasn’t built in a day“ trug.

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Zentrales Werk war damals – es war um die Weihnachtszeit – eine wüste Installation namens „Die gescheiterte Melancholie“, eine zeitgenössische Hommage an Caspar David Friedrichs Gemälde „Eismeer“ und Albrecht Dürers „Melancholia I“. Reproduktionen der Kunstwerke hatten die Eltern des 1974 in Chemnitz geborenen Künstlers ins Kinderzimmer ihres Sohns gehängt. Die Installa­tion war mit einem vom Künstler geschaffenen Sound unterlegt.

An einen mit Jeansstoff verkleideten Raum werden sich Besucher vielleicht auch noch erinnern können. Darin stand ein Sarg, ebenfalls mit Denim ummantelt. Und eingeprägt haben sich wahrscheinlich auch Kunaths melancholische Aquarelle und Collagen.
Häufig sucht der Künstler in seinen Bildern Schwellen auf, beispielsweise jene zwischen Festland und offener See. Ein Matrose in Rückenansicht hält auf einem typischen Kunath-Bild die Arme verschränkt und blickt auf ein mit dürren Strichen skizziertes Schiffswrack hinaus. Die Galionsfigur, ein Totengerippe, scheint aus einem Piratenfilm gecastet zu sein.

Oder: Ein Passagierflugzeug erhebt sich in den abendroten Himmel. Auf dem Flugzeugrumpf steht in dicken schwarzen Lettern: „Your Problems“ – Eure Probleme. Aktuell könnte man es abwandeln in: Euro Probleme. Man möchte den Kopf in ein Zauberreich stecken wie eine der Figuren des Künstlers, die mit dem Kopf in eine Schneekugel ragt: ein mit Kunstschnee überzuckertes Miniaturwäldchen. Das kühle Kopfklima steht im Kontrast zum tropischen Körperklima der mit einem Hawaiihemd bekleideten Gestalt. Ob es ihr gut bekommt, wissen wir nicht.

In der Jurybegründung heißt es zur Auswahl Kunaths für den Sprengel-Preis: „Die Kunst von Friedrich Kunath siedelt sich zwischen Humor und Absurdität an, sie ist tragikomisch. Die Leichtigkeit und Genauigkeit, mit der er die gesamte Palette der verschiedenen Materialien von Zeichnung/Malerei bis zur Videokunst/Performance nutzt, hat ihn zu einem der interessantesten Künstler seiner Generation gemacht.“ Und weiter heißt es über den nach Kalifornien ausgewanderten Deutschen: „Kunath ist ein ,amerikanischer Europäer‘, der das Merkwürdige liebt und beobachtet. Er verblüfft uns mit einem Feuerwerk an Ideen. Sein Blick auf die Welt verzaubert; er ist ein Spieler zwischen den Welten.“

Voraussetzung für die Sprengel-Preisverleihung ist ein – allerdings nicht allzu streng gefasster – Niedersachsenbezug von Künstlern. Kunath hat an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig bei Walter Dahn studiert. Mit Dahn, den der amerikanische Künstler Richard Prince einmal als den amerikanischsten Künstler seiner Generation in Deutschland bezeichnete, verbindet Kunath die Beschäftigung mit Musik.

Friedrich Kunath, dessen Werke voll zauberhafter Ironie und ironischem Zauber stecken, ist ein würdiger Sprengel-Preisträger. Eine Präsentation seiner neuen Werke plant das Sprengel Museum für Ende 2012.

Die Auszeichnung, die im Zweijahresrhythmus vergeben wird, hatte noch der Sammler und Museumsgründer Bernhard Sprengel ins Leben gerufen. Sie ist mit 12 500 Euro dotiert. Mitglieder der Jury waren unter anderem Ulrich Krempel (Sprengel Museum), Hartmut Neumann (HBK Braunschweig) und Jochen Stöckmann (Kunstkritiker in Berlin). Vormalige Preisträger waren Kalin Lindena, Antje Schiffers, Stefan Mauck, Ingo Günther und Bjørn Melhus.

Preisverleihung ist Ende 2012 im Sprengel Museum.