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Kultur Hans Ulrich Schmid ist tot
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20:51 10.08.2012
Von Stefan Arndt
Hans Ulrich Schmid im Jahr 2006. Quelle: Karin Blüher
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Hannover

„Guten Tag, mein Name ist Schmid. Ich möchte Sie kennenlernen.“ Mit diesen lapidaren Worten stellte sich Hans Ulrich Schmid Mitte der siebziger Jahre bei den Philharmonikern in New York vor. Es war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, denn tatsächlich lernte man sich schnell und sehr gut kennen - noch immer betreut Schmids Agentur das amerikanische Orchester bei seinen Europagastspielen. Von Hannover und später zusätzlich auch von London aus spann Schmid ein globales Netzwerk für die klassische Musik. Große Klangkörper wie die Philharmoniker aus New York oder Boston und namenhafte Solisten und Dirigenten wie Alfred Brendel, Pierre Boulez oder Georg Solti vertrauten bald auf die Unterstützung und die Verbindungen des Musikmanagers.

Früh setzte Schmid auch auf zunächst weniger bekannte Musiker wie Neville Marriner, der in London ein freies Orchester gegründet hatte. „Er hat uns immer ernst genommen, ermutigt und gefördert“, erinnerte sich der Dirigent später. Dass dessen Academy of St. Martin in the Fields zu einer international bekannten Marke im Klassikgeschäft wurde, ist so auch ein Verdienst des hannoverschen Musikmanagers. Wie am Freitag bekannt wurde, ist Schmid bereits am 3. August im Alter von 86 Jahren gestorben.

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Geboren wurde er 1926 in Hamburg. Er studierte in München, Zürich und Stuttgart Klavier - kam aber bald zu der Einsicht, dass sein Talent zur großen Karriere nicht reichte. Dem Instrument blieb Schmid trotzdem treu: Er absolvierte eine kaufmännische Ausbildung beim Klavierbauer Steinway & Sons. Gemeinsam mit seinem Partner Alfred Döll machte er sich schließlich 1957 in Hannover selbstständig. Schmid beschränkte sich aber nicht nur darauf, Instrumente zu verkaufen. Er schuf auch eindrucksvolle Kauf-anregungen, indem er Klavierabende etwa mit dem Pianisten Karl Engel, der in Hannover lehrte, veranstaltete. Engel war es, der Schmid anregte, seine Konzerte auch außerhalb Hannovers zu vermitteln. 1959 nahm die Konzertdirektion Schmid dann offiziell ihre Arbeit auf.

Die Künstler, die Schmid international vertrat, holte er auch immer wieder zu Auftritten nach Hannover. 1964 waren die Pro-Musica-Konzerte zum ersten Mal in der Stadt zu hören. Dreißig Jahre lang prägte Schmid so auch das hannoversche Musikleben entscheidend. 1994 übergab er die Geschäfte seiner Tochter Cornelia Schmid. „Die Firma und ich persönlich verdanken ihm unendlich viel“, teilte diese am Freitag mit. Ihr Vater sei ein Pionier im internationalen Musikgeschäft gewesen, „ein Entrepreneur der deutschen Nachkriegszeit: mit Visionen, Gespür für Talent und Qualität, aber auch stets fairer und ehrlicher Geschäftspartner“.

Trotz seiner Erkrankung hatte Schmid auch nach seinem Ausscheiden großen Anteil an den Geschicken der Konzertagentur genommen. Besonders interessiert war er an neuen künstlerischen Entdeckungen: Das Gespür und die Begeisterungsfähigkeit des Musikers hat Schmid auch als Unternehmer nie verloren.

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