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Kultur Gut gebrüllt ist halb gewonnen
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00:23 19.05.2014
Foto: Wieder aufgetaucht: Godzilla.
Wieder aufgetaucht: Godzilla. Quelle: Warner Bros.
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Berlin

Godzilla ist das populärste Ungeheuer der Filmgeschichte. Schon in seinem ersten Auftritt in Ishiro Hondas Genreklassiker war 1954 klar, dass die Riesenechse mehr als nur ein Kinomonster ist. Der Originalfilm reflektierte neun Jahre nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki die Erfahrung totaler Zerstörung. Gleichzeitig thematisierte der Film das aus der Balance geratene Verhältnis zwischen Mensch und Natur. Dieses Monster war auch eine tragische Gestalt, die das Mitgefühl des Publikums einforderte.

Während Roland Emmerich in seinem „Godzilla“-Remake von 1998 die Riesenechse nur als Instrument digitaler Zerstörungsorgien einsetzte, dockt Gareth Edwards nun am Geist des Originalstoffes an. Nicht zufällig begibt sich der Film nach Japan in ein aus der jüngsten Zeitgeschichte vertrautes Setting: Joe und Sandra Brody (Bryan Cranston, Juliette Binoche) arbeiten in einem Kernkraftwerk, als Erdbeben die Küste erschüttern. Erinnerungen an Fukushima werden bei den Zuschauern wachgerufen, wenn durch das Beben die Atomanlage wie ein Kartenhaus in sich zusammenfällt. Allerdings sind hier nicht tektonische Ursachen für das Unglück verantwortlich: Ein Ungeheuer ist erwacht, das durch die Atombombentests im Pazifik über die Jahrzehnte zu beachtlicher Größe herangewachsen ist und nun nach mehr Radioaktivität hungert.

Die Ursachen des Super-GAUs werden geheim gehalten, bis 20 Jahre später ein andersgeartetes Insektenmonster aus dem Kokon schlüpft, das sich ausgerechnet in San Francisco an der Golden Gate Bridge mit einer Artgenossin zu einem Stelldichein verabredet hat. Während die Menschen hilflos den monströsen Fortpflanzungsprozess zu vereiteln suchen, eilt ihnen aus den Tiefen des Ozeans ein Retter zu Hilfe: Godzilla mit geballter Echsenkraft.

Die Diversifizierung im Monsterlager erscheint zunächst verwirrend, hat im Gesamtuniversum der „Godzilla“-Filme aber Sinn. Die Echse mutiert zum Alliierten der Menschheit und weist zugleich deren Allmachtsfantasien in ihre Schranken. Anders als im Genre üblich sind es nicht menschliche Heldenfiguren, sondern die Naturgewalten, die den Untergang der Zivilisation vereiteln.

Schon in seinem Debüt, dem poetischen Science-Fiction-Film „Monsters“, stellte der Brite Gareth Edwards unter Beweis, dass man mit wenig Geld interessantes Genrekino auf die Beine stellen kann. „Godzilla“ zeichnet sich durch einen pointierten Einsatz visueller Effekte aus. Die Bilder der Zerstörung verkommen nie zum digitalen Muskelspiel.

Die finale Schlacht in der Bucht von San Francisco wird im kunstvollen Nebelsetting ausgetragen, das Sounddesign unterstützt die lauernde Spannung mit knarzenden, knirschenden Toneffekten. Edwards findet einen ausgewogenen Schnittrhythmus, der die Totalen des zerstörerischen Kampfes immer mit menschlichen Einzelschicksalen koppelt. Ein angenehm frischer Wind weht hier durch die Blockbuster-Branche, die von vorformatierten Konzepten geprägt ist. Bleibt nur zu hoffen, dass Nachwuchskräfte wie Edwards einen überfälligen Innovationsschub im Popcornkino einleiten.

Kinostart: 15. Mai